Wenn du in der Zeit zurückreisen und deinem jüngeren Ich einen Rat geben könntest: Welcher wäre das?
Zeitreise nach vorn
Zeitreise ist eine ausgesprochen interessante Angelegenheit. Besonders, wenn man feststellt, dass man dafür nicht unbedingt eine Zeitmaschine braucht. Manchmal genügt bereits eine Hypnose. Allerdings ist das mit der Reisegeschwindigkeit und der Sichtbarkeit der Veränderungen etwas anders, als Hollywood uns glauben machen möchte. Da gibt es keine blinkenden Armaturen, keinen DeLorean und auch keinen Wissenschaftler mit explodierter Frisur. Dafür kann man mitunter Erkenntnisse gewinnen, die einem das gesamte bisherige Leben in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.
WordPress möchte heute schon wieder wissen, welchen Rat ich meinem jüngeren Ich geben würde, wenn ich in die Vergangenheit reisen könnte.
Diese Frage kommt mir ausgesprochen bekannt vor. Wahrscheinlich, weil ich sie schon einmal beantwortet habe. Offenbar besitzt WordPress eine Zeitmaschine, deren Rückwärtsgang hervorragend funktioniert, während der Vorwärtsgang seit geraumer Zeit in der Werkstatt steht.
Dabei würde ich inzwischen viel lieber wissen, was mein zukünftiges Ich mir zu erzählen hätte.
Aber bleiben wir zunächst bei der Frage.
Was würde ich meinem jüngeren Ich sagen?
Wahrscheinlich, dass es sich viel früher hätte zur Wehr setzen sollen. Gegen Mobbing in der Schule, gegen manche Erlebnisse während meiner Ausbildung und gegen Menschen, die offenbar glaubten, das Leben anderer sei eine Art öffentlich zugänglicher Abenteuerspielplatz.
Ich hätte früher auf die Freunde meiner Eltern hören sollen, die mir entsprechende Ratschläge gegeben haben.
Nur gibt es dabei ein kleines Problem.
Ich wusste damals nicht, wie man sich wirklich zur Wehr setzt. Und selbst heute finde ich, dass es dafür keine einfache Gebrauchsanweisung gibt.
„Setz dich durch!“, klingt großartig.
„Lass dir das nicht gefallen!“, klingt noch besser.
Aber wie genau funktioniert das, wenn man mitten in einer Situation steckt, deren Zusammenhänge man noch gar nicht vollständig erkennt?
Da hätte ich mir durchaus einen persönlichen Drachen gewünscht, der gelegentlich freundlich Feuer spuckt. Nur zur Verdeutlichung der Grenzen, versteht sich.
Stattdessen habe ich vieles ausgehalten, hinterfragt und versucht zu verstehen. Und manchmal habe ich dabei mehr Verantwortung übernommen, als überhaupt zu mir gehörte.
Heute sehe ich das anders.
Zeitreise durch Hypnose
Das Spannende daran ist, dass ich eine solche Zeitreise auf meine Weise tatsächlich unternommen habe.
In meiner Arbeit mit Hypnose ist es möglich, frühere Lebensabschnitte erneut aufzusuchen. Nicht unbedingt so, dass man anschließend mit einer historischen Eintrittskarte und einem Souvenir zurückkommt. Vielmehr lassen sich Erinnerungen, Empfindungen und Situationen auf einer anderen Bewusstseinsebene erleben und betrachten.
Und genau diesen Weg bin ich selbst gegangen.
Dabei ist mir etwas Entscheidendes bewusst geworden: Nur weil eine Situation vor vielen Jahren stattgefunden hat, bedeutet das nicht, dass ihre Wirkung damals bereits abgeschlossen war.
Manches tragen wir viel länger mit uns herum, als uns bewusst ist. Manches beeinflusst unsere Entscheidungen, unsere Reaktionen und sogar das, was wir für möglich halten.
Eine Zeitreise durch Hypnose ermöglicht mir, an frühere Erfahrungen anzuknüpfen und sie aus einer anderen Bewusstseinsposition heraus zu bearbeiten.
Und das Interessante daran ist die zeitversetzte Wirkung.
Was ich in der Vergangenheit aufsuche und neu erkenne, kann meine Gegenwart verändern. Nicht unbedingt mit einem gewaltigen Donnerschlag. Manchmal zeigt sich die Veränderung erst später, wenn man plötzlich anders handelt, etwas nicht mehr hinnimmt oder eine Entscheidung trifft, die früher undenkbar gewesen wäre.
Das ist eigentlich eine bemerkenswerte Form des Reisens.
Man fährt rückwärts los und kommt vorwärts an.
Wenn das kein interessantes Konzept für eine Zeitmaschine ist!
Bei meiner eigenen Entwicklung habe ich zunehmend erkannt, dass ich über viele Jahre Dinge mitgetragen habe, deren Ursprung überhaupt nicht bei mir lag.
Andere Menschen haben gehandelt, Grenzen überschritten oder Entscheidungen getroffen, deren Folgen ich anschließend bewältigen musste.
Und irgendwann stellte sich die Frage, weshalb ich eigentlich dauerhaft das Gepäck anderer Menschen transportieren sollte.
Vielleicht hätte ich schon viel früher ein Schild aufstellen sollen: „Fremde Verantwortlichkeiten bitte wieder mitnehmen!“
Besonders faszinierend ist für mich dabei das Prinzip des Boomerangs.
Was Menschen anderen zumuten, hat einen Ursprung. Und wenn ich diesen Ursprung erkenne und meine eigene Energie nicht länger daran binde, kann das, was bislang bei mir festhing, wieder dorthin zurückfinden, wo es hingehört.
Das ist eine meiner wesentlichen Erkenntnisse auf meinem persönlichen Entwicklungsweg.
Ich brauche den Boomerang nicht einmal selbst zu werfen. Ich muss nur aufhören, ihn für andere festzuhalten.
Und damit wird auch deutlich, weshalb eine solche Zeitreise mehr sein kann als eine nostalgische Begegnung mit der eigenen Vergangenheit.
Sie kann einen Entwicklungsprozess in Gang setzen, dessen Bedeutung erst in der Gegenwart vollständig sichtbar wird.
Genau hier schließt sich für mich der Bogen zu meiner Arbeit im Drachenzentrum Ullrich.
Hypnose, Bewusstwerdung und Persönlichkeitsentwicklung sind für mich keine theoretischen Konstrukte. Sie gehören zu meinem eigenen Erfahrungsweg und zu den Möglichkeiten, mit denen ich auch andere Menschen in ihrer Entwicklung begleite.
Es geht mir dabei nicht darum, Menschen ständig wieder zu ihren alten Schwierigkeiten zurückzuschicken. Schließlich ist das Leben kein Museum, in dem man gezwungen ist, für immer dieselben Ausstellungsstücke zu betrachten.
Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen, Veränderungen zu ermöglichen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen.
Und genau deshalb würde ich die ursprüngliche Frage heute gern umdrehen.
Was wäre, wenn ich mit einer Zeitreise nicht nur meinem jüngeren Ich begegnen könnte, sondern auch meinem zukünftigen?
Was würde mir die Frau erzählen, die bereits in dem Drachenzentrum lebt und arbeitet, das ich über so viele Jahre aufgebaut habe?
Die ihre Kunst verkauft, ihre Beratungen durchführt und endlich wirtschaftlich von ihrer eigenen Arbeit leben kann?
Würde sie mir erzählen, welche Entscheidung den entscheidenden Unterschied gemacht hat? Würde sie mir erklären, weshalb manches so lange gedauert hat? Oder würde sie mich einfach anschauen, verschmitzt lächeln und sagen: „Du hättest dir wirklich ein paar Sorgen sparen können!“
Vielleicht würde ich sie auch fragen, ob WordPress in ihrer Zeit inzwischen gelernt hat, zukunftsorientierte Fragen zu stellen.
Das wäre allerdings möglicherweise eine etwas zu optimistische Zukunftsvision.
Was mich an dieser gedanklichen Reise am meisten fasziniert, ist die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Meine Vergangenheit hat Erfahrungen hervorgebracht. Die Auseinandersetzung damit hat Erkenntnisse ermöglicht. Aus diesen Erkenntnissen ist unter anderem meine heutige Arbeit entstanden. Und diese Arbeit soll jetzt die Zukunft tragen, die ich mir erschaffe.
Damit verändert sich auch die Bedeutung der Frage nach dem jüngeren Ich.
Vielleicht muss ich ihm gar keinen weiteren Rat geben.
Vielleicht habe ich ihm längst geantwortet, indem ich durch meine eigenen inneren Zeitreisen Zusammenhänge erkannt und Veränderungen möglich gemacht habe.
Und während WordPress mich wieder einmal rückwärts durch mein Leben schicken möchte, bin ich längst mit etwas anderem beschäftigt.
Ich baue meine Zukunft.
Die Vergangenheit darf ihre Erkenntnisse dazu beitragen. Aber sie muss nicht ständig die Hauptrolle spielen.
Schließlich wäre es ausgesprochen schade, eine funktionierende Zeitmaschine zu besitzen und damit immer nur rückwärts einzuparken.

Entdecke mehr von drachenzentrumullrichdotcom
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
