Wollausstattung für Pferde entsteht bei uns nicht als dekoratives Reitzubehör, sondern aus der täglichen Arbeit mit unseren eigenen Tieren, aus Erfahrung, Handwerk und dem Wissen darum, welche Materialien sich für unsere Pferde wirklich bewährt haben. Die Idee dazu kam ursprünglich nicht aus einem Verkaufsplan. Sie entstand aus der Verbindung zu unseren Tieren selbst. Sary gab damals sinngemäß den Impuls, die vorhandene Wolle nicht einfach nur als Rohstoff zu betrachten, sondern daraus etwas für die Tiere zu machen. Wenn die Wolle keinen Käufer findet, dann soll sie eben den Pferden selbst zugutekommen. Erst später wurde mir bewusst, wie sinnvoll und praktisch diese Entscheidung tatsächlich war.
Die Wolle, die wir für unsere Arbeiten verwenden, stammt von unseren eigenen Tieren. Wir versorgen sie selbst, wir füttern sie selbst und wir wissen deshalb sehr genau, wie sie gehalten werden und wo das Ausgangsmaterial herkommt. Auch die Schur übernehmen wir selbst. Danach beginnt der nächste Teil der Arbeit: Die Wolle wird sortiert, aufbereitet, versponnen, teilweise gefärbt und anschließend von Hand weiterverarbeitet. Gerade die helle Schafwolle eignet sich besonders gut zum Färben und bildet deshalb einen großen Teil unserer Pferdeausstattung. Lamawolle verwende ich ebenfalls, bislang häufig für Bekleidung und feinere Arbeiten. Sie kann jedoch genauso in individuell angefertigte Pads und andere Wollteile für Tiere einfließen.
Wollausstattung für Pferde
Unsere Pferde tragen diese Wollausstattung inzwischen ganz selbstverständlich beim Training. Haroon ist dabei ein besonders deutliches Beispiel. Er arbeitet teilweise mit drei aufeinander abgestimmten Wollteilen beziehungsweise Wollschichten. Gerade bei ihm spielt die Unterstützung während der Bewegung eine wichtige Rolle. Aber auch Sary, Dusty, Thor, Millie, Alf und die Ponys haben ihre eigenen Wollteile, ihre eigenen Farben und ihre individuelle Ausstattung. Die Wolle gehört inzwischen so selbstverständlich zu ihnen wie ihre Halfter und die anderen handgefertigten Geschmeide.
Dabei geht es nicht darum, Pferde möglichst auffällig anzuziehen. Natürlich sehen die farbigen Wollteile mit ihren Bommeln und langen Fransen außergewöhnlich aus. Aber hinter dieser Gestaltung steckt eine praktische Funktion. Wolle kann Feuchtigkeit aufnehmen und vermittelt am Pferdekörper ein anderes Gefühl als viele synthetische Materialien. In unserer täglichen Arbeit erleben wir immer wieder, dass die Pferde die natürlichen Materialien sehr gern annehmen. Einige unserer Tiere sind regelrecht darauf bedacht, ihre eigene Ausstattung zu bekommen, wenn sie sehen, dass ein anderes Pferd bereits damit trainiert.
Besonders wertvoll sind unsere Erfahrungen mit Pferden, die mit körperlichen Schwierigkeiten, auffälligen Bewegungsmustern oder traumatisch geprägten Reaktionen zu uns gekommen sind. In der Kombination aus angepasstem Training, genauer Beobachtung und der Arbeit mit der Wollausstattung haben wir bei verschiedenen Pferden deutliche positive Veränderungen erlebt. Gerade bei Tieren, die Schwierigkeiten im Rückenbereich hatten oder sich insgesamt nur schwer in eine freie, gleichmäßige Bewegung hineinfinden konnten, hat sich diese Form der Ausstattung in unserer Arbeit bewährt. Sie ersetzt kein individuell angepasstes Training, sondern ist ein Teil davon und begleitet das Pferd während seiner Bewegung.
Auch die Bommeln und die langen Wollgeschmeide sind nicht nur Schmuck. Durch die Bewegung des Pferdes schwingen sie mit und helfen dabei, Fliegen, Bremsen und anderes lästiges Ungeziefer vom Körper fernzuhalten. Gerade im Sommer macht das für viele Tiere einen spürbaren Unterschied. Sie können sich besser auf ihre Bewegung konzentrieren, wenn nicht ständig Insekten auf Rücken, Bauch oder Flanken sitzen. Dadurch verbindet sich die auffällige Gestaltung mit einer ganz einfachen, praktischen Funktion.
Solche beweglichen Elemente kennt man auch aus traditionellen Pferdeausstattungen anderer Regionen. Dort schützen lange Fransen und Geschmeide unter anderem vor äußeren Einflüssen. Bei uns ist daraus eine ganz eigene Form entstanden, angepasst an unsere Tiere, unsere Arbeit und unsere Materialien. Deshalb tragen nicht nur Araber solche Wollteile. Auch die Tinker, die Welsh Ponys und unser Noriker nutzen ihre individuell gefertigten Decken, Pads und Geschmeide. Jedes Tier bekommt das, was zu ihm passt.
Die Fertigung eines einzelnen Stückes beginnt lange bevor die erste Masche entsteht. Zur Arbeit gehört bereits die Versorgung der Tiere, aus deren Wolle das Material gewonnen wird. Danach folgen Schur, Sortierung, Aufbereitung, Spinnen, gegebenenfalls Färben, Entwurf und schließlich die eigentliche Herstellung des fertigen Produktes. Je nach Größe und Ausführung stecken viele Stunden Handarbeit in einem einzigen Teil. Deshalb ist ein solches Stück nicht mit industriell gefertigtem Reitzubehör vergleichbar.
Jede Wollausstattung wird individuell angefertigt. Größe, Form, Materialmenge, Farbe, Bommelbesatz und Verarbeitung richten sich nach dem jeweiligen Pferd und dem gewünschten Einsatz. Kein Stück gleicht dem anderen. Wer eine solche Arbeit bei uns bestellt, erhält deshalb kein Produkt von der Stange, sondern ein echtes Einzelstück, das von Anfang bis Ende in Handarbeit entsteht.
Der Preis für ein einzelnes individuell gefertigtes Wollteil liegt je nach Größe, Materialmenge und Aufwand zwischen 800 und 1.200 Euro. Eine komplette mehrteilige Ausstattung wird entsprechend individuell kalkuliert. Wenn ein Pferd mit mehreren aufeinander abgestimmten Teilen arbeitet, steckt darin schnell ein Wert von mehreren Tausend Euro. Genau deshalb sind diese Arbeiten für mich keine beliebigen Decken oder Pads, sondern etwas sehr Besonderes.
Unsere Wollausstattung für Pferde verbindet Tierhaltung, Naturmaterial, Handwerk, Gestaltung und die tägliche Arbeit mit unseren Pferden. Die Wolle kommt von unseren eigenen Tieren, wird von uns selbst verarbeitet und findet anschließend ihren Weg zurück zu den Tieren, die damit trainieren. So schließt sich ein Kreis, der für mich sehr viel mehr bedeutet als ein schönes Produkt.
