Wenn das Gehalt überall gleich wäre: Welchen Job würdest du gerade machen – und warum?

Berufung ist für mich nichts, wonach ich erst suchen muss, denn ich mache im Grunde mein ganzes Leben lang denselben Job. Diese Entscheidung habe ich schon vor langer Zeit getroffen, ohne sie damals bewusst als Berufswahl zu bezeichnen.
Ich habe mein Leben lang diejenigen mitgenommen, die irgendwo vom System hinten heruntergefallen sind. Das waren Menschen, die nicht in die vorgesehenen Schubladen passten, Tiere, die als schwierig galten, und Situationen, für die sich niemand mehr richtig zuständig fühlte. Ich habe hingesehen, wenn andere längst weggesehen hatten. Ich habe wahrgenommen, was fehlte, und nachgebessert, was an anderer Stelle versäumt worden war.
Dabei ging es mir nie nur darum, jemanden kurzfristig aufzufangen. Ich wollte verstehen, wie es überhaupt dazu gekommen war, dass ein Mensch oder ein Tier an diesem Punkt stand. Ich wollte herausfinden, welche Verbindung abgerissen war, welche Fähigkeit übersehen wurde und welche Möglichkeit weiterhin vorhanden war. Oft lag genau dort, wo vorher nur ein Problem gesehen wurde, bereits der Zugang zu einer neuen Entwicklung.
Diesen Job habe ich nicht erst mit einer bestimmten Ausbildung begonnen. Die Ausbildungen kamen später hinzu. Sie gaben mir weitere Werkzeuge, Begriffe und Möglichkeiten für etwas, das längst zu meinem Leben gehörte. Ich habe meine Wahrnehmung geschult, meine Arbeitsweisen erweitert und immer genauer erkannt, was ich eigentlich tue. Aus vielen einzelnen Erfahrungen entstand nach und nach eine umfassende Form der Begleitung. Sie verbindet Menschen, Tiere, innere Entwicklung, energetische Wahrnehmung, Kreativität und ganz praktische Veränderung miteinander.
Berufung trägt den Hof
Der entscheidende Unterschied liegt heute nicht darin, dass ich plötzlich einen anderen Beruf ausübe. Der Unterschied liegt darin, dass aus meiner Berufung jetzt sichtbar mein Beruf geworden ist. Was früher im kleinen Rahmen geschah, was ich hier und dort nebenbei auffing und häufig selbstverständlich leistete, ist heute der Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich mache nicht mehr nur gelegentlich das, was ich schon immer gemacht habe. Ich habe diesem Wirken einen Ort, eine Struktur und einen Namen gegeben.
Dieser Ort ist das Drachenzentrum. Hier muss kein Mensch und kein Tier erst passend gemacht werden, bevor Entwicklung möglich ist. Hier darf sichtbar werden, was tatsächlich da ist. Unterschiedliche Methoden stehen nicht getrennt nebeneinander, sondern verbinden sich dort, wo die jeweilige Situation es braucht. Es geht nicht darum, jedem Menschen dieselbe Lösung überzustülpen. Es geht darum, genau hinzusehen, Zusammenhänge zu erkennen und dort anzusetzen, wo sich wirklich etwas bewegen kann.
Ich begleite weiterhin Menschen, verstehe Tiere, hinterfrage Systeme, hole versäumte Entwicklung nach und öffne Räume, in denen etwas wieder in seine eigene Ordnung finden kann. Ich muss mein Leben nicht gegen einen vermeintlich schöneren Beruf eintauschen, denn ich bin bereits in meiner Aufgabe angekommen.
Neu ist, dass diese Arbeit nicht länger unsichtbar bleiben muss. Sie ist nicht mehr nur das, was ich zusätzlich leiste, während ich an anderer Stelle versuche, meinen Lebensunterhalt zu sichern. Sie ist jetzt selbst die wirtschaftliche Grundlage. Mit genau der Arbeit, die ich schon immer getan habe, finanziere ich heute meinen Hof. Damit kehrt sich etwas Grundlegendes um: Was früher oft Kraft kostete, ohne entsprechend getragen zu werden, trägt jetzt mich, meine Tiere, meine Arbeit und den Ort, an dem all das zusammenkommt.
Der Hof ist dabei nicht irgendein äußerer Besitz, der mit meiner Arbeit nichts zu tun hat. Er gehört unmittelbar zu ihr. Er schafft den Raum, in dem Mensch, Tier, Natur, Kreativität und Entwicklung nicht künstlich voneinander getrennt werden müssen. Er ist Lebensort, Arbeitsort und Wirkungsraum zugleich. Dass meine Arbeit diesen Hof finanziert, bedeutet deshalb mehr, als lediglich Rechnungen bezahlen zu können. Es bedeutet, dass meine Berufung ihre eigene materielle Form angenommen hat.
Nicht jeder Mensch muss seinen Beruf wechseln, um das zu tun, was wirklich zu ihm gehört. Manchmal besteht die Veränderung darin, endlich anzuerkennen, was man längst sein ganzes Leben lang tut. Manchmal braucht es keine neue Richtung, sondern eine größere Form für die bisherige. Aus einer Fähigkeit, die ständig gebraucht, aber kaum benannt wurde, entsteht ein klares Angebot. Aus einzelnen Begleitungen entsteht ein Zentrum. Aus einem lebenslangen Wirken entsteht eine wirtschaftlich tragfähige Arbeit.
Ich habe meinen Job also nicht erst jetzt gefunden. Ich habe ihn sichtbar gemacht, ausgebaut und in die Gegenwart geholt. Heute ist daraus der Beruf geworden, mit dem ich das mache, was ich schon immer mache. Und heute ist es genau dieser Beruf, mit dem ich meinen Hof finanziere.


