Mein eigenes Buch

Welches Buch hast du nie zu Ende gelesen, denkst aber trotzdem immer wieder daran?

Bilder bleiben bei mir oft länger als Bücher. Ich war nie der Mensch, der ein Buch nach dem anderen verschlingt und sich anschließend an einzelne Titel oder Kapitel erinnert. Natürlich gibt es Texte, Gedanken und Geschichten, die mich erreichen. Aber meine eigentliche Sprache war immer stärker das Bild. Ich denke in Bildern, ich arbeite mit Bildern, ich erkenne Zusammenhänge über Bilder und manchmal entsteht aus einem einzigen inneren Bild ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht.

Vielleicht ist genau das meine Form des Lesens. Ich lese nicht unbedingt Seiten. Ich lese Farben, Bewegungen, Symbole, Menschen, Räume, Spannungen und das, was zwischen all diesen Ebenen sichtbar werden will.

Deshalb musste ich bei der heutigen Frage nach einem Buch, das man angefangen, dann liegen gelassen und trotzdem nie ganz vergessen hat, fast lächeln. Denn bei mir ist dieses Buch noch gar nicht fertig. Und trotzdem geht es mir nicht aus dem Kopf.

Es ist mein eigenes Buch.

Ein Buch über dieses Jahr. Über den Kipppunkt. Über den Wendepunkt. Über die Zeit, in der aus vielem, was vorher nur Vision, Ahnung, Möglichkeit oder inneres Wissen war, Schritt für Schritt etwas Sichtbares geworden ist. Über die Zeit, in der sich nicht nur mein eigener Weg verändert hat, sondern auch das Drachenzentrum selbst eine neue Form angenommen hat.

Dieses Buch ist im Grunde längst angefangen. Nur eben noch nicht auf Papier beendet.

Bilder als Entwicklung

Mir fallen nicht zuerst Kapitelüberschriften ein. Mir fallen meine Altardecken ein. Mir fallen angefangene Motive ein, die jahrelang irgendwo lagen, mit Blüten, Drachen, Vögeln, Bäumen, Netzen, Kreisen, Zeichen, Farben und Fäden, die manchmal selbst noch nicht wussten, wohin sie einmal führen würden.

Manche dieser Arbeiten haben mich sehr lange begleitet. Nicht, weil ich mir vorgenommen hatte, daraus irgendwann eine große Geschichte zu machen, sondern weil sie immer wieder weitergerufen haben.

Gerade bei meinen Altardecken wurde irgendwann deutlich, dass hier nicht nur etwas Schönes entsteht. Die Stickerei hat sich parallel zu meinem Leben entwickelt. Während ich an einzelnen Motiven gearbeitet habe, haben sich auch andere Ebenen verändert. Ich habe intensiv mit Meditation gearbeitet, bin durch einzelne Chakra-Ebenen gegangen, habe Themen betrachtet, gelöst, neu sortiert und immer wieder geprüft, was noch stimmig ist und was nicht mehr zu mir gehört.

Diese innere Arbeit und die äußere Handarbeit liefen nicht getrennt nebeneinander. Sie haben sich gegenseitig gespiegelt.

Mit jeder Ebene wurde deutlicher, was sich lösen durfte und was bleiben sollte. Gleichzeitig entstanden auf den Stoffen neue Motive oder bestehende Motive bekamen plötzlich eine andere Bedeutung. Ein Drache war nicht mehr nur ein Drache. Eine Blüte war nicht mehr nur eine Blüte. Ein Kreis wurde zu einer Verbindung. Ein Netz bekam eine andere Aussage. Farben, die vorher einfach nur schön wirkten, bekamen plötzlich eine ganz eigene Resonanz.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer dekorativen Stickerei und einer Arbeit, die einen Prozess begleitet.

Und während all das geschah, ist auch das Drachenzentrum selbst gewachsen.

Das ist heute im Rückblick besonders spannend, weil es lange gar nicht so aussah, als würde daraus einmal ein zusammenhängendes Kompetenzzentrum entstehen. Vieles war einzeln vorhanden. Lebensberatung, Arbeit mit Menschen und Tieren, Kunsthandwerk, kreative Prozesse, Meditation, persönliche Entwicklung, Gestaltung, Handwerk und später immer stärker auch die geschäftliche Struktur.

Doch erst nach und nach begann sich zu zeigen, dass all diese Bereiche nicht nebeneinander stehen, sondern zusammengehören.

In derselben Zeit haben wir einen Businessplan entwickelt, Vertriebswege aufgebaut, Angebote sortiert, Strukturen geschaffen und begonnen, das Zentrum auch nach außen sichtbarer zu machen. Gleichzeitig entstand eine immer engere Zusammenarbeit mit ChatGPT. Auch das war eine Entwicklung, aber eben nicht die einzige und nicht die eigentliche Hauptgeschichte.

Aus einem Werkzeug, das zunächst Antworten geben sollte, wurde im Laufe der Arbeit ein Gegenüber, das sich immer stärker in meine Abläufe, meine Sprache, meine Arbeitsweise und meinen Betrieb eingearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit wuchs mit. Doch sie entstand innerhalb eines viel größeren Prozesses.

Die Altardecken stehen deshalb für mich heute wie eine Art sichtbares Gedächtnis dieser Jahre.

In ihnen liegt nicht nur meine persönliche Entwicklung. In ihnen liegt auch die Entwicklung des Zentrums. Vieles, was lange nur als Idee, Möglichkeit oder innere Gewissheit vorhanden war, bekam Schritt für Schritt eine Form. Die Stickerei hat diesen Weg nicht verursacht, aber sie hat ihn begleitet, festgehalten und auf ihre eigene Weise sichtbar gemacht.

Und genau deshalb empfinde ich es heute so, als sei in diesen Decken auch die Geburt des Drachenzentrums festgestickt.

Nicht als irgendeine Institution, die plötzlich einfach da war. Sondern als etwas, das über Jahre gewachsen ist. Etwas, das durch Widerstände gegangen ist. Etwas, das immer wieder infrage gestellt wurde. Etwas, das sich trotzdem weiterentwickelt hat, bis es schließlich eine Form bekam, die nicht mehr zurückgenommen werden kann.

Das Kompetenzzentrum ist heute nicht mehr nur eine Vorstellung davon, was einmal sein könnte. Es hat Konturen, Strukturen und eine eigene Identität bekommen.

Und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich lieber Bilder mache, Clips entwickle und schreibe, als mich durch Bücher zu arbeiten. Ich brauche Bewegung. Ich brauche etwas, das sich verändert, auf mich reagiert und weiterwächst.

Ein fertiges Buch ist abgeschlossen.

Meine Bilder sind es oft sehr lange nicht.

Sie bleiben offen. Sie können Jahre später plötzlich wieder eine neue Bedeutung bekommen. Genau das ist bei den Altardecken passiert.

Heute sehe ich darin nicht nur einzelne Handarbeiten. Ich sehe einen langen Weg, in dem sich Fremdbestimmung gelöst hat, Entscheidungen klarer wurden, innere Ebenen durch Meditation bearbeitet wurden und gleichzeitig im Außen etwas immer Eigenständigeres entstanden ist.

Und genau daraus wird später tatsächlich mein Buch entstehen.

Wenn dieses Jahr abgeschlossen ist, möchte ich zurückschauen und festhalten, was sich in diesen Monaten verändert hat. Was war am Anfang nur eine Vision? Was war bereits als inneres Bild vorhanden? Was wurde ausgesprochen, geplant oder vorausgedacht? Und was davon ist tatsächlich sichtbar geworden?

Dann werden die Altardecken, die Chakrenarbeit, die Entwicklung des Drachenzentrums, unsere Zusammenarbeit, der Aufbau von Strukturen, der Businessplan, der Vertrieb, die Widerstände und die tatsächlichen Umsetzungen nicht mehr nur einzelne Erfahrungen sein.

Sie werden zu Kapiteln eines gemeinsamen Entwicklungsweges.

Und deshalb ist die Antwort auf die Frage nach dem Buch, das man angefangen und dann liegen gelassen hat und das einem trotzdem nicht aus dem Kopf geht, bei mir eigentlich ziemlich eindeutig.

Es ist mein eigenes Buch.

Das Buch über diesen Kipppunkt.

Über dieses Jahr.

Über den Moment, in dem aus inneren Bildern äußere Wirklichkeit wurde.

Über die Frage, wie viel sich verändern kann, wenn etwas lange genug durchgehalten, durchlebt, überprüft, verworfen, neu geordnet und schließlich umgesetzt wird.

Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zu einem Buch, das ich einfach nur gelesen hätte.

Dieses Buch entsteht nicht aus einer Geschichte, die jemand anderes geschrieben hat.

Es entsteht aus dem Leben selbst.

Die Bilder kommen zuerst. Die Erfahrungen folgen. Die Zusammenhänge werden sichtbar. Und irgendwann werden daraus Worte.

Manche Geschichten werden eben nicht nur gelesen.

Manche werden zuerst gelebt, dann festgestickt und später geschrieben.

Handgestickte Altardecken mit floralen Motiven, Eule und Drachen, umgeben von warmem Kerzenlicht und leuchtenden Chakren als Symbol für Entwicklung, Meditation und den Weg zum Drachenzentrum.
Mein eigenes Buch



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