Yvette reitet auf einem weißen Pferd, begleitet von einem Lama, einem großen schwarzen Drachen und zwei schwarzen Pferden in einer goldenen Landschaft.

Lektionen der Beziehungen

Welche Beziehung hat dich am meisten über dich selbst gelehrt?

Beziehungen haben mich in meinem Leben nicht nur durch Menschen gelehrt, sondern ebenso durch die Pferde, die mich über viele Jahre begleitet haben. Wenn WordPress mich heute fragt, welche Beziehung mir am meisten über mich selbst beigebracht hat, kann ich deshalb nicht einfach einen einzigen Menschen nennen. Mein Weg lässt sich vielmehr wie eine lange Entwicklung lesen, in der menschliche und tierische Beziehungen ineinandergreifen und in verschiedenen Lebensphasen ganz unterschiedliche Themen sichtbar gemacht haben.

Die ersten achtzehn Jahre meines Lebens lebte ich neben meinem Vater und hatte gleichzeitig kaum eine wirkliche Beziehung zu ihm. Da war ein Vater, aber vieles von dem, was zwischen Vater und Tochter hätte entstehen können, konnte nicht gelebt werden. Die Verbindung war nicht einfach weg, aber sie bekam keinen wirklichen Raum. Vieles blieb offen, vieles blieb ungesagt und vieles, was zwischen uns hätte stattfinden können, fand in dieser Form nicht statt.

Nachdem mein Vater gestorben war, begann eine andere Phase meines Lebens. Mein erster Hengst Champion war um mich herum, und mit ihm entstand plötzlich genau das Gegenteil von dem, was ich vorher erlebt hatte. Wir verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Wir gingen gemeinsam durch schwierige Situationen. Wir kämpften zusammen. Es gab Zeiten, in denen wir vollkommen auf uns gestellt waren und niemand anderes uns half.

Champion hat mich abgöttisch geliebt.

Und gleichzeitig brachte er ein enormes Gewicht mit.

Lange habe ich mich gefragt, warum dieses Pferd so extrem kämpfte. Warum bestimmte Situationen mit ihm so heftig wurden. Warum er auf manche Menschen so eindeutig reagierte. Ich stellte mir nicht nur die Frage, was mit ihm los war, sondern auch, was ich in mir verändern musste, damit sich etwas verändern konnte.

Beziehungen als Spiegel

Im Rückblick wurde für mich immer deutlicher, dass Champion sämtliche Themen in sich trug, die mit meinem Vater offen geblieben waren. Nicht meine damaligen Partner spiegelten mir diese Themen. Das tat mein Hengst.

Auch das ist mir wichtig, weil man Beziehungen im Nachhinein schnell in irgendwelche fertigen psychologischen Muster hineinpressen kann. Dann heißt es plötzlich, man habe sich bestimmte Partner ausgesucht, weil sie den Vater gespiegelt hätten. So habe ich meinen eigenen Weg nicht erlebt.

Während der langen Zeit mit Champion hatte ich zwei Partnerschaften mit Männern, nacheinander und mit einer Trennung dazwischen. Beide Beziehungen gehörten zu meinem Lebensweg. Beide haben mir auf ihre Weise gezeigt, was für mich nicht funktioniert und welches Gegenüber ich nicht brauche. Aber sie waren nicht die Träger der offenen Themen meines Vaters. Diese Ebene lag in Champion.

Er konnte beide Männer nicht leiden.

Und wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, wundert mich das wenig. Champion reagierte sehr deutlich auf Menschen. Gerade durch sein Verhalten zeigte sich für mich manches viel klarer, als es mir damals selbst bewusst war.

Aber Champion trug nicht nur das Schwere.

Das ist vielleicht sogar einer der wichtigsten Punkte.

Er lebte mit mir auch etwas von dem, was mein Vater mit mir nicht hatte leben können. Nähe. Loyalität. Gemeinsames Durchstehen. Dieses selbstverständliche Zusammensein. Er war in meinem Alltag präsent und er gehörte zu meinem Familienleben.

Besonders die Zeit mit meinen Kindern hat er genossen. Mit den Kleineren war er unterwegs, er kam mit zum Kindergarten und war Teil ihres Lebens. Wenn ich darüber nachdenke, dass mein Vater meine Kinder selbst nicht auf diese Weise erleben konnte, bekommt auch das für mich noch einmal eine ganz eigene Bedeutung.

So wurde Champion für mich nicht einfach ein Pferd, das irgendwelche Probleme spiegelte. In dieser Beziehung lagen gleichzeitig offene Themen, Klärung, Liebe, Verbundenheit und etwas von einem Leben, das vorher keinen Raum bekommen hatte.

Das alles lief nicht bewusst nach irgendeinem Plan ab. Ich habe damals nicht daneben gestanden und gedacht: Jetzt bearbeite ich ein Vaterthema. Ich habe mit meinem Pferd gelebt. Ich habe gefragt, beobachtet, ausprobiert, mich verändert und immer wieder versucht zu verstehen, was zwischen uns geschah.

Und genau dadurch haben sich Themen verändert.

Um 2010 kam dann ein deutlicher Übergang. Champion wechselte den Körper. Gleichzeitig endete die Beziehung mit Alexander, und ich zog mit Tom zusammen. In dieser Zeit kam zum ersten Mal die Vision, dass Champion wiederkommen würde. Also begann ich, nach ihm zu suchen.

Später kam Sari.

Und bei Sari waren die alten Themen für mich noch erkennbar, aber anders. Sie waren nicht verschwunden, doch sie wirkten transformiert. Es war, als wäre die alte Geschichte noch einmal da, aber nicht mehr in derselben Form. Was vorher schwer, kämpferisch und ungelöst gewesen war, trug plötzlich bereits eine andere Qualität.

Auch mein Leben hatte sich inzwischen verändert.

Wo vorher verschiedene Menschen und verschiedene Beziehungskonstellationen nacheinander zu meinem Leben gehört hatten, entstand nun mit Tom eine Partnerschaft, die seit vielen Jahren besteht. Vieles, wofür es früher unterschiedliche Lebensphasen und verschiedene Gegenüber gebraucht hatte, konnte innerhalb dieser einen langen Beziehung erlebt und entwickelt werden.

Sari wiederum hatte seine ganz eigene Beziehung zu Tom.

Beim ersten Sari waren die Grenzen sehr klar. Tom durfte ihn versorgen, ihn füttern und ihn verarzten. Das war bereits ein Privileg. Einfach mit ihm spazieren gehen oder ihn selbstverständlich führen war dagegen etwas völlig anderes. Nur in besonderen Situationen, etwa als ich selbst verletzt war, ließ Sari sich darauf ein.

Beim heutigen Sari ist auch diese Beziehung verändert. Er akzeptiert Tom wesentlich mehr. Er lässt sich von ihm führen, wenn ich auf ihm sitze. Es ist keine vollkommen andere Persönlichkeit geworden und auch keine künstliche Harmonie. Aber die Beziehung trägt eine andere Qualität.

Genau daran kann ich heute vielleicht am deutlichsten erkennen, was Beziehungen über Entwicklung erzählen können.

Denn die alten Themen meines Vaters sind im heutigen Sari nicht mehr das Zentrum.

Das bedeutet nicht, dass es keine Herausforderungen mehr gibt. Jedes Wesen bringt seine eigene Geschichte mit. Auch der heutige Sari hat Erfahrungen, Ängste, körperliche Geschichten und eigene Themen. Aber es ist nicht mehr dieselbe alte Geschichte.

Vielleicht ist genau das meine eigentliche Antwort auf die heutige WordPress-Frage.

Nicht eine einzige Beziehung hat mich am meisten über mich selbst gelehrt.

Mein Vater hat den Anfang einer Geschichte geprägt, die wir miteinander kaum leben konnten. Champion hat vieles davon aufgenommen, sichtbar gemacht und mit mir durchlebt. Meine beiden früheren Partnerschaften gehörten nacheinander zu diesem Lebensabschnitt und zeigten mir auf ihre Weise, was für mich nicht trägt. Mit Tom entstand eine andere Form von Partnerschaft. Sari zeigte die alten Themen noch einmal in veränderter, bereits geklärterer Form. Und die Pferde, die mich heute begleiten, spiegeln längst andere Ebenen meines Lebens.

Dadurch kann ich an meinen Beziehungen nicht nur erkennen, wer ich einmal war.

Ich kann auch erkennen, was sich verändert hat.

Vielleicht ist das die tiefste Lektion der Beziehungen: Ein Spiegel zeigt nicht nur, was noch offen ist. Irgendwann zeigt er auch, was nicht mehr offen ist.

Und manchmal braucht es dafür keinen Menschen.

Manchmal braucht es ein Pferd.

Yvette reitet auf einem weißen Pferd, begleitet von einem Lama, einem großen schwarzen Drachen und zwei schwarzen Pferden vor einer goldenen, weiten Landschaft.
Menschen und Pferde haben meinen Weg geprägt – manche Beziehungen zeigten offene Themen, andere ihre Wandlung und Klärung.

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