Sportlich gehaltene Pferde stehen entspannt auf weicher Einstreu im Offenstall und werden gleichzeitig regelmäßig bewegt und trainiert.

Hufrehe


Wieso gibt es die bei mir nicht?

In über 50 Jahren mit Pferden hatte ich noch kein einziges Pferd mit Hufrehe.
Und nein, das ist für mich kein Zufall.

Es liegt daran, dass ich auf eine Haltung achte, die auf Bewegung, Stoffwechsel, Training und gesunde Belastung ausgelegt ist und nicht darauf, dass Pferde möglichst rund und unbewegt irgendwo herumstehen.

Unsere Pferde bekommen ausgewogene Ernährung.
Sie bekommen Kraftfutter.
Sie bekommen Gras, Portioniert.
Sie haben Bewegung.
Sie laufen im Training.
Sie bewegen sich im Verband.
Sie gehen über unterschiedliche Böden.
Sie benutzen ihren Körper.

Und genau das ist der Punkt.

Hufrehe entsteht nicht nur durch zu viel Eiweiß oder falsche Fütterung.
Sie entsteht oft auch durch Bewegungsmangel, Dauerüberlastung des Stoffwechsels, falsche Haltung und fehlende natürliche Funktion im Bewegungsapparat.

Unsere Pferde laufen regelmäßig über Schotterwege und Asphalt.
Sie trainieren.
Sie bauen Muskulatur auf.
Die Hufe arbeiten.
Der ganze Körper arbeitet.

Und genau deshalb werde ich meine Pferde ganz bestimmt nicht dauerhaft auf Beton oder harte Untergründe stellen.

Denn für mich gehört zu gesunder Haltung, dass Pferde weich und gepolstert ruhen können.
Dass Gelenke, Sehnen, Hufe und der gesamte Bewegungsapparat nach Belastung entlastet werden.

Meine Pferde stehen absichtlich weich.
Und sie werden auch weiterhin weich stehen.

Wer der Meinung ist, Pferde müssten dauerhaft auf harten Untergründen stehen und zusätzlich noch Eisen tragen, der soll sich bitte einmal selbst barfuß 24 Stunden auf Beton stellen.

Und wenn das noch nicht reicht, dann zieht man sich bitte noch einen unbeweglichen Zwangsschuh an, der jede natürliche Bewegung des Fußes einschränkt.

Vor allem dann, wenn man vielleicht schon Probleme mit Gelenken, Sehnen, Arthrose oder dem Bewegungsapparat hat.

Wie lange dauert es wohl, bis der Körper darauf reagiert?

Genau deshalb laufen meine Pferde nicht auf Eisen.
Und genau deshalb achte ich auf Bewegung, Training, freie Bewegung im Verband und gleichzeitig auf Regeneration und weiche Ruheflächen.

Meine Pferde sind sportlich gehalten.
Sie sind in Bewegung.
Sie haben Kondition, Muskulatur und Ausdruck.

Und weil ich selbst Bewegung brauche, um leistungsfähig zu bleiben, würde es mir nie einfallen, meine Pferde irgendwo hinzustellen und dick zu füttern, nur damit sie für manche Menschen „gut genährt“ aussehen.

Gesundheit erkennt man nicht nur an Rundungen.
Man erkennt sie an Beweglichkeit, Energie, Belastbarkeit und Lebensfreude.

Schattenbild einer Frau mit Basecap auf einem Pferd, daneben ein weiteres Pferd am Führstrick auf einem Feldweg in der Abendsonne.

Zwischen Arbeitshose und Männerfantasien

Die letzten zwanzig Jahre waren in der Hinsicht ehrlich gesagt anstrengend.

Sobald irgendwo sichtbar wurde, dass ich mit Pferden arbeite, Tiere halte, einen Hof suche oder unterwegs bin, kamen oft nicht nur normale Reaktionen.
Da wurden plötzlich Projektionen daraus gemacht. Fantasien. Vorstellungen. Grenzüberschreitungen.
Nur weil eine Frau mit Pferden arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass sie dafür da ist, irgendwelche kranken Bilder in fremden Köpfen zu bedienen.

Viele sehen Bilder.
Aber nicht die Realität dahinter.

Sie sehen Pferde.
Aber nicht den Dreck, die Verantwortung, die schlaflosen Nächte, das Heu schleppen, das Zäune bauen, die Sorgen, die körperliche Arbeit und die dauernde Verantwortung für Lebewesen.

Sie sehen eine Frau mit Tieren.
Aber nicht den Menschen, der seit Jahren versucht, trotz aller Widerstände etwas Echtes aufzubauen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Sobald eine Frau nicht in die erwartete Rolle passt, reagieren manche seltsam darauf.

Denn ich fahre eben nicht geschniegelt durch die Gegend.
Ich sitze in Arbeitshosen im Transporter, mit Basecap, Staub an den Schuhen und Muskelkraft vom täglichen Arbeiten.
Wer täglich Pferde bewegt, Wasser schleppt, Offenställe baut, Tiere versorgt und schwere Dinge bewegt, entwickelt irgendwann keinen dekorativen Körper mehr, sondern einen funktionierenden.

Das ist keine Inszenierung.
Das ist mein Alltag.

Eine Frau mit Pferden soll in manchen Köpfen entweder romantisch weich sein, „das hübsche Pferdemädchen“ oder irgendeine Projektionsfläche.
Aber nicht jemand, der selbst fährt, baut, organisiert, Tiere hält, Entscheidungen trifft, körperlich arbeitet und dabei eine klare Präsenz hat.

Dabei entsteht oft dieser merkwürdige Widerspruch:
Einerseits wird Stärke bewundert.
Andererseits löst sie bei manchen Unsicherheit oder Projektionen aus.

Vor allem dann, wenn sie merken:
Die Frau braucht sie nicht als Retter, Bestätigung oder Mittelpunkt.

Und genau das scheint manche mehr zu irritieren als jedes Pferd oder jeder Hengst.

Denn meine Arbeit mit Pferden hat nichts mit den Fantasien anderer Menschen zu tun.
Meine Tiere sind keine Kulisse für irgendwelche Vorstellungen.
Und ich bin nicht verfügbar, nur weil ich sichtbar bin.

Heute bin ich zum Glück an einem Punkt, an dem vieles davon ruhiger geworden ist.
Nicht, weil ich weniger geworden bin.
Sondern weil ich gelernt habe, klarer zu werden.

Bis hierhin.
Und nicht weiter.

Ich bin hier für meine Arbeit, für meine Tiere und für das, was ich aufbauen möchte.
Alles andere dürfen andere gern bei sich selbst lassen.

Zwei schwarze Hengste bewegen sich aufmerksam und kraftvoll gemeinsam auf einer grünen Wiese vor Bäumen unter blauem Himmel.

Leben mit meinen Hengsten

Viele Menschen haben Angst vor Hengsten.
Sobald irgendwo „Hengst“ steht, entstehen sofort Bilder von Gefahr, Aggression, Dominanz oder Kontrollverlust. Dann kommen die üblichen Aussagen:
„Hengste sind schwierig.“
„Die müssen alleine stehen.“
„Die sind gefährlich.“
„Da muss man aufpassen.“

Dabei liegt das Problem oft gar nicht beim Hengst selbst, sondern in dem Bild, das Menschen über Jahrzehnte über Hengste aufgebaut haben.

Viele Tiere reagieren nicht auf „Frauen“, „Männer“ oder irgendwelche alten Stammtischgeschichten, sondern auf Klarheit, Verhalten, Energie und Beziehung.

Und trotzdem halten sich bis heute absurde Vorstellungen. Zum Beispiel dieses Gerede, ein Hengst würde eine Frau während ihrer Periode mit einer rossigen Stute verwechseln.
Ganz ehrlich: Wenn die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd klar ist, passiert so etwas nicht.

Ein Hengst weiß sehr genau, mit wem er es zu tun hat.
Er unterscheidet zwischen Mensch, Pferd, Jungtier, Herdenmitglied oder Stute.

Wer wirklich mit Hengsten lebt und arbeitet, merkt schnell, dass diese Tiere oft viel feiner und sensibler sind, als viele glauben.

Die eigentlichen Probleme entstehen häufig dort, wo Druck, Dominanz, Unsicherheit oder Grenzüberschreitungen ins Spiel kommen.
Ein Tier dauerhaft wegzusperren, nur weil es Hengst ist, macht aus ihm nicht automatisch ein ausgeglichenes Pferd.

Viele Menschen respektieren die Grenzen von Pferden überhaupt nicht mehr. Sie gehen einfach hin, fassen an, bedrängen, kuscheln ungefragt oder überschreiten den Raum des Tieres, ohne überhaupt wahrzunehmen, was sie da gerade tun.

Thor zum Beispiel reagierte schon als Jährling sehr deutlich auf eine Frau, die einfach ungefragt an ihn heranging und meinte, ihn anfassen und bekuscheln zu müssen.
Da musste ich sofort eingreifen.

Nicht, weil Thor „böse“ gewesen wäre, sondern weil er klar kommuniziert hat, dass da gerade jemand seine Grenze überschreitet.

Und genau das ist ein wichtiger Unterschied:
Viele Menschen erwarten heute, dass Pferde alles aushalten müssen, egal wie respektlos oder unsensibel sich ein Mensch verhält. Wenn das Pferd dann deutlich reagiert, heißt es sofort wieder: „Typisch Hengst.“

Dabei hätte man vielleicht einfach vorher fragen, beobachten oder Abstand respektieren müssen.

Bei uns leben die Pferde sozial.
Die Jungen lernen von den Älteren. Ein erfahrener Hengst übernimmt Verantwortung, setzt Grenzen, korrigiert fair und gibt Sicherheit. Die Herde arbeitet miteinander, nicht gegeneinander.

Und genau dadurch entstehen oft unglaublich ruhige, klare und verlässliche Pferde.

Tatsächlich erlebt man oft eher das Gegenteil von dem, was ständig behauptet wird:
Manche Stuten sind deutlich zickiger, dominanter oder klarer in ihrer Kommunikation als ein Hengst, der in einer stabilen Partnerschaft und in einer funktionierenden Herde lebt.

Ein Hengst braucht keine Härte.
Er braucht ehrliche Führung, Ruhe, Klarheit und echtes Verständnis für Pferdeverhalten.

Denn ein Hengst ist kein Monster.
Er ist einfach ein Pferd, mit Kraft, Persönlichkeit, sozialem Verhalten und feinen Antennen für sein Gegenüber.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke von Hengsten:
Sie machen sichtbar, was Menschen oft verstecken.

Übertriebene Dominanz, unterschwellige Machtspiele, Grenzüberschreitungen oder manipulative Kontrolle werden von ihnen häufig viel schneller und ehrlicher gespiegelt als von Menschen. Dinge, die zwischen Menschen oft überspielt, höflich verdeckt oder psychologisch verpackt werden, beantworten Pferde unmittelbar.

Und genau deshalb würden manche Menschen mit ihrem Verhalten bei unseren Jungs sehr schnell anecken. Nicht weil die Pferde „böse“ oder gefährlich wären, sondern weil sie unauthentisches Verhalten, Druck und übergriffige Dominanz oft sofort sichtbar machen.

Eine Frau läuft mit zwei Ponys auf einem Waldweg. Die Tiere gehen ruhig und aufmerksam neben ihr durch einen grünen Frühlingswald.

Echte Tierhaltung beginnt dort, wo Menschen aufhören, Tiere wie Plüschfiguren zu behandeln

Viele Menschen haben Angst davor, ihre Tiere selbst zu versorgen.
Vor der Arbeit. Vor der Verantwortung. Vor den Kosten. Vor dem täglichen Aufwand.

Ich verstehe diese Angst.
Aber aus meiner Erfahrung war die Arbeit selbst nie das Schwerste.

Ich lebe seit vielen Jahren mit meinen Tieren in Eigenregie und Selbstversorgung. Natürlich ist das Arbeit. Wasser fahren. Heu organisieren. Zäune reparieren. Nachts rausgehen. Wetter aushalten. Mitdenken. Verantwortung tragen, auch dann, wenn man müde ist.

Aber genau darin entsteht auch etwas, das viele Menschen heute kaum noch kennen:
ein echtes gemeinsames Leben mit den Tieren.

Nicht „Tierbesitz“.
Nicht irgendwo eingestellt und versorgt.
Sondern Alltag. Gemeinschaft. Entwicklung. Vertrauen.

Das Schwerste waren für mich oft nicht die Tiere.
Sondern die Menschen.

Menschen, die selbst niemals so leben würden, aber sofort urteilen.
Menschen, die kaum verstehen, wie viel Bewegung, Aufmerksamkeit und Verantwortung so ein Leben überhaupt braucht — und dann unterstellen, man sei überfordert, weil sie selbst damit überfordert wären.

Statt zu sagen:
„Das wäre nichts für mich“
wird daraus oft:
„Das kann doch niemand schaffen.“

Dabei sagen solche Aussagen meist mehr über den Beobachter aus als über die Menschen, die dieses Leben tatsächlich führen.

Noch schwieriger wird es, wenn Menschen anfangen, sich einzumischen, ohne die Tiere oder die Strukturen dahinter überhaupt zu verstehen.

Wenn junge Ponys sich untereinander bekappeln, geht sofort das Drama los:
„Lass den in Ruhe!“
„Der wird gemobbt!“
„Da muss man eingreifen!“

Aber viele Außenstehende verstehen gar nicht mehr, wie Tiere miteinander kommunizieren.

Tiere sind keine Plüschfiguren, die einfach still nebeneinander stehen.
Sie lernen über Bewegung, Körpersprache, Abstand, Rangordnung und soziale Dynamik.

Gerade junge Tiere müssen doch erst lernen:
Wie bewege ich mich in einer Herde?
Wann weiche ich?
Wann setze ich Grenzen?
Wem folge ich?
Wie lese ich andere?

Das ist kein Fehler im System.
Das IST das System.

Partnerschaft entsteht nicht durch Wunschdenken.
Sie entsteht durch gemeinsames Leben, durch Erfahrung, durch Lernen von klein auf.

Unsere Tiere wachsen nicht isoliert auf.
Sie leben miteinander.
Die Älteren tragen Verantwortung. Die Jungen lernen. Die Herde reguliert sich. Genau dadurch entstehen sichere, soziale und stabile Tiere.

Und dasselbe gilt für unsere Herdenschutzhunde.

Viele Menschen kennen Tiere heute nur noch in kontrollierten Räumen.
Sauber. Leise. Funktionierend.

Aber ein Herdenschutzhund ist kein Dekohund.
Er hat eine Aufgabe.

Er hört Bewegungen lange bevor wir Menschen sie wahrnehmen.
Er reagiert auf Unruhe, auf Wildtiere, auf fremde Geräusche, auf Menschen, die nachts Krach machen oder bewusst Unruhe in die Tiere bringen.

Und ja, er meldet das.
Genau dafür ist er da.

Denn ich habe keine Lust mehr, Tiere schutzlos zu lassen.
Weder vor vierbeinigen Räubern noch vor zweibeinigen.

Viele Menschen wünschen sich das Bild von Natur, aber nicht die Realität davon.

Denn echte Tierhaltung bedeutet nicht nur schöne Bilder und romantische Momente.
Sie bedeutet Verantwortung. Wachheit. Schutz. Entscheidungen. Konsequenz. Mittragen.

Und trotzdem würde ich dieses Leben niemals tauschen wollen.

Denn trotz aller Arbeit liegt darin etwas, das man in vielen modernen Systemen verloren hat:
echte Verbindung.
Echte Gemeinschaft.
Und das Gefühl, gemeinsam mit den Tieren ein echtes Leben zu führen, statt nur aneinander vorbeizuleben.

Sary 2.0  Vertrauen entsteht nicht durch Tempo




Heute geht es um Sary2.0.

Sary2.0 ist keiner, den man einfach anreitet.
Er bringt nicht nur Gene mit.
Er bringt Erfahrung mit.

Und damit meine ich nicht „hat sich mal erschreckt“.
Sondern er hat erlebt, wie es ist, sich zu verletzen –
und daran zu sterben.

Und er hat erlebt, dass Menschen das verursacht haben.

Das sitzt.
Im Körper.
Im Vertrauen.
In jeder Entscheidung, die er trifft.

Das er die Erfahrung mitgebracht hate, sah ich bei meinem ersten Besuch damals, als er bei Mutti in der Box war.


Diese Erfahrung war da.
In ihm und ich durfte mich danach richten, in allem.

Und man hat es auch gesehen an dem, was er macht:

Überall reinspringen.
Sich selbst überfordern.
Grenzen nicht einschätzen.

So, wie er gekommen ist, hatte er es ja auch wieder geschafft,
sich zu verletzen.

Und genau da lag unsere Aufgabe als Team:

Diese Erfahrung aufzuarbeiten.
Ihm den Raum zu geben.
Ihm die Stabilität zu geben,
dass es nicht nochmal passiert.

Und dass der Mensch, der das verursacht hat,
nicht nochmal an ihn drankommt.

Und das war nicht einfach.

Vier Jahre sind vergangen.
Vier Jahre, die für uns nicht witzig waren.

Aber notwendig.

Weil wir dieses Trauma nicht ignorieren konnten.
Auch wenn von außen niemand geholfen hat,
war es für uns als Gruppe, als Herde, entscheidend,
das intern zu bearbeiten.

Und das hat die ganze Struktur geprägt.

Thor war damals noch ein Baby.
Und Sary hat ihn die erste Zeit bei uns begleitet.
Hat ihm Dinge gezeigt.
Hat ihm etwas mitgegeben,
woran er sich später wieder erinnern konnte.

Das ist nicht verloren gegangen.

Heute sieht man es andersherum:

Thor ist nachsichtig mit Sary.
Er gibt ihm Raum.
Er puffert ihn.

Und Alf ist da und übernimmt die väterliche Stabilität.
Er ist später gekommen.
Er hat das Trauma nicht miterlebt, aber as auch verdammt gut so ist.

Und genau deshalb kann er ruhig bleiben,
wo andere vielleicht blockieren würden.

Wenn man das Gesamtbild anschaut,
dann kann man zufrieden sein,
wie sich diese Herde verhält.

Sary selbst ist dabei eine eigene Hausnummer.

Die Desperado-Linie ist nichts für nebenbei.
Wenn man ihr Vertrauen hat,
dann ist sie tief, loyal, verbindend.

Aber wenn man sie falsch behandelt
oder nicht ernst nimmt,
dann sind das Kämpfer.

Und genau dieses Thema zeigt sich auch hier:

Ein Araber ist kein „für alle“.
Das ist ein Einmenschenpferd.
In meinem Fall: Einfraupferd.

Und genau deshalb ist es so stark,
dass Sary heute mit Tom läuft, wenn ich auf ihm sitze.

Das ging früher nicht.

Da brauchte es immer Begleitung. Ein weiteres Tier.
Einen Puffer. Mal der Hund, dann das Lama.

Alleine rausgehen war am Anfang keine Option.

Und daraus ist etwas entstanden,
was heute unser ganzes Arbeiten trägt:

Die Tiere haben Partner.
Sie arbeiten mit Menschen.
Aber sie haben auch ihre Begleiter im Team.

Nicht als Konkurrenz.
Sondern als Stabilität.

Und genau in diesem Gefüge
konnte Sary sich wieder aufbauen.

Ich habe ihn die ganze Zeit nicht gedrängt.
Sondern gehalten.

Alles, was er trägt, kennt er.
Keine Überraschungen.
Immer die gleiche Grundlage.

Routine.
Wiederholung.
Verlässlichkeit.

Und ich bin mit ihm in kleinsten Schritten gegangen.
Kaffeebohnenschritte.

Alles, was er eigentlich konnte,
musste wieder erinnert werden.

Es war da, ist abrufbar,  gemeinsam wieder freigelegt.

Jetzt, wo wir ins Reiten gehen,
läuft es genauso:

Ein Stück tragen.
Absteigen.
Wieder ein Stück tragen.
Wieder absteigen.

Nicht, weil er es nicht kann.
Sondern weil er sich sicher fühlen darf,  genau da entsteht Vertrauen.

Langsam kommt wieder der Sary von früher durch,
der nicht einfach reagiert,
sondern achtet.

Der mitgeht.
Der mitdenkt.

Und dass wir jetzt an dem Punkt sind,
dass er mich trägt – draußen, im Gelände –
das ist kein kleiner Schritt.

Das ist das Ergebnis von vier Jahren Arbeit.

Langsam im Arbeiten,  ist hier kein Rückschritt.
Langsam ist der Grund,
warum es überhaupt funktioniert.

Sary läuft aufmerksam im Wald, mit Reiter und Begleitung, ruhig und konzentriert im gemeinsamen Tempo.
Sary 2.0 wieder Anreiten
Frau reitet ein Pferd auf einem Waldweg, neben ihr läuft ein Lama an lockerer Leine durch grünes Unterholz

Wenn eine Herde gemeinsam entscheidet

Es waren einfach zwei Trainingstage.
Drei große Runden, drei große Pferde, und jedes Mal jemand dabei, der noch nicht ganz so routiniert ist.

Meilyn läuft als Lama schon lange mit.
Sie kennt das. Sie trägt das ruhig mit.
Halfa übt noch.
Und Kahn hätte gern schneller gewollt als Alf.

Wenn es nach den Lamas geht, würden die Pferde nicht nur Schritt gehen.
Aber es geht nicht darum, wer sich durchsetzt.
Es geht darum, dass es für alle zusammen passt.

Das ist kein einer führt und die anderen folgen.
Das ist Abstimmung.

Heute waren wir zusätzlich noch mit Thor draußen.
Straßentraining, ruhig, angepasst an die Wärme.

Ein bisschen traben, aber nur da, wo er es auch wirklich wollte.
Kein Ziehen, kein Drücken.

Er ist gerade an einem Punkt, wo er draußen nicht alles gerne läuft.
Und dann wird nicht diskutiert, sondern geschaut.

Ich steige ab, wenn es für ihn keinen Sinn macht.
Nicht, weil er damit irgendwas „gewinnt“.
Sondern weil ich sehe, was er gerade leisten kann und was nicht.

Das, was viele nicht verstehen:

Meine Pferde achten auf mich.
Alle.

Nicht, weil sie müssen.
Sondern weil sie wissen, was wir miteinander haben.

Wenn mir etwas passiert, bricht für sie ihr ganzes System weg.
Zuhause, Struktur, Training, Aufgabe.

Und genauso weiß ich, was passiert, wenn man sie falsch behandelt.
Einmal durchgezogen, einmal falsch geritten und das Pferd ist kaputt.
Nicht körperlich, sondern im Wesen.

Das ist kein Risiko, das ich eingehe.

Deshalb ist es ein Geben und Nehmen.

Ich höre hin.
Ich gehe auf sie ein.
Und sie achten auf mich.

Auch die Lamas.
Nur auf ihre Weise.

Heute Morgen sind wir früh raus, bevor die Hitze kam.
Gras gemäht mit der Sense und direkt verteilt.

Versorgung zuerst, dann Bewegung.

Und ja, wenn ein Pferd raus will, dann bekommt es auch die Bedingungen, die es dafür braucht.
Sonst läuft es nicht.

Nicht aus Trotz.
Sondern weil es für uns keinen Sinn ergibt.

Was wir hier machen, ist keine Methode.

Ich übersetze keine Tiere und ich stelle keine Befunde.

Ich zeige Menschen, worauf sie achten müssen.
Wie Tiere kommunizieren.
Was sie die ganze Zeit sagen, ohne Worte.

Und wie man beginnt, das überhaupt zu sehen.

Gestern im Wald, Dusty und Meilyn.
Fahrräder vorne, Fahrräder hinten.

Ein kurzer Moment, eine Ansage.

Dusty nimmt Meilyn mit ins Gebüsch.
Einfach so.
Ohne Diskussion.

Die Menschen fahren vorbei, schauen, lächeln.
Die Tiere bleiben ruhig.

Und alles ist gut.

Das ist das, was hier entsteht.

Kein klassisches Training.
Sondern ein System, das funktioniert.

Ein Team, das miteinander denkt.

Milly läuft aufmerksam neben dem Fahrrad, frei im Trab, orientiert sich an Tempo und Richtung ihrer Bezugsperson.

Tierkommunikation in Bewegung – wenn ein Team wirklich zusammenarbeitet

Viele denken bei Führung an Ansagen, Kontrolle und daran, dass einer alles im Griff haben muss.
Ich habe das anders gelernt.

Nicht aus einem Buch.
Sondern draußen, im echten Miteinander mit meinem Team – Pferde, Lamas, Ziegen. Wesen, die keine Worte benutzen und trotzdem sehr klar sprechen.

Bei uns geht es nicht darum, dass alle „funktionieren“.
Es geht darum, dass jeder wahrgenommen wird und beitragen darf.

Ein echtes Team entsteht nicht dadurch, dass einer alles vorgibt.
Sondern dadurch, dass Raum da ist.
Raum, in dem das Gegenüber eine eigene Lösung zeigen darf.

Und genau hier beginnt das, was viele „Tierkommunikation“ nennen.

Nicht als esoterisches Extra.
Sondern als ganz klare, praktische Sprache im Alltag.

Bilder.
Impulse.
Richtungen.

Kein Reden.
Kein Erklären.
Einfach ein klares inneres Senden und ein ebenso klares Empfangen.

Das wurde früher belächelt.
Heute ist es die Grundlage dafür, dass mein Team schnell, sicher und eigenständig reagieren kann, gerade dann, wenn Worte zu langsam wären oder stören würden.

Und genau das hat sich heute wieder gezeigt.

So, wenn einen das Reitkind verwachsen hat, noch kein neues gefunden ist und Herrchen, der sonst alles verbietet, was Spaß macht, anderweitig beschäftigt ist…
dann kommt so ein kleiner wilder Hengst auf Ideen.

Und überzeugt seine Mama, doch mal „komische Sachen“ zu machen.

Und ich hab’s gemacht.
Und ich hab’s nicht bereut.

Er ist so fein mitgelaufen.
Hat sich so gefreut, endlich Raum greifen zu dürfen, traben, galoppieren… einfach laufen.

Und gleichzeitig hat er aufgepasst.
Auf mich.

Wenn ich langsamer wurde, wurde er langsamer.
Wenn wir anhalten mussten, hat er sofort reagiert.
Wenn ich abgestiegen bin, wenn wir abgebogen sind – er war da.

Sogar das Geräusch von der Bremse hat er direkt verstanden.

Nicht, weil er es schon oft erlebt hat.
Sondern weil er mitgedacht hat:

Geräusch → wir werden langsamer → wir halten an.

Mutti steigt auf – ich darf laufen, aber nicht ziehen.

Das war kein Zufall.
Das war Anwendung.

Das war Tierkommunikation in Bewegung.

Nicht im Stillstand irgendwo „fühlen“,
sondern mitten im Geschehen:

Ich sende ein Bild.
Er nimmt es auf.
Er ergänzt es mit seinem eigenen Verständnis.
Und handelt.

Genau da entsteht Teamarbeit auf einer Ebene, die viele gar nicht kennen.

Ich sehe oft das Gegenteil:
Menschen, die alles kontrollieren, alles anfassen, alles vorgeben.

Da bleibt kein Raum mehr für eigene Impulse.
Kein Raum für Mitdenken.

Und genau das, was heute passiert ist, könnte dort nie entstehen.

Weil alles schon entschieden ist, bevor das Tier überhaupt antworten darf.

Ich arbeite bewusst anders.

Ich lasse zu, dass mein Gegenüber spricht – auch ohne Worte.
Ich nehme ernst, was kommt.
Und ich baue darauf auf.

Das braucht am Anfang mehr Aufmerksamkeit.
Mehr echtes Dasein.

Aber genau das macht ein Team stark.

Weil nicht mehr alles durch mich laufen muss.
Weil mein Team mitträgt.

Nicht, weil es muss.
Sondern weil es kann.

Und vielleicht ist das der Punkt, den man verstehen darf:

Tierkommunikation ist nichts Abgehobenes.
Sie ist das Fundament.

Wenn sie wirklich gelebt wird,
entsteht ein Team, das denkt, fühlt und handelt gemeinsam.

Pferd und Lama gemeinsam unterwegs auf Feld- und Waldwegen, teils vom Sattel aus fotografiert, Lama läuft neben oder um das Pferd herum.

Warum muss ein Lama am Pferd mitgehen?

Gar nicht.
Genauso wenig, wie es eine Kutsche ziehen muss.

Aber es kann.
Und manchmal ist es das beste Gelassenheitstraining, was es gibt – für das Pferd, für den Menschen und auch für das Lama.

Ein Lama läuft gerne.
Es ist neugierig und möchte etwas erleben.
Es will nicht einfach nur rumstehen.

Heute musste der Eif nach einer Runde laufen.
Und ich hatte meiner Lilly versprochen, dass ich mit ihr eine Runde gehe.

Da der Alf nicht so schnell läuft, habe ich mir gedacht, ich nehme die Lilly einfach mit ihm mit.

Lilly kannte das schon.
Die ist schon mit Haroon gelaufen.

Für Alf war es das erste Mal.

Ich bin dabei nicht einfach nur gelaufen.
Ich habe mich auf ihn draufgesetzt und Lilly ist um ihn herumgelaufen.

Das war für ihn das größte Drama an der ganzen Geschichte.

Ich habe aber nicht einfach gemacht.
Ich habe auf die Stimmen der Tiere gehört und auf meinen Bauch.
Und sind wir vorsichtig die Runde gegangen.

So sehr wie er sich gefürchtet hat, ist er nicht schneller geworden – sondern langsamer.
Als würde er rohe Eier balancieren.

Die junge Dame neben ihm war ihm nicht wirklich geheuer.
Aber er hat das richtig gut gemacht.

Unterwegs war alles dabei:
Menschen, die drängeln mussten.
Hunde, die ihre Themen hatten.
Und auch Menschen, die freundlich waren und sogar ihre Maschinen ausgemacht haben.

Es sind nicht alle unfreundlich.

Und mittendrin der Alf.

Er ist nicht bei uns aufgewachsen.
Er kennt dieses ganze „Theater“ nicht von klein auf.
Er kam erwachsen zu uns, war nicht geritten.

Und in zwei Jahren hat er gelernt,
dass er mich tragen kann,
dass er Ziegen hüten kann,
dass er seinen Sohn durch den Wald bringen kann
und heute auch noch, dass er ein Lama mit durch den Wald führen kann.

Ich finde, das ist eine bemerkenswerte Leistung für so einen zart beseideten Thinkerhengst.

Und wir sind alle gut und zufrieden wieder zu Hause angekommen.


Jungpferd und erwachsenes Pferd beim gemeinsamen Vorbereiten, ruhiges Stehen beim Putzen und geführtes Gehen im Wald.

wenn der Pappa mit dem Sohne….

Warum diese Art von Beziehung ausstrahlt und warum sie nicht in einem Wochenendkurs vermittelbar ist, ist eigentlich selbstredend.

Das, was hier entstanden ist, ist über Jahrzehnte gewachsen. Nicht aus einer Methode. Nicht aus einem System. Sondern aus gemeinsam gelebter Zeit, aus Ruhe, aus Verlässlichkeit und aus echtem Miteinander.

Viele, die mir schon lange folgen, haben das gesehen. Manche wundern sich vielleicht, weil sich Dinge wiederholen. Weil da wieder ein Pferd steht, das fast genauso aussieht und sich genauso verhält. Früher ganz schwarz, jetzt mit weißer Nase. Jetzt mit Fünfpass und diesem Tor.

Und trotzdem ist es dieselbe Sprache. Dieselbe Ruhe. Dieselbe Klarheit.

Deshalb ähneln sich manche Bilder.

Andere, wie die Tinker jetzt, sind noch nicht so lange da. Und genau da wird es sichtbar. Wie schnell sich etwas verändert, wenn die Umgebung stimmt. Wie Alf zur Ruhe gekommen ist. Wie viel Zufriedenheit in seiner Aufgabe liegt. Wie er seinen Sohn begleitet. Wie sie nebeneinander stehen. Warten. Ohne Druck. Ohne Unruhe.

Aber zur Jungzeit gehört eben mehr dazu.

Die können nicht einfach nur rumzocken und Flötz machen.

Die müssen mitgehen. Ordentlich am Halfter, so wie die Gruppe. Die müssen stehen bleiben können und warten, wenn etwas ist. Die müssen draußen klarkommen, wenn plötzlich irgendwo ein Lkw steht, ein Traktor kommt oder sich die Situation verändert.

Und genau deshalb gehen die Jungen von Anfang an mit raus.

Die werden auch zusammen fertig gemacht. Die Pferde, die zusammen rausgehen, werden auch zusammen vorbereitet. Die Kleinen stehen bei den Großen mit am Platz. Werden zusammen gebürstet, zusammen angezogen.

Und dabei lernen sie.

Stehen bleiben. Warten. Ruhig bleiben.

Ohne Druck. Ohne Hektik. Ohne dass man ihnen etwas übers Knie bricht.

Sondern in Ruhe. In Frieden. In einer Klarheit, die sie verstehen können.

Das sind keine Kleinigkeiten. Und das ist nicht selbstverständlich.

Wir machen das nicht „so nebenbei“. Wir leben so.

Und genau deshalb funktioniert es.

In einem normalen Stall, mit ständigem Wechsel, Trubel, fremden Einflüssen, würde das so nicht entstehen. Diese Tiefe braucht Raum. Ruhe. Zeit. Und ein geschlossenes Miteinander.

Deshalb sind wir unter uns. Und deshalb bleiben wir das auch.

Nicht, weil wir uns abgrenzen wollen. Sondern weil genau hier das entsteht, was man später in diesen Bildern sieht.

Ja, wir verzichten auf vieles. Aber nicht auf das, was wirklich zählt.

Dieses Miteinander ist kein Konzept.

Es ist gelebtes Leben.

Offener Weg durch ein Holztor im warmen Morgenlicht, umgeben von dornigen Sträuchern, die sich zur Seite öffnen

Wenn sich plötzlich alles dreht,…

Es gibt Momente, da merkst du: etwas hat sich verschoben.

Nicht langsam, nicht in kleinen Schritten, sondern plötzlich.

Dinge, die fest waren, lösen sich. Blockaden, die vorher unüberwindbar wirkten, sind auf einmal weg. Dort, wo vorher Druck, Unverschämtheit oder starres Verhalten war, kommt Bewegung – und sogar eine Entschuldigung.

Ohne, dass du kämpfen musstest. Ohne, dass du lauter geworden bist.

Und genau darin liegt der Punkt.

Das ist kein Zufall. Das ist der Moment, in dem etwas, das lange im Inneren gereift ist, beginnt, im Außen zu wirken.

Viele sagen, mit Ü-50 müsse man neu anfangen. Ich erlebe es anders. Mit Ü-50 wird sichtbar, was über Jahre gewachsen ist.

Die Klarheit. Die Haltung. Das, was man wirklich ist.

Und wenn das nach außen geht, verändert sich das Feld.

Nicht durch Druck, sondern weil das, was nicht stimmt, sich nicht mehr halten kann.

Ich stehe gerade genau an so einem Punkt. Eine Tür ist aufgegangen, spürbar.

Und ich merke, dass das jetzt weitergehen darf. Dass sich Dinge klären. Dass sich Unrecht korrigiert. Dass Bewegung dorthin kommt, wo vorher Stillstand war.

Nicht, weil ich es erzwinge, sondern weil es sich nicht mehr aufhalten lässt.