Was war das lustigste Missverständnis, in das du je verwickelt warst?
Wenn mich jemand fragt, was das lustigste oder prägendste Missverständnis war, in das ich je verwickelt war, muss ich erst mal schmunzeln. Denn das größte Missverständnis lag eigentlich darin, dass man mir jahrelang einreden wollte, ich müsste mich als ganz „normaler“ Mensch durchs Leben schlagen.
Ich habe irgendwann festgestellt: In dieses starre, typisch menschliche System passe ich gar nicht rein. Mein Herz, mein Kopf und meine Wahrnehmung gehören zur Tierwelt. Und genau da fängt das eigentliche Problem an – nicht nur bei mir, sondern bei so vielen Tieren, die in unserer Welt als „schwierig“, „stur“ oder „gefährlich“ abgestempelt werden.
Warum so viele Tiere im normalen Betrieb „scheitern“
In den meisten klassischen Pferde- und Ausbildungsbetrieben läuft es immer nach demselben Schema ab: Der Mensch will kontrollieren. Es wird mit Druck gearbeitet, mit starren Regeln, Mechanik und einer Logik, die für den Menschen Sinn ergeben mag – für das Tier aber absolut gar nicht.
Den Tieren fehlt die echte, ehrliche Beziehungsbasis. Es fehlt die mentale Klarheit. Und wenn ein Tier dann mit Widerstand reagiert, weil es einfach nicht verstanden wird, bekommt es den Stempel: „Verhaltensauffällig.“
Dass das völliger Blödsinn ist, hat mir mein weltbestes Pony Dusty auf die eindrücklichste Weise bewiesen.
Dusty: Die Entscheidung auf dem italienischen Berg
Dusty stand damals abgeschoben auf einem Berg in Italien. Die Diagnosen der Besserwisser waren eindeutig: feuriges Araber-Temperament, gepaart mit einem sturen Ponykopf. Unberechenbar, nicht zu Händeln und schon gar nichts für Anfänger. Man versuchte, ihn mit italienischem Horsemanship in ein Schema zu pressen, das er schlichtweg verweigerte.
Was die Menschen dort nicht verstanden: Dusty wollte keine reine Mechanik. Er wollte eine mentale Ansprache. Er brauchte eine Art energetische Navi-Programmierung – eine klare Führung, die ihm zeigte, wo seine gewaltige Energie hin soll, damit er sich seine Kraft selbst einteilen konnte.
Und jetzt kommt der eigentliche Clou: Dusty hat nicht erst gemerkt, was Sache ist, als er zu uns kam. Er hat das bereits auf diesem Berg in Italien gespürt.
Er hat aus der Ferne gefühlt, dass es da draußen jemanden gibt, der seine Sprache spricht. Und er hat ganz für sich beschlossen, sich an mich zu verschenken. Er hat Mittel und Wege gefunden, genau diese Reise anzutreten – inklusive einer 18-stündigen Anhängerfahrt. So wie all unsere Tiere ihren Weg zu uns finden, weil sie genau wissen, dass sie hier verstanden werden.
Vom „Problempferd“ zum Kinder-Anker
Als Dusty da war, bekam er genau das, was er brauchte: eine glasklare mentale Ansprache, Führung auf Frequenzebene – und natürlich seine täglichen 30 Kilometer Frühsport, um den Kopf frei zu bekommen und seine Kraft richtig zu kanalisieren.
Das Ergebnis?
Dasselbe Pony, das als unreitbar und gefährlich galt, trug kurz darauf mit einer tiefen, unerschütterlichen Seelenruhe die kleinsten Kinder in der Anfängerreitstunde. Er war die sicherste Stütze, die man sich nur wünschen konnte.
Was uns das lehrt:
Tiere sind nicht „kaputt“ oder „schwierig“. Sie sind oft einfach nur im falschen System gefangen, umgeben von Menschen, die nicht auf ihrer Ebene kommunizieren können. Sobald wir aufhören, als dominanter Mensch über sie herrschen zu wollen, und anfangen, ihnen mit echter mentaler Klarheit zu begegnen, zeigt sich ihr wahres Potenzial.

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