Was war die spontanste Entscheidung, die du je getroffen hast?
Spontanität ist für mich heute eine ganz andere Frage, als sie auf den ersten Blick erscheint. Wenn ich gefragt werde, was meine spontanste Entscheidung gewesen ist, könnte ich anfangen, in meiner Vergangenheit nach irgendeinem spektakulären Moment zu suchen. Nach einer Reise, einer Begegnung, einer Entscheidung, die ich innerhalb weniger Minuten getroffen habe. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass die eigentliche Antwort für mich heute ganz woanders liegt.
Mir wurde in meinem Leben immer wieder vorgeworfen, ich sei nicht spontan. Mit mir könne man dieses nicht machen, jenes nicht tun, ich würde Dinge zu kompliziert sehen oder nicht einfach genug loslassen. Irgendwann habe ich angefangen, diese Aussagen nicht mehr einfach zu übernehmen. Ich habe mir angeschaut, wie ich tatsächlich entscheide, wie schnell ich Entscheidungen treffen kann und was in meinem Leben wirklich möglich ist.
Und dabei habe ich etwas Bemerkenswertes festgestellt.
Ich bin sehr wohl spontan.
Ich kann sehr schnell erfassen, ob etwas für mich stimmt. Ich kann eine Entscheidung treffen und dazu stehen. Ich kann Dinge verändern, Wege wechseln, Möglichkeiten ergreifen und mich auf etwas Neues einlassen. Natürlich lebe ich dabei nicht in einem luftleeren Raum. Ich habe Verantwortung. Ich lebe mit vielen Tieren, und deshalb kann ich nicht so tun, als gäbe es diese Verantwortung nicht. Pferde, Ziegen, Hunde und andere Tiere müssen versorgt werden. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht spontan bin. Es bedeutet lediglich, dass meine Spontanität mit Verantwortung verbunden ist.
Als ich genauer hinsah, wurde mir etwas anderes deutlich. Vieles von dem, was angeblich mit mir nicht möglich gewesen sein soll, war mit meinem damaligen Umfeld nicht möglich.
Dort gab es plötzlich tausend Gründe, warum etwas nicht ging. Da musste dieses bedacht werden und jenes berücksichtigt werden. Dort durfte etwas nicht sein, hier war etwas zu ungewöhnlich, an anderer Stelle hätte man angeblich erst noch warten müssen. Menschen waren in ihren Vorstellungen gefangen, in ihren Ängsten, in alten Verstrickungen, in dem, was man eben so macht oder nicht macht. Und irgendwann wurde daraus die Geschichte, ich sei diejenige, mit der etwas nicht gehe.
Heute stelle ich deshalb die Umkehrungsfrage.
Spontanität darf Ja sagen
Was passiert, wenn nicht mehr ich beweisen muss, dass ich spontan sein kann?
Was passiert, wenn mein Umfeld spontan sein darf?
Diese Frage ist für mich heute viel spannender als die Suche nach irgendeiner vergangenen Entscheidung. Denn ich weiß längst, wie spontan ich sein kann. Ich weiß, wie schnell ich Ja sagen kann, wenn etwas für mich stimmt. Ich weiß auch, wie klar ich Nein sagen kann, wenn etwas nicht passt. Ich brauche mir meine eigene Entscheidungsfähigkeit nicht mehr von außen bestätigen zu lassen.
Die interessantere Frage lautet inzwischen, ob Menschen in meinem Umfeld bereit sind, ihre eigenen alten Begrenzungen zu verlassen.
Ob sie bereit sind, nicht alles erst durch die Filter alter Erfahrungen, gesellschaftlicher Erwartungen oder längst überholter Vorstellungen laufen zu lassen.
Ob ein Mensch etwas sehen kann und einfach sagen darf: Ja, das interessiert mich.
Ob ein Unternehmen ein Angebot wahrnimmt und sagen darf: Ja, genau das brauchen wir.
Ob jemand meine Arbeit kennenlernt und nicht erst monatelang überlegen muss, ob er sich dafür entscheiden darf.
Denn genau das habe ich in der Vergangenheit oft nicht erlebt. Ich habe erlebt, dass Menschen selbst in alten Verstrickungen festhingen und daraus Begrenzungen entstanden. Ich habe erlebt, dass andere ihre eigenen Ängste, ihre Engstirnigkeit oder ihre festen Vorstellungen darüber, wie etwas zu sein hat, nicht verlassen konnten. Und anschließend wurde diese Begrenzung mir zugeschrieben.
Heute möchte ich dieses Muster nicht mehr weitertragen.
Meine Entscheidung besteht deshalb darin, zuzulassen, dass mein Umfeld spontan sein kann.
Menschen dürfen meine Arbeit sehen und spontan Ja sagen.
Sie dürfen buchen.
Sie dürfen sich für etwas entscheiden, das sich gerade entwickelt.
Sie dürfen zu einer Resonanz stehen, ohne sich erst dafür rechtfertigen zu müssen.
Sie dürfen etwas Neues ausprobieren, auch wenn es nicht dem entspricht, was sie schon hundertmal gesehen haben.
Für mich bedeutet das nicht, dass ich meine Zukunft davon abhängig mache, ob das Außen mir etwas erlaubt. Genau diese Fremdbestimmung habe ich für mich beendet. Ich stelle die Frage anders. Ich entscheide nicht mehr darüber, ob ich spontan genug bin. Ich öffne vielmehr den Raum dafür, dass andere Menschen ihre eigene Spontanität wiederfinden dürfen.
Vielleicht liegt darin sogar eine größere Veränderung, als ich zunächst gedacht habe.
Denn wenn ein Mensch nicht mehr in alten Verstrickungen hängen muss, kann er plötzlich etwas tun, was vorher scheinbar unmöglich war. Er kann aus einem Gedanken eine Entscheidung machen. Aus Interesse kann eine Buchung werden. Aus Beobachtung kann Beteiligung entstehen. Aus einem Vielleicht kann ein Ja werden.
Genau diese Bewegung wünsche ich mir für das, was gerade entsteht.
Nicht mehr endloses Prüfen. Nicht mehr das alte Muster, bei dem jeder zuerst schaut, was andere dazu sagen könnten. Nicht mehr dieses automatische Zurückweichen vor allem, was neu oder ungewöhnlich ist.
Sondern die Freiheit zu sagen: Das passt für mich. Ich mache das jetzt.
Wenn ich heute gefragt werde, was meine spontanste Entscheidung gewesen ist, dann ist meine Antwort deshalb vielleicht diese: Ich habe entschieden, nicht länger meine eigene Spontanität infrage zu stellen. Ich weiß, dass ich sie habe.
Und ich habe entschieden, zuzulassen, dass auch mein Umfeld spontan sein darf.
Dass Menschen spontan Ja sagen dürfen.
Dass sie buchen dürfen.
Dass sie sich entscheiden dürfen.
Dass sie zu dem stehen dürfen, was sie wahrnehmen.
Vielleicht beginnt genau dort etwas Neues. Nicht weil ich mich noch mehr bewegen muss, sondern weil die Bewegung endlich auch von der anderen Seite kommen darf.









