Wie schaffst du dir Zeit für Self-Care?
Selfcare bedeutet für mich nicht, mir zwischendurch ein paar Minuten freizuschaufeln, sondern mein Leben so zu verändern, dass es wirklich zu mir gehört. Wenn ich heute darüber nachdenke, wie ich mir Zeit für Selfcare erschaffe, merke ich deshalb, dass die Frage für mich eigentlich ganz anders gestellt werden müsste. Ich habe mir nicht einfach Zeit genommen, um mich von meinem Leben zu erholen. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, ein Leben aufzubauen, in dem ich meinen eigenen Weg überhaupt gehen kann.
Das Drachenzentrum Ullrich ist ein wesentlicher Teil davon. Es ist nicht einfach irgendein Betrieb, den ich gegründet habe. Es ist aus meinem Weg entstanden, aus meinen Erfahrungen, aus meinem Wissen, aus meiner Arbeit und aus allem, was sich über viele Jahre entwickelt hat. Diesen Raum aufzubauen, weiterzuentwickeln und immer wieder gegen Widerstände zu behaupten, war für mich Selfcare in einer sehr grundlegenden Form. Ich habe damit einen Platz geschaffen, an dem das, was zu mir gehört, nicht mehr irgendwo am Rand meines Lebens stattfinden muss.
Für mich reicht dieser Weg auch in meine Ahnenreihe hinein. Ich komme aus einer Linie, in der Menschen nicht einfach das tun konnten, was sie tun wollten, und schon gar nicht selbstverständlich davon leben konnten. Für mich ist deshalb ein wesentlicher Teil meines Weges, genau diese Grenze zu überschreiten. Nicht mehr nur irgendwie durchzukommen, sondern das eigene Können, die eigene Wahrnehmung und die eigenen Fähigkeiten wirklich zur Grundlage des Lebens werden zu lassen.
Das war nicht immer leicht. Es gab genügend Momente, in denen ich keine Kraft mehr hatte, an denen alles zu viel wurde oder an denen ich nicht wusste, wie es weitergehen soll. Genau dort waren sehr oft die Tiere diejenigen, die mich wieder zurückgebracht haben. Nicht, indem sie Probleme gelöst hätten, sondern indem ihre Anwesenheit mich immer wieder mit dem verbunden hat, wofür ich überhaupt angefangen habe.
Sie waren für mich Kraftquelle, Rückverbindung und manchmal auch der Grund, noch einen Schritt weiterzugehen, obwohl ich eigentlich längst keine Energie mehr hatte. Wenn meine eigene Kraft trotzdem nicht gereicht hat, war mein Mann da und hat weitergemacht. Manchmal sind es dabei gar nicht die großen Dinge, die tragen. Manchmal ist es einfach der Kaffee am frühen Morgen, wenn ich zu einer Uhrzeit eigentlich noch überhaupt nicht wach sein möchte.
Heute ist wieder so ein Morgen. Später werden wir unser zukünftiges Zuhause besuchen. Allein dieser Gedanke zeigt mir, wie sehr sich mein Begriff von Selfcare verändert hat. Es geht für mich nicht darum, mich aus meinem Leben herauszunehmen. Es geht darum, weiter an dem Leben zu bauen, in dem ich wirklich zu Hause sein kann.
Selfcare als eigener Weg
Auch meine Kunst gehört zu diesem Weg, aber für mich ist sie nicht automatisch Selfcare. Die Bilder, die Stickereien und die vielen anderen Dinge, die entstehen, sind Werkzeuge. Sie machen etwas sichtbar. Sie übersetzen Wahrnehmung, Entwicklung, Erinnerung und innere Bilder in etwas Greifbares. Sie gehören zu meiner Arbeit und zu meiner Ausdrucksform. Aber sie sind nicht unbedingt das, wodurch ich mich erhole oder Kraft sammle.
Die Tiere sind da etwas anderes. Mit ihnen kann ich wieder in einen anderen Zustand kommen. Allerdings bedeutet das für mich auch, ihre Grenzen und meine eigenen zu kennen. Gerade jetzt, mitten im Umzugsstress, würde ich nicht auf die Idee kommen, irgendwelche besonderen Dinge mit ihnen zu machen, nur weil irgendwo steht, dass Selfcare bedeuten müsse, sich bewusst Zeit mit den Tieren zu nehmen.
Wenn ich selbst zu angespannt, zu beschäftigt oder zu unaufmerksam bin, bekommen die Tiere diese Unruhe mit. Dann ist es für mich viel stimmiger, ihnen ihren Raum zu lassen und mich auf das zu konzentrieren, was gerade erledigt werden muss. Wenn der Umzug geschafft ist und wieder Ruhe eingekehrt ist, entsteht ganz von selbst wieder ein anderer Raum mit ihnen. Für mich gehört auch das zu Selfcare: nicht etwas zu erzwingen, nur weil es theoretisch guttun sollte.
In der vergangenen Nacht habe ich geträumt, dass eine Geburt beginnt. Was genau damit gemeint war, kann ich nicht sagen. Vielleicht ging es um das Drachenzentrum, vielleicht um den Umzug, vielleicht um einen größeren inneren Prozess. Für mich fühlte es sich jedenfalls wieder nach diesem gleichen Grundthema an, das mich schon länger begleitet: Etwas Altes geht zu Ende und etwas Neues kommt tatsächlich ins Leben.
Auch darin erkenne ich Selfcare. Nicht als Wellnessprogramm und nicht als festen Termin im Kalender, sondern als Bereitschaft, dem eigenen Leben wirklich zu folgen. Manchmal bedeutet das Durchhalten. Manchmal bedeutet es, etwas aufzubauen. Manchmal bedeutet es, Hilfe anzunehmen. Manchmal bedeutet es, einen Raum noch nicht zu betreten, weil der richtige Zeitpunkt erst später kommt.
Vielleicht habe ich mir deshalb nie bewusst „Zeit für Selfcare“ geschaffen. Ich habe stattdessen versucht, mein Leben Schritt für Schritt so zu verändern, dass mein eigener Weg darin Platz hat. Das hat Jahre gedauert und ist noch immer in Bewegung. Aber genau darin liegt für mich die eigentliche Selbstfürsorge: nicht ständig vor dem eigenen Leben fliehen zu müssen, sondern ein Leben zu erschaffen, in dem ich selbst wirklich vorkomme.
Und vielleicht ist genau das die Form von Selfcare, die am längsten trägt. Nicht eine Stunde Pause vom falschen Leben, sondern der Mut, das eigene Leben immer mehr in die Form zu bringen, die wirklich passt.

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