Was war das schlimmste Reiseerlebnis, das du je hattest?
Mein schlimmstes Reiseerlebnis begann eigentlich ganz harmlos: mit einer Abschlussklassenfahrt, einem Flugzeug und der Vorstellung, dass zehn Tage in einem fremden Land bestimmt eine interessante Erfahrung werden würden. Schließlich sollte man als junger Mensch etwas von der Welt sehen, fremde Kulturen kennenlernen und seinen Horizont erweitern. So jedenfalls die Theorie. Die Praxis hatte allerdings einen entscheidenden Haken: Niemand hatte mir gesagt, dass ich dafür zehn Tage ohne Tiere auskommen musste!
Und damit war die Katastrophe eigentlich schon vorprogrammiert.
Dabei hätte es durchaus andere Gründe gegeben, diese Reise als unvergesslich einzustufen.
Da war zunächst einmal das Flugzeug. Ein technisches Wunderwerk, das offenbar schon einige Abenteuer hinter sich hatte. Zumindest machte es auf mich einen reichlich klapprigen Eindruck. Während andere vermutlich voller Vorfreude aus dem Fenster schauten, konnte man sich durchaus fragen, ob sämtliche Einzelteile auch gemeinsam am Ziel ankommen würden.
Aber gut. Es flog. Und wir kamen an.
Dann gab es diesen Fahrstuhl.
Ein Fahrstuhl, bei dem man sich ernsthaft fragen musste, ob er ursprünglich für Menschen oder vielleicht doch eher für zwei Einkaufstaschen konstruiert worden war. Jedenfalls sollte ich dort mit zwei weiteren Personen hineinpassen.
Mein Körper war anwesend, meine Begeisterung hatte sich bereits verabschiedet.
Klaustrophobie lässt grüßen!
Plötzlich erschien mir selbst das klapprige Flugzeug ausgesprochen geräumig. Immerhin hatte man dort noch die Möglichkeit gehabt, die Arme zu bewegen, ohne gleich jemanden versehentlich zu umarmen.
Aber auch das habe ich überlebt.
Das fremde Land selbst war durchaus interessant. Es gab Neues zu entdecken, andere Eindrücke, andere Menschen und eine Lebensweise, die sich deutlich von meiner gewohnten Umgebung unterschied.
Besonders bemerkenswert waren damals die Geschäfte. Wer heute vor einem überfüllten Supermarktregal steht und sich zwischen siebenundzwanzig verschiedenen Sorten Marmelade entscheiden muss, kann sich kaum vorstellen, wie es ist, vor weitgehend leeren Regalen zu stehen.
Da wurde Einkaufen plötzlich ausgesprochen übersichtlich.
Keine endlosen Entscheidungen, keine Qual der Wahl. Wo nichts steht, kann man schließlich auch nichts Falsches kaufen.
Man könnte sagen, wir hatten eine besonders intensive Begegnung mit dem Minimalismus. Und das lange, bevor irgendjemand daraus einen modernen Lebensstil mit schicken Ratgeberbüchern gemacht hat.
Doch all diese Erlebnisse waren nicht das eigentliche Problem.
Reiseerlebnis ohne Tiere
Denn während meine Mitschüler vermutlich Sehenswürdigkeiten bestaunten, Souvenirs entdeckten oder sich über die ungewohnte Umgebung unterhielten, beschäftigte mich zunehmend eine ganz andere Frage.
Wo waren eigentlich die Tiere?
Zehn Tage!
Zehn ganze Tage ohne meine vertrauten tierischen Begleiter.
Keine Pferdenase, die einem neugierig entgegenkommt. Kein Hund, der einen begrüßt, als wäre man gerade von einer dreijährigen Weltreise zurückgekehrt. Keine Katze, die einem unmissverständlich erklärt, dass man gefälligst für ihre Bedürfnisse zuständig ist.
Nicht einmal die alltäglichen kleinen Begegnungen, die für mich schon damals ganz selbstverständlich zum Leben gehörten.
Stattdessen Menschen. Überall Menschen.
Menschen im Flugzeug, Menschen im Fahrstuhl, Menschen beim Essen, Menschen beim Besichtigen und Menschen, mit denen man sich auch noch unterhalten sollte.
Ich hatte ja grundsätzlich nichts gegen Menschen.
Aber mussten es denn gleich zehn Tage ausschließlich Menschen sein?
Irgendwann hatte ich genug fremde Eindrücke gesammelt, um festzustellen, dass mein persönlicher Horizont offenbar eine ziemlich deutliche Verbindung zu vierbeinigen Lebewesen besaß.
Andere bekamen vielleicht Heimweh nach ihrem Bett, ihrem Lieblingsessen oder ihrem gewohnten Fernsehsessel.
Ich vermisste Tiere.
Und zwar richtig!
Das war keine kleine sentimentale Anwandlung zwischen zwei Sehenswürdigkeiten. Das war echtes Heimweh.
Man stelle sich das einmal vor: Da bekommt man die Gelegenheit, ein fremdes Land kennenzulernen, und das größte Glück wäre in diesem Moment eine vertraute Pferdenase gewesen.
Reiseführer hätten bei mir vermutlich völlig andere Empfehlungen gebraucht.
Statt historischer Bauwerke, Einkaufsstraßen und berühmter Plätze hätte dort stehen müssen: „Links hinter dem Dorf befinden sich drei Pferde, zwei Ziegen und ein ausgesprochen freundlicher Hund.“
Das wäre meine persönliche Fünf-Sterne-Sehenswürdigkeit gewesen!
Vielleicht hätte man mich damit sogar für einen längeren Aufenthalt begeistern können.
Denn eigentlich war nicht das Reisen selbst das Problem. Es war diese merkwürdige Vorstellung, dass man für eine gelungene Reise seine gesamte vertraute Welt zurücklassen müsse.
Für mich gehörten Tiere aber nicht einfach zur Umgebung. Sie waren und sind ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens.
Und das lässt sich eben nicht für zehn Tage im heimischen Stall abstellen.
Heute muss ich über dieses Reiseerlebnis durchaus lachen.
Da übersteht man ein Flugzeug, dem man nicht unbedingt sein uneingeschränktes technisches Vertrauen schenken möchte, einen Fahrstuhl mit dem Raumangebot einer Konservendose und Geschäfte, in denen selbst die Regale vermutlich Langeweile hatten.
Und was bleibt als schlimmste Erinnerung?
Zehn Tage ohne Tiere!
Das muss man auch erst einmal schaffen.
Rückblickend war diese Abschlussklassenfahrt allerdings eine ziemlich aufschlussreiche Erfahrung. Sie hat mir etwas gezeigt, das sich durch mein gesamtes weiteres Leben zieht.
Mein Zuhause ist nicht ausschließlich ein bestimmtes Gebäude oder ein Ort auf der Landkarte.
Zuhause ist dort, wo ich mit meinen Tieren leben kann, wo vertraute Wesen mich umgeben und wo ich mich mit meiner ganzen Lebensweise verbunden fühle.
Daran haben weder die vergangenen Jahrzehnte noch die vielen Veränderungen meines Lebens etwas geändert.
Im Gegenteil.
Heute gehören Pferde, Hunde, Katzen, Ziegen und weitere tierische Persönlichkeiten zu meiner Welt. Und wer glaubt, dass es mit einer solchen Gesellschaft jemals langweilig wird, hat vermutlich noch nie versucht, einer Ziege zu erklären, dass sie etwas nicht darf.
Da ist jeder Urlaub ein Kindergeburtstag dagegen!
Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Pointe meines schlimmsten Reiseerlebnisses.
Während andere Menschen verreisen, um endlich einmal dem Alltag zu entkommen, habe ich schon damals festgestellt, dass ich meinen Alltag eigentlich ziemlich gerne habe.
Zumindest den Teil mit den Tieren.
Und falls mich heute jemand fragt, welches Reiseziel ich unbedingt noch kennenlernen möchte, fällt meine Antwort vermutlich etwas anders aus als erwartet.
Ein wunderschöner Hof, ausreichend Platz, Natur, meine Tiere und die Freiheit, mein Leben dort zu gestalten.
Das wäre für mich ein Traumziel.
Und das Beste daran?
Wenn ich endlich angekommen bin, muss ich nicht nach zehn Tagen wieder abreisen!
Vielleicht war meine Abschlussklassenfahrt also doch eine wertvolle Reise. Nicht, weil sie mir gezeigt hat, wie groß die Welt ist, sondern weil ich dabei herausgefunden habe, was in meiner eigenen Welt auf keinen Fall fehlen darf.
Und jetzt interessiert mich natürlich eines:
Was war euer schlimmstes Reiseerlebnis? Ein verlorener Koffer, ein verpasster Flug, ein katastrophales Hotel oder vielleicht ebenfalls eine Erfahrung, über die ihr heute herzhaft lachen könnt?
Ich bin gespannt, welche Reisegeschichten bei euch bis heute unvergessen geblieben sind!
Und eines steht für mich fest: Sollte ich irgendwann noch einmal auf große Reise gehen, dann möchte ich vorher wissen, wo die nächsten Pferde stehen! 😂

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