Medienwirkung im Alltag – Bewusstsein und Selbstbestimmung

Welches Buch oder welcher Film hat dir wirklich Angst gemacht?

Medienwirkung im Alltag

Medienwirkung ist etwas, das ich seit vielen Jahren nicht nur beobachte, sondern am eigenen Körper erlebe. Und wenn WordPress mich fragt, welches Buch oder welcher Film mir einmal Angst gemacht hat, dann muss ich tatsächlich ein wenig schmunzeln. Denn meine Antwort passt vermutlich nicht in das vorgesehene Kästchen. Es geht bei mir nicht um einen bestimmten Horrorfilm, einen gruseligen Roman oder den bösen Wolf, der hinter dem nächsten Baum lauert. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres: Was machen eigentlich die Bilder, Geschichten und Worte mit uns, die wir täglich aufnehmen?

Schon vor vielen Jahren habe ich festgestellt, dass mein Körper auf bestimmte Texte ausgesprochen deutlich reagiert. Und mit deutlich meine ich nicht, dass ich gelangweilt gähne oder mir einen Kaffee hole. Nein, da kann es tatsächlich passieren, dass mein Kreislauf beinahe zusammenbricht. Ich schaue auf einen Text, merke, dass etwas darin für mich überhaupt nicht stimmig ist, und mein Körper reagiert schneller, als mein Verstand überhaupt anfangen kann, die einzelnen Sätze auseinanderzunehmen.

Besonders Texte, die von Fremdbestimmung geprägt sind, haben diese Wirkung auf mich. Da können die Formulierungen noch so elegant, sachlich oder offiziell daherkommen. Mein Körper scheint eine ganz eigene Übersetzungsabteilung zu besitzen, die ziemlich zuverlässig meldet: „Nein danke, diese Sendung nehmen wir heute nicht entgegen!“

Deshalb lasse ich mir inzwischen viele Texte vorlesen, mit denen ich mich auseinandersetzen muss. Das verändert für mich den Zugang. Ich kann zuhören, die Inhalte erfassen und gleichzeitig eine gewisse Distanz bewahren. Lesen und Zuhören sind für mich eben nicht dasselbe Erlebnis.

Manchmal frage ich mich, wie viele Menschen ähnliche Reaktionen kennen, sie aber einfach übergehen, weil ihnen irgendwann beigebracht wurde, dass man sich gefälligst zusammenzureißen hat.

Dabei ist unser Körper keine Maschine, die alles widerspruchslos schlucken muss, was man ihr vorsetzt. Und unser Geist ist schließlich auch keine Mülltonne mit unbegrenztem Fassungsvermögen.

Medienwirkung auf unser Unterbewusstsein

Mit bewegten Bildern verhält es sich bei mir ganz ähnlich. Ich schaue seit etwa 2007 oder 2008 kein Fernsehen mehr. Das sind inzwischen fast zwanzig Jahre. Und nein, ich habe dadurch weder den Anschluss an die Menschheit verloren noch sitze ich jeden Abend bei Kerzenschein in einer Höhle und warte auf Rauchzeichen.

Im Gegenteil. Ich bekomme durchaus mit, was in der Welt geschieht. Nur entscheide ich lieber selbst, welche Informationen und Bilder ich in mein Leben lasse.

Besonders deutlich wird mir das inzwischen bei manchen Reels auf Facebook. Da scrollt man ganz harmlos durch die Beiträge, sieht vielleicht gerade noch ein niedliches Tierbaby, und im nächsten Moment bekommt man eine Szene präsentiert, bei der einem das Frühstück wieder entgegenkommen möchte.

Gewalt, Erniedrigung, Bedrohung und menschliche Grausamkeit werden teilweise in wenigen Sekunden zusammengeschnitten und als Unterhaltung serviert. Möglichst dramatisch, möglichst aufwühlend und natürlich so gestaltet, dass die Aufmerksamkeit daran hängen bleibt.

Da frage ich mich ernsthaft: Was genau soll daran unterhaltsam sein?

Noch beängstigender finde ich die Vorstellung, dass Kinder und Jugendliche mit solchen Inhalten in Berührung kommen können. Menschen, deren Wahrnehmung, Werte und Vorstellungen vom Zusammenleben sich noch entwickeln.

Denn Bilder verschwinden nicht einfach deshalb aus unserem Inneren, weil wir mit dem Finger weiterwischen. Emotionale und wiederholte Eindrücke können im Gedächtnis Spuren hinterlassen. Und gerade bei jungen Menschen spielt es eine Rolle, welche Bilder sie regelmäßig sehen, in welchem Zusammenhang sie diese erleben und wie sie das Gesehene verarbeiten können.

Natürlich wird nicht jeder Mensch durch einen gewalttätigen Film selbst gewalttätig. So einfach funktioniert unser Gehirn glücklicherweise nicht. Aber genauso wenig halte ich es für sinnvoll, die Wirkung solcher Inhalte grundsätzlich kleinzureden.

Wenn Plattformen mit Angst, Empörung und Schock Aufmerksamkeit erzeugen, ist das schließlich kein zufälliger Nebeneffekt. Aufmerksamkeit bedeutet Reichweite, Reichweite bedeutet Geld. Und irgendwo zwischen dem nächsten Werbeclip und dem nächsten Schockmoment bleibt die Frage auf der Strecke, was diese dauernde Reizüberflutung eigentlich mit den Menschen macht.

Besonders spannend finde ich dabei den Unterschied zwischen einer Geschichte, die uns berührt, und einer Inszenierung, die uns regelrecht überfährt.

Ein gutes Buch kann uns in andere Welten entführen. Ein Film kann uns zum Lachen bringen, zum Nachdenken anregen oder uns tief bewegen. Geschichten können Mut machen, Fantasie wecken und sogar neue Perspektiven auf unser eigenes Leben eröffnen.

Aber nicht jede Geschichte nährt uns.

Manche hinterlassen eine Schwere, die noch lange nachwirkt. Andere erzeugen Angst, ohne irgendeinen tieferen Sinn erkennen zu lassen. Und wieder andere vermitteln unterschwellig, dass Gewalt, Macht und Unterdrückung zum normalen menschlichen Miteinander gehören.

Ich möchte selbst bestimmen, welche Bilder und Worte in meinem Inneren Raum bekommen.

Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich mich so intensiv mit Bewusstsein, persönlicher Freiheit, energetischer Wahrnehmung und Selbstbestimmung beschäftige. Für mich gehört es zusammen. Denn wer sein eigenes Leben bewusst gestalten möchte, sollte auch darauf achten dürfen, womit er sein Bewusstsein täglich füttert.

Das bedeutet keineswegs, unangenehme Wahrheiten auszublenden. Ich beschäftige mich durchaus mit schwierigen Themen. Aber ich möchte ihnen auf meine Weise begegnen, statt mich von einem Algorithmus im Sekundentakt emotional durch die Gegend schleudern zu lassen.

Meine persönliche Erfahrung hat mich gelehrt, die Signale meines Körpers ernst zu nehmen. Wenn mir bei einem Text schwindelig wird oder bei bestimmten Bildern übel, dann ist das für mich eine klare Grenze.

Und Grenzen sind schließlich nicht nur dazu da, damit andere Menschen sie möglichst kunstvoll überschreiten können.

Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, wenn wir uns alle gelegentlich fragen würden, welche Geschichten wir in unser Leben hineinlassen.

Denn die spannendste Geschichte ist für mich ohnehin nicht der nächste Horrorfilm, sondern unser eigenes Leben.

Und bei dem möchte ich möglichst selbst Regie führen.

Ganz ohne Werbeunterbrechung, künstlichen Schockeffekt und ungefragtes Drehbuch aus fremder Feder.

Medienwirkung auf das Unterbewusstsein: Frau zwischen Büchern, Laptop und Filmstreifen mit Gewaltszenen und Fantasiewelten, Drachenzentrum Ullrich.

Was wir sehen und lesen, wirkt in uns weiter. Bewusste Medienwahl ist gelebte Selbstbestimmung.


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