Was ist das Beste, das du schon mal zufällig auf der Straße gefunden hast?
Meine Fundkatze
Meine Fundkatze war wahrscheinlich das Beste, was ich jemals auf der Straße gefunden habe, wobei „gefunden“ eigentlich das falsche Wort ist, denn im Grunde genommen hat sie mich gefunden. Sie war eine winzige schwarze Katze, noch viel zu klein, um alleine unterwegs zu sein, und sie sprang mir damals regelrecht in die Arme. Danach machte sie auch keinerlei Anstalten mehr, mich wieder loszulassen. Es war keine Situation, in der man lange überlegen musste, ob diese kleine Katze vielleicht irgendwo hingehörte und nur gerade einen Ausflug machte. Dafür war sie schlicht viel zu jung. Ihre Augen waren beinahe noch blau, und sie war so klein, dass sie problemlos in meine Jackentasche passte.
Natürlich hatte ich keine Transportbox dabei. Wer läuft schließlich mit einer Katzentransportbox durch die Gegend, nur für den Fall, dass einem unterwegs plötzlich ein winziges schwarzes Katzenkind in die Arme springt? Also musste improvisiert werden. Die kleine Katze kam mit. Erst einmal nahm ich sie mit in den Laden, denn irgendwie musste der normale Alltag an diesem Tag ja trotzdem weitergehen. Damit begann für sie eine Zeit, in der sie zunächst sogar viel im Laden bei mir blieb.
Sie war einfach noch zu klein, um sie bereits dauerhaft bei den großen Katzen lassen zu können. Unsere Maine Coons nahmen sie später erstaunlich selbstverständlich an. Sie kümmerten sich um sie und adoptierten dieses kleine schwarze Etwas gewissermaßen in ihre eigene Katzengemeinschaft. Trotzdem brauchte sie in der ersten Zeit noch wesentlich mehr Betreuung als eine größere Jungkatze. Mehrmals täglich musste sie gefüttert werden, und anfangs brauchte sie sogar noch Milch.
Eine Fundkatze findet Familie
Eine Fundkatze aufzunehmen klingt im Nachhinein manchmal nach einer romantischen Geschichte, aber in dem Moment bedeutet es zunächst einmal Verantwortung. Da ist plötzlich ein winziges Lebewesen, mit dem niemand gerechnet hat und das trotzdem versorgt werden muss. Gerade über diesen Sommer bedeutete das zusätzlichen Arbeitsaufwand. Füttern, beobachten, darauf achten, dass sie genügend bekommt und gleichzeitig schauen, wie sie sich innerhalb der bestehenden Katzengruppe entwickelt.
Doch während wir uns darum kümmerten, dass dieses kleine Wesen groß werden konnte, geschah längst etwas anderes. Sie gehörte einfach dazu.
Vielleicht ist genau das der besondere Teil dieser Geschichte. Niemand hatte beschlossen, an diesem Tag eine weitere Katze aufzunehmen. Niemand hatte geplant, eine kleine schwarze Katze großzuziehen. Ich war einfach unterwegs, und plötzlich war sie da. Manchmal kommen die Dinge, die später einen festen Platz im eigenen Leben einnehmen, eben nicht durch sorgfältige Planung. Sie springen einem buchstäblich in die Arme.
Aus dem winzigen Katzenkind, das in meine Jackentasche passte, wurde eine Katze, die bis heute extrem an uns hängt. Nicht nur an mir, sondern an uns allen. Vielleicht erinnert sie sich nicht in menschlicher Weise daran, wie klein sie damals war oder wie ihre ersten Tage bei uns aussahen. Aber Bindung braucht wahrscheinlich auch keine solche Erinnerung. Sie entstand einfach in dieser ersten Zeit, als sie getragen, gefüttert, beschützt und von den anderen Katzen aufgenommen wurde.
Und natürlich entstand sie genauso auf unserer Seite.
Wenn ich deshalb gefragt werde, was das Beste war, das ich jemals auf der Straße gefunden habe, muss ich nicht lange überlegen. Es war kein verlorener Geldschein, kein besonderer Gegenstand und nichts, was irgendeinen materiellen Wert gehabt hätte. Es war eine winzige schwarze Katze mit beinahe noch blauen Augen, die eigentlich viel zu klein war, um überhaupt alleine auf dieser Straße zu sein.
Sie kam ungeplant in unser Leben und blieb.
Vielleicht sind es gerade diese Begegnungen, die einem zeigen, dass nicht alles Wertvolle gesucht werden muss. Manches erscheint plötzlich mitten im Alltag. Man steht irgendwo, hat ganz andere Dinge vor und glaubt zu wissen, wie der Tag weitergehen wird. Und dann verändert ein kleines Wesen innerhalb weniger Sekunden den gesamten Plan.
Damals bedeutete das für mich zusätzliche Arbeit, zusätzliche Verantwortung und einen Sommer, in dem eben noch ein kleines Katzenkind mehrmals täglich versorgt werden musste. Heute gehört sie längst selbstverständlich zu unserer Familie.
Und wenn ich daran denke, wie dieses winzige schwarze Wesen damals einfach in meine Arme sprang und beschloss, mich offenbar nicht mehr herzugeben, dann glaube ich fast, dass die WordPress-Frage falschherum gestellt ist.
Denn vielleicht war gar nicht sie mein bester Fund auf der Straße.
Vielleicht waren wir ihrer.

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