Eine Fotocollage mit kraftvollen, schwarzen Pferden auf einer grünen Weide unter blauem Himmel. Links ist ein Pferd in dynamischer Bewegung im Trab zu sehen, daneben ein Mensch mit einer Schubkarre. Die rechten Bilder zeigen Ausschnitte der Herde: Ein stolz stehender Rappe mit Blesse, zwei spielende oder steigende Pferde im Hintergrund und die muskulöse Dynamik der Tiere in ihrem Alltag.

Warum sich so viele Pferdefrauen nicht mit ihrem Business nach draußen trauen

Neulich wurde wieder einmal die Frage gestellt, warum sich so viele Frauen aus der Pferdewelt mit ihrem Business, ihrem Wissen und ihrer Expertise nicht nach draußen an die Öffentlichkeit trauen. Die Standard-Antworten der Coaching-Welt kennt man: „Mangelndes Selbstbewusstsein. Sichtbarkeitsblockaden. Du musst nur an deinem Mindset arbeiten.“

Ich glaube, die Antwort liegt ganz woanders.

Es hat oft überhaupt nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun. Es hat auch nichts damit zu tun, dass wir nicht ganz genau wüssten, was wir können. Ganz im Gegenteil.

Viele von uns haben Jahrzehnte an harter, realer Erfahrung. Wir haben Tiere aufgezogen, begleitet, ausgebildet, gepflegt, therapiert, beobachtet und durch schwerste Krisen getragen. Wir haben mehr Stunden im Stall, auf der Koppel und im Dreck verbracht, als andere Menschen in ihrem gesamten Berufsleben in ihrem eigentlichen Job.

Und genau das ist manchmal das Problem. Denn sobald du anfängst, Erfahrungen zu beschreiben, die nicht ins allgemeine, glattgebügelte Weltbild passen, wird es im Netz und auf dem Platz unerquicklich.

Der Dank für 50 Jahre Erfahrung? Ein Shitstorm.

Ich habe vor vielen Jahren angefangen, offen über Tierkommunikation, echtes Bewusstsein und die tiefgründige Eigenständigkeit von Tieren zu sprechen. Nicht als abgehobene Theorie. Nicht, weil ich es in irgendeinem hippen Buch gelesen habe. Sondern aus meinem handfesten Alltag.

Der Dank dafür? Ein Shitstorm.

Denn offensichtlich ist es für viele Menschen immer noch leichter zu akzeptieren, dass ein Pferd eine funktionierende Sportmaschine, ein reines Nutztier oder ein unreifes Kuscheltier ist, als dass es ein denkendes, fühlendes Lebewesen mit einer völlig eigenen Wahrnehmung sein könnte.

Das Faszinierende – und gleichzeitig Ermüdende – daran ist: Die Welt ist voll von Menschen, die dir bereitwillig und lautstark erklären, wie Pferde funktionieren. Auch wenn sie selbst kaum echte, tiefe Zeit mit ihnen verbracht haben. Manche kommen auf deinen Hof und erklären dir ungefragt deine eigenen Tiere. Das muss man psychologisch erst mal hinkriegen: Fünf Minuten Sichtkontakt auf der einen Seite. Fünfzig Jahre gelebte Erfahrung auf der anderen. Und trotzdem wird diskutiert.

Da wird dir vom lauten, selbsternannten „Guru-Trainer“ erklärt, wie du den Hengst zu dominieren hast. Oder von der Fraktion „Hätschel-Muddi“ vorgeworfen, du seist zu streng, weil du eine klare Grenze ziehst. Plötzlich bist du nur noch damit beschäftigt, dich gegen Meinungen zu verteidigen, während du eigentlich handfeste Fakten lebst.

Die Normalisierung der Grenzüberschreitung

Vielleicht ist das der wahre Grund, warum viele Pferdefrauen irgendwann still werden. Sie haben keine Angst. Sie haben schlicht keine Lust mehr.

Sie haben keine Lust mehr, ihre Realität permanent gegen die lautesten Schreihälse der Branche zu verteidigen. Weil sie erleben, dass in unserer Gesellschaft immer noch lieber einer lauten, patriarchalen Autorität gefolgt wird als der leisen, messerscharfen Wahrnehmung einer Frau, die seit Jahrzehnten täglich mit den Tieren lebt.

Und es geht noch tiefer: Viele Menschen haben erstaunlich wenig Respekt vor Grenzen. Weder vor denen des Tieres, noch vor denen der Frau, die daneben steht.

Nur weil unsere Tiere in einem gemeinnützigen Verein leben, gehören sie nicht der Allgemeinheit. Nur weil sie freundlich und gut erzogen sind, bedeutet das nicht, dass jeder Passant ungefragt an ihnen herumfummeln darf. Nur weil ein Pferd höflich stillsteht und den Atem anhält, bedeutet das nicht, dass es die Situation gut findet.

Und nur weil jemand eine Grenze ignoriert, macht das die Grenze nicht ungültig.

Ich habe über die Jahre so oft erlebt, wie Menschen ungefragt in die intimsten, persönlichen Räume von Tieren eindringen. Wie sie Entscheidungen über Wesen treffen, die ihnen nicht gehören. Und wenn das Tier dann irgendwann völlig zurecht reagiert, wird plötzlich das Tier zum „Problem“ erklärt. Nicht das übergriffige Verhalten des Menschen. Das Tier ist dann „dominant“, „böse“ oder „unberechenbar“.

Dabei wäre die eigentliche Frage so viel einfacher: Warum fällt es uns als Menschen so schwer, die Grenzen anderer Lebewesen schlicht zu respektieren?

Sie sind nicht weg, weil sie nichts zu sagen haben. Sie sind müde.

Viele Pferdefrauen ziehen sich mit ihrem Business nicht zurück, weil sie nichts zu sagen hätten oder ihnen die Expertise fehlt.

Sie ziehen sich zurück, weil sie müde sind.

  • Müde davon, gegen betonierte Vorurteile anzureden.
  • Müde davon, biologische und emotionale Tatsachen rechtfertigen zu müssen vor Menschen, die den Unterschied zwischen Dominanz und Führung nicht kennen.
  • Müde davon, dass dem lauten Trainer auf YouTube mehr geglaubt wird als dem eigenen, täglichen Beobachten.
  • Und unendlich müde davon, dass Tiere immer noch viel zu oft als Sportgeräte, Besitztümer oder psychologische Projektionsflächen missbraucht werden, statt als das, was sie sind:

Lebewesen. Mit eigener Wahrnehmung. Eigener Persönlichkeit. Und eigenen Entscheidungen.

Vielleicht wird sich das irgendwann ändern. Vielleicht werden die Menschen wieder lernen, genauer hinzusehen und wirklich zuzuhören. Den Tieren. Und den Frauen, die ihr Leben lang still und leise die wahre Arbeit mit ihnen machen.

Bis dahin ist der Rückzug kein Zeichen von Schwäche. Es ist der Schutz von echtem, heiligem Wissen vor einem Markt, der oft nur nach der nächsten schnellen Methode schreit.

Eine entschlossene Frau baut an einer massiven Steinbrücke über einer stürmischen Meeresbucht. Im Hintergrund links sieht man eine dunkle Gewitterfront und zerstörte Gebäude, während rechts auf der anderen Seite der Brücke ein friedliches, grünes Dorf im warmen Sonnenlicht liegt. Auf einem Holzbrett der Brücke steht der Schriftzug „WAS BAUST DU TROTZDEM?“.

Wenn die Angst vor der Zukunft größer wird als die Zukunft selbst

Was baust du trotzdem?

Wenn man sich derzeit durch Nachrichten und soziale Medien bewegt, könnte man meinen, die nächste Katastrophe steht schon vor der Tür.

Zu teuer. Zu wenig. Zu unsicher. Zu riskant.

Und während die einen darüber diskutieren, wer schuld ist, sitzen die anderen zu Hause und fragen sich, wie es weitergehen soll.

Das Verrückte daran ist: Die meisten Probleme beginnen nicht erst dann, wenn etwas tatsächlich fehlt. Sie beginnen in dem Moment, in dem wir anfangen, nur noch auf das zu schauen, was fehlen könnte.

Ab diesem Zeitpunkt verändert sich etwas in uns.

Ideen werden nicht umgesetzt. Träume werden verschoben. Projekte bleiben liegen. Investitionen werden auf später vertagt.

Wir hören auf, nach Möglichkeiten zu suchen, weil wir nur noch Risiken sehen. Und genau das ist die eigentliche Macht der Angst: Nicht, dass sie Recht hätte. Sondern dass sie uns davon abhält, überhaupt noch zu handeln. Sie nimmt uns die Gestaltungskraft und lässt uns in einer mentalen Warteschleife verhungern.

Die arrogante Exklusivität der Krise

Dabei hat jede Zeit ihre Schwierigkeiten. Jede Generation hatte ihre Krisen, ihre Unsicherheiten und ihre handfesten Gründe, warum etwas angeblich gerade gar nicht funktionieren kann.

Trotzdem wurden Häuser gebaut. Kinder großgezogen. Unternehmen gegründet. Tiere versorgt. Kunst erschaffen. Menschen haben sich verliebt, Höfe gekauft, Vereine gegründet und völlig neue Wege begonnen.

Nicht, weil die Welt damals sicher war. Sondern weil diese Menschen sich entschieden haben, ihr Leben nicht an der kollektiven Angst auszurichten.

Und hier müssen wir die Brücke schlagen von der bloßen Beobachtung hin zu unserer eigenen Realität.

Denn die eigentliche Frage dieser Zeit lautet nicht: „Wie schlimm wird es?“

Die Frage lautet: Worauf richte ich meinen Blick?

Auf das, was mir genommen werden könnte? Oder auf das, was ich erschaffen möchte?

Der innere Ort deiner Entscheidungen

Beides gleichzeitig funktioniert nämlich nicht. Wer den ganzen Tag auf den drohenden Mangel starrt, übersieht die Möglichkeiten, die längst direkt vor ihm stehen. Das hat nichts mit naiver Positivität zu tun oder damit, die Augen vor der Realität zu verschließen. Es bedeutet lediglich, der Angst nicht die Führung zu überlassen.

Ich kenne genügend Menschen, die mit sehr wenig Geld gestartet sind und trotzdem etwas Großartiges aufgebaut haben. Und ich kenne Menschen mit vollen Konten, die vor lauter Angst, alles zu verlieren, keinen Schritt mehr voranmachen.

Es ist also nie die äußere Situation, die uns blockiert. Es ist der innere Ort, aus dem heraus wir unsere Entscheidungen treffen.

  • Entscheidest du aus dem Mangel?
  • Oder entscheidest du aus dem Vertrauen in deine eigene Fähigkeit, auf das Leben zu antworten?

Die Welt da draußen wird sich weiter verändern. Das hat sie immer getan und das wird sie immer tun. Kollektive Panikwellen kommen und gehen wie Ebbe und Flut. Davon dürfen wir uns unbeteiligt machen.

Die weitaus spannendere Frage, die du dir heute stellen darfst, was du trotzdem baust?