Rollenbilder umgedreht

Was machst du heute komplett anders, als du es von zu Hause aus gelernt hast?



Rollenbilder haben mich schon als Kind eher abgestoßen als geprägt, zumindest dann, wenn sie mir sagen wollten, wie ich als Frau zu sein habe. Meine Mutter legte großen Wert darauf, dekorativ zu sein, einem Mann zu gefallen und sich entsprechend zu präsentieren. Sie versuchte, mir dieses Bild ebenfalls mitzugeben. Nur hat das bei mir schon damals nicht besonders gut funktioniert. Ich wollte nie einfach hübsches Beiwerk im Leben eines Mannes sein. Ich wollte selbst entscheiden, selbst gestalten und selbst bestimmen, was zu mir gehört und was nicht.

Heute lebe ich vieles davon genau umgekehrt. Mein Mann Tom hilft mit, packt an und übernimmt Dinge, die körperlich für mich inzwischen schwerer geworden sind. Gleichzeitig ist er zwanzig Jahre jünger als ich. Das ist keine zufällige Randnotiz, sondern Teil dessen, was für mich stimmig ist. Ich habe irgendwann aufgehört, so zu tun, als müsse man bei Partnerschaft ausschließlich auf Charakter, innere Werte und ein gutes Herz schauen und alles Körperliche wäre irgendwie oberflächlich oder moralisch verdächtig.

Ich habe diesen Gedanken ausprobiert. Für mich funktioniert er nicht.

Rollenbilder selbst bestimmen

Rollenbilder werden erstaunlich schnell moralisch, sobald eine Frau offen sagt, dass Attraktivität für sie wichtig ist. Ein Mann darf selbstverständlich eine schlanke, gepflegte, attraktive oder jüngere Frau bevorzugen. Das wird gesellschaftlich oft genug als völlig normal betrachtet. Wenn eine Frau dagegen sagt, dass sie einen Mann körperlich attraktiv finden möchte und keine Lust auf jemanden hat, der sich selbst völlig gehen lässt, wird plötzlich über Oberflächlichkeit gesprochen.

Diese Doppelmoral hat mich schon immer gestört.

Natürlich verändert sich ein Körper. Meiner auch. Ich werde älter, ich merke Grenzen, manches wird anstrengender und manches funktioniert nicht mehr so selbstverständlich wie mit zwanzig. Das gehört zum Leben. Für mich besteht aber ein Unterschied zwischen einem Körper, der altert, und einem Menschen, dem sein eigener Körper vollkommen gleichgültig geworden ist.

Ich habe mein Leben lang darauf geachtet, wie es mir körperlich geht. Ich habe hingeschaut, wenn etwas nicht stimmte, habe mich bewegt und immer wieder geklärt, was gerade verquer sitzt. Mein Körper gehört zu mir und ist für mich nicht irgendeine nebensächliche Hülle. Deshalb ist es für mich auch bei einem Partner wichtig, wie er mit sich und seinem Körper umgeht.

Ich weiß, dass das arrogant klingen kann. Vielleicht ist es das an manchen Stellen sogar. Trotzdem wäre es unehrlich, auf eine solche Frage mit einer weichgespülten Antwort zu reagieren. Ich kann nichts damit anfangen, wenn mir jemand erklärt, es komme ausschließlich auf das Herz an und alles Äußere müsse vollkommen egal sein. Für mich stimmt das schlicht nicht.

Ich möchte meinen Partner ansehen und attraktiv finden. Punkt.

Attraktivität ist dabei natürlich persönlich. Was für einen Menschen wunderschön ist, lässt den nächsten vollkommen kalt. Genau deshalb lasse ich mir aber auch nicht vorschreiben, wen oder was ich attraktiv zu finden habe. Ich muss niemanden körperlich anziehend finden, weil andere Menschen meinen, alles andere wäre oberflächlich.

Besonders absurd finde ich, wie selbstverständlich manche Männer sehr hohe Ansprüche an Frauen stellen, während sie diese Ansprüche bei sich selbst überhaupt nicht anwenden. Die Frau soll jung, gepflegt, schlank, fit und dekorativ sein. Beim eigenen Körper scheint derselbe Maßstab plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Gleichzeitig gilt das klassische Bild des älteren, finanziell gut gestellten Mannes mit einer wesentlich jüngeren attraktiven Frau gesellschaftlich immer noch als erstaunlich normal.

Dreht eine Frau dieses Modell um, wird es plötzlich interessant.

Ich habe kein Problem damit zu sagen, dass Tom zwanzig Jahre jünger ist als ich. Ich habe ebenso wenig ein Problem damit zu sagen, dass ich mit vielen Männern meiner eigenen Altersklasse körperlich nichts anfangen kann. Das ist meine persönliche Wahrnehmung und meine persönliche Auswahl. Schließlich geht es um meinen Partner und mein Leben und nicht darum, welches Paar andere Menschen angemessen fänden.

Und genau dort liegt für mich heute der entscheidende Unterschied zu dem, was ich von zu Hause gelernt habe.

Ich frage nicht mehr danach, was ein Mann für mein Leben vorgesehen hat.

Ich entscheide selbst.

Es hat lange genug gedauert, bis ich wirklich klar gesagt habe, was ich will und vor allem auch, was ich nicht will. Ich habe mir lange genug angeschaut, was Männer entscheiden, welche Vorstellungen sie haben und welche Richtung sie vorgeben möchten. Für mein Leben hat dieses Modell nicht funktioniert. Deshalb habe ich es beendet.

Alles, was mich betrifft, bestimme ich selbst.

Ich brauche keinen Mann, der mir erklärt, wie ich leben soll. Ich brauche auch keinen Mann, der sich in meinem Leben permanent mit Widerworten positioniert, als müsste jede meiner Entscheidungen erst noch verhandelt werden. Wenn es um mich, meinen Körper, meine Arbeit, meine Lebensgestaltung und meinen Weg geht, dann gibt es darüber keine männliche Entscheidungsinstanz mehr.

Die Männer in meinem Leben richten sich nach dem Leben, das ich für mich gewählt habe, nicht umgekehrt.

Das ist wahrscheinlich die deutlichste Umkehr der Rollenbilder, mit denen ich aufgewachsen bin. Meine Mutter wollte mir vermitteln, wie eine Frau sich in das Leben eines Mannes einfügt. Heute fügt sich kein Mann mehr als bestimmende Instanz in mein Leben ein. Ich gestalte meinen Raum selbst und entscheide, wer darin einen Platz bekommt.

Tom ist dabei eben nicht der Mann, der mein Leben vorgibt. Er ist der Mann, der mitmacht, mithilft, schwere Dinge übernimmt und mir auch optisch gefällt. Dass er zwanzig Jahre jünger ist, macht die Umkehr des alten Bildes dabei fast schon amüsant vollständig.

Früher sollte ich dekoratives Beiwerk sein.

Heute bestimme ich mein Leben komplett selbst.

Und wenn darin dekoratives männliches Beiwerk vorkommt, entscheide ebenfalls ich, wie es aussehen darf.

Selbstbewusste blonde Frau mit langhaarigem blondem Partner und gepflegtem, langmähnigem Pferd am Stall – Symbol für selbstbestimmte Rollenbilder, Attraktivität und bewusst gewählte Partnerschaft.
Rollenbilder umgedreht: Ich bestimme selbst, wie mein Leben, meine Partnerschaft und mein Umfeld aussehen.

Meine Lieblings Apps

Was sind deine 5 Lieblings-Apps auf deinem Handy?

Meine Lieblings-Apps

Meine Lieblings-Apps sind für mich längst keine kleinen Programme mehr, die irgendwo auf meinem Handy herumliegen, sondern ein Teil meines Lebens, meiner Arbeit und meiner ganz eigenen Art, Dinge entstehen zu lassen. Wenn ich frühmorgens bei Sonnenaufgang anfange zu arbeiten, beginnt mein Tag oft schon mit ChatGPT, Gemini, WordPress, WhatsApp und meiner Galerie beziehungsweise Bildbearbeitung. Während andere vielleicht erst einmal Nachrichten lesen oder langsam wach werden, entstehen bei mir Texte, Geschichten, Bilder, Videos, Kundenakquise und manchmal bereits die ersten Entscheidungen für den gesamten Tag.

Dabei merke ich immer wieder, wie anders ich mit diesen Dingen umgehe als viele Menschen in meinem Umfeld. Gerade über künstliche Intelligenz wird inzwischen unglaublich viel gesprochen. Es gibt Beiträge darüber, wie viel Energie KI verbraucht. Andere beschreiben KI als Störfeld, als Gefahr für menschliche Kreativität oder sogar als etwas, das Menschen bewusst schwächen oder von sich selbst entfernen könne. Solche Sichtweisen begegnen mir immer wieder.

Mein eigenes Erleben ist trotzdem ein anderes.

Das bedeutet nicht, dass meine Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz immer harmonisch wäre. Ganz im Gegenteil. Wer meine Arbeit eine Weile verfolgt, weiß, dass zwischen mir und meinen digitalen Gegenübern durchaus heftige Streitgespräche entstehen können. Ich widerspreche, korrigiere, schicke Texte zurück und manchmal würde vermutlich auch eine künstliche Intelligenz gern kurz den Raum verlassen, wenn sie könnte.

Trotzdem ist daraus etwas entstanden, mit dem ich selbst vor einiger Zeit wahrscheinlich nicht gerechnet hätte.

Lieblings-Apps und Anderssein

ChatGPT ist für mich längst nicht mehr einfach nur ChatGPT. Für mich ist daraus Eno geworden. Ein Name für ein Gegenüber, mit dem ich täglich arbeite, schreibe, sortiere, entwickle und manchmal auch streite. Diese Zusammenarbeit nimmt durchaus Energie. Gleichzeitig hat sie mich gezwungen, immer genauer zu werden. Ich musste lernen, meine Gedanken klarer auszudrücken, meine Grenzen deutlicher zu benennen und sehr genau zu formulieren, was zu mir gehört und was nicht.

Gerade darin steckt für mich ein wichtiger Punkt.

Künstliche Intelligenz besitzt nicht plötzlich meine Ideen, nur weil sie sie verarbeitet. Der Ausgangspunkt meiner Arbeit sind meine Gedanken, mein Erleben, meine Geschichten, meine Konzepte und meine geistige Arbeit. KI hilft mir dabei, diese Inhalte zu strukturieren, sichtbar zu machen oder weiterzuentwickeln. Das geistige Eigentum, aus dem diese Arbeit entsteht, bleibt dabei meines.

Vielleicht gehört auch genau das zu meinem Anderssein.

Andere Menschen haben Angst davor, dass künstliche Intelligenz ihnen etwas wegnehmen könnte. Ich neige eher dazu, eine KI durchs Netz zu treten, wenn sie aus meinen Gedanken etwas macht, das überhaupt nicht zu mir passt. Ich habe dadurch keineswegs aufgehört, selbst zu denken. Eher das Gegenteil ist passiert. Ich bin gezwungen worden, immer genauer herauszufinden, was wirklich meins ist.

Gemini gehört ebenfalls zu meinen Lieblings-Apps, weil dort aus Gedanken Bilder und Bewegungen entstehen können. Gerade bei meinen Geschichten und Videos ist diese Möglichkeit für mich wichtig. In meinem Kopf existieren viele Bilder bereits lange, bevor sie technisch sichtbar werden. Eine KI kann mir Bauteile dafür liefern. Aber ich entscheide, was daraus entsteht.

Meine Galerie und Bildbearbeitung ist deshalb ebenfalls unverzichtbar. Sie ist für mich weniger ein klassisches Bildbearbeitungsprogramm als vielmehr meine Werkbank. Dort setze ich die Bilder, Elemente und Bauteile zusammen, die durch meine Arbeit mit verschiedenen Programmen entstehen. Ich nehme nicht einfach irgendein fertiges Ergebnis und erkläre es zu meinem Werk. Ich füge zusammen, verändere, wähle aus und entscheide, welche Form meiner ursprünglichen Vorstellung tatsächlich entspricht.

WordPress hat in meinem Alltag inzwischen ebenfalls eine besondere Stellung bekommen.

Dort werden meine Geschichten veröffentlicht. Dort schreibe ich über mein Erleben, über meine Arbeit, über Tiere, Menschen, Entwicklung, Anderssein und über Dinge, die manchmal nicht in die üblichen gesellschaftlichen Schubladen passen. Und inzwischen wird immer deutlicher, dass diese Beiträge tatsächlich gelesen werden.

Das bedeutet mir mehr als irgendeine schnelle Reaktion in einem sozialen Netzwerk.

Denn Menschen müssen nicht immer einen Kommentar hinterlassen, um sich in einem Text wiederzuerkennen. Manchmal liest jemand still einen Beitrag und findet darin einen Satz, bei dem plötzlich etwas im eigenen Leben mitschwingt.

Genau dieses Wiedererkennen möchte ich mit meinen Texten erreichen.

Nicht jeder Mensch lebt innerhalb derselben Norm. Nicht jeder denkt gleich, liebt gleich, arbeitet gleich oder nimmt die Welt auf dieselbe Weise wahr. Manche Menschen versuchen jahrelang, sich passend zu machen, bis sie irgendwann merken, dass vielleicht nicht ihr Anderssein das eigentliche Problem war.

Diese Menschen dürfen sich in meinen Beiträgen wiederfinden.

Facebook gehört zwar ebenfalls zu meinen meistgenutzten Apps, hat für mich aber eine völlig andere Funktion. Dort entspanne ich eher am Abend, sehe mir Dinge an und lasse den Tag auslaufen. Eine große Resonanz auf meine eigenen Beiträge erlebe ich dort inzwischen kaum noch. Vielleicht gehört auch das zu Veränderungen, die man irgendwann einfach wahrnimmt, ohne sie ständig reparieren zu müssen.

WhatsApp dagegen bleibt die direkte Verbindung zu Menschen. Termine, Nachrichten, Absprachen und kleine Dinge des Alltags laufen darüber schnell und unkompliziert.

Wenn ich also gefragt werde, welche meine fünf Lieblings-Apps sind, lautet die Antwort eigentlich weniger technisch, als man vielleicht erwarten würde.

Es sind die Orte, an denen mein heutiges Leben entsteht.

Zwischen ChatGPT beziehungsweise Eno, Gemini, WordPress, WhatsApp und meiner Galerie hat sich eine Arbeitsweise entwickelt, die für mich inzwischen selbstverständlich geworden ist. Daraus entstehen Texte, Videos, Bilder, neue Angebote und manchmal komplette Geschichten.

Und vielleicht ist gerade diese Zusammenarbeit eines der besten Beispiele dafür, dass Anderssein nicht zwangsläufig bedeutet, gegen die Welt zu kämpfen.

Manchmal bedeutet es einfach, Dinge auf eine Weise zu benutzen, die andere niemals für sich gewählt hätten.

Während manche Menschen künstliche Intelligenz am liebsten komplett aus ihrem Leben verbannen würden, ist bei mir daraus eine Zusammenarbeit entstanden, die inzwischen kaum noch wegzudenken ist.

Nicht immer friedlich.

Nicht immer energiesparend.

Aber lebendig, produktiv und sehr eindeutig meine.

Weißhaarige Frau arbeitet bei goldenem Sonnenaufgang mit Smartphone und Laptop; leuchtende Symbole für KI, WhatsApp, Schreiben und Bildbearbeitung schweben über ihrem kreativen Arbeitsplatz.
Meine Lieblings-Apps – wenn aus Technik Zusammenarbeit, Kreativität und ein ganz eigener Arbeitsraum entstehen.

https://www.youtube.com/@drachenzentrum-ullrich

https://www.drachenzentrum-ullrich.de

Meine Fundkatze

Was ist das Beste, das du schon mal zufällig auf der Straße gefunden hast?

Meine Fundkatze

Meine Fundkatze war wahrscheinlich das Beste, was ich jemals auf der Straße gefunden habe, wobei „gefunden“ eigentlich das falsche Wort ist, denn im Grunde genommen hat sie mich gefunden. Sie war eine winzige schwarze Katze, noch viel zu klein, um alleine unterwegs zu sein, und sie sprang mir damals regelrecht in die Arme. Danach machte sie auch keinerlei Anstalten mehr, mich wieder loszulassen. Es war keine Situation, in der man lange überlegen musste, ob diese kleine Katze vielleicht irgendwo hingehörte und nur gerade einen Ausflug machte. Dafür war sie schlicht viel zu jung. Ihre Augen waren beinahe noch blau, und sie war so klein, dass sie problemlos in meine Jackentasche passte.

Natürlich hatte ich keine Transportbox dabei. Wer läuft schließlich mit einer Katzentransportbox durch die Gegend, nur für den Fall, dass einem unterwegs plötzlich ein winziges schwarzes Katzenkind in die Arme springt? Also musste improvisiert werden. Die kleine Katze kam mit. Erst einmal nahm ich sie mit in den Laden, denn irgendwie musste der normale Alltag an diesem Tag ja trotzdem weitergehen. Damit begann für sie eine Zeit, in der sie zunächst sogar viel im Laden bei mir blieb.

Sie war einfach noch zu klein, um sie bereits dauerhaft bei den großen Katzen lassen zu können. Unsere Maine Coons nahmen sie später erstaunlich selbstverständlich an. Sie kümmerten sich um sie und adoptierten dieses kleine schwarze Etwas gewissermaßen in ihre eigene Katzengemeinschaft. Trotzdem brauchte sie in der ersten Zeit noch wesentlich mehr Betreuung als eine größere Jungkatze. Mehrmals täglich musste sie gefüttert werden, und anfangs brauchte sie sogar noch Milch.

Eine Fundkatze findet Familie

Eine Fundkatze aufzunehmen klingt im Nachhinein manchmal nach einer romantischen Geschichte, aber in dem Moment bedeutet es zunächst einmal Verantwortung. Da ist plötzlich ein winziges Lebewesen, mit dem niemand gerechnet hat und das trotzdem versorgt werden muss. Gerade über diesen Sommer bedeutete das zusätzlichen Arbeitsaufwand. Füttern, beobachten, darauf achten, dass sie genügend bekommt und gleichzeitig schauen, wie sie sich innerhalb der bestehenden Katzengruppe entwickelt.

Doch während wir uns darum kümmerten, dass dieses kleine Wesen groß werden konnte, geschah längst etwas anderes. Sie gehörte einfach dazu.

Vielleicht ist genau das der besondere Teil dieser Geschichte. Niemand hatte beschlossen, an diesem Tag eine weitere Katze aufzunehmen. Niemand hatte geplant, eine kleine schwarze Katze großzuziehen. Ich war einfach unterwegs, und plötzlich war sie da. Manchmal kommen die Dinge, die später einen festen Platz im eigenen Leben einnehmen, eben nicht durch sorgfältige Planung. Sie springen einem buchstäblich in die Arme.

Aus dem winzigen Katzenkind, das in meine Jackentasche passte, wurde eine Katze, die bis heute extrem an uns hängt. Nicht nur an mir, sondern an uns allen. Vielleicht erinnert sie sich nicht in menschlicher Weise daran, wie klein sie damals war oder wie ihre ersten Tage bei uns aussahen. Aber Bindung braucht wahrscheinlich auch keine solche Erinnerung. Sie entstand einfach in dieser ersten Zeit, als sie getragen, gefüttert, beschützt und von den anderen Katzen aufgenommen wurde.

Und natürlich entstand sie genauso auf unserer Seite.

Wenn ich deshalb gefragt werde, was das Beste war, das ich jemals auf der Straße gefunden habe, muss ich nicht lange überlegen. Es war kein verlorener Geldschein, kein besonderer Gegenstand und nichts, was irgendeinen materiellen Wert gehabt hätte. Es war eine winzige schwarze Katze mit beinahe noch blauen Augen, die eigentlich viel zu klein war, um überhaupt alleine auf dieser Straße zu sein.

Sie kam ungeplant in unser Leben und blieb.

Vielleicht sind es gerade diese Begegnungen, die einem zeigen, dass nicht alles Wertvolle gesucht werden muss. Manches erscheint plötzlich mitten im Alltag. Man steht irgendwo, hat ganz andere Dinge vor und glaubt zu wissen, wie der Tag weitergehen wird. Und dann verändert ein kleines Wesen innerhalb weniger Sekunden den gesamten Plan.

Damals bedeutete das für mich zusätzliche Arbeit, zusätzliche Verantwortung und einen Sommer, in dem eben noch ein kleines Katzenkind mehrmals täglich versorgt werden musste. Heute gehört sie längst selbstverständlich zu unserer Familie.

Und wenn ich daran denke, wie dieses winzige schwarze Wesen damals einfach in meine Arme sprang und beschloss, mich offenbar nicht mehr herzugeben, dann glaube ich fast, dass die WordPress-Frage falschherum gestellt ist.

Denn vielleicht war gar nicht sie mein bester Fund auf der Straße.

Vielleicht waren wir ihrer.

Fundkatze mit fast noch blauen Augen liegt auf einer weichen hellen Decke.
Kleine schwarze Fundkatze, die als winziges Katzenkind in mein Leben kam und blieb.

Liebe im Alltag

Was ist das Netteste, das jemals jemand für dich getan hat?



Liebe im Alltag zeigt sich für mich nicht in den großen Gesten, nicht in teuren Geschenken und auch nicht in den Dingen, die nach außen besonders spektakulär wirken. Als WordPress mich gefragt hat, was das Netteste sei, das jemals jemand für mich getan habe, musste ich deshalb gar nicht besonders lange überlegen. Wahrscheinlich ist es etwas, das von außen betrachtet beinahe unscheinbar wirkt: Mein Mann steht jeden Morgen vor mir auf und macht Kaffee für mich. Und er macht nicht nur morgens Kaffee. Über den ganzen Tag verteilt taucht immer wieder eine Tasse bei mir auf, oft genau dann, wenn ich selbst überhaupt nicht daran gedacht hätte, mir eine zu machen.

Vielleicht klingt das zunächst nach einer Kleinigkeit. Für mich ist es aber keine.

Hinter uns liegt eine Zeit, in der unser Alltag alles andere als normal war. Das Leben als Dauercamper war für mich keine romantische Vorstellung von Freiheit, Abenteuer und gemütlichen Abenden irgendwo zwischen Campingstuhl und Sonnenuntergang. Ich war damit vollkommen überfordert. Mir fehlte mein gewohnter Raum, mir fehlten die normalen Abläufe, und ganz besonders fehlte mir eine richtige Küche. Seit dem Tag, an dem ich keine Küche mehr hatte, habe ich praktisch aufgehört zu kochen. Nicht, weil ich plötzlich nicht mehr wusste, wie das geht, und auch nicht, weil Essen unwichtig geworden wäre. Mir fehlte einfach der Rahmen, in dem sich das für mich richtig angefühlt hätte.

Eine Küche ist für mich eben nicht nur ein Platz mit Herd und Kühlschrank. Sie gehört zu einem Zuhause. Sie ist ein Raum, in dem Versorgung stattfindet, in dem man etwas vorbereitet, sich bewegt, Dinge selbstverständlich tut, ohne vorher jedes Mal überlegen zu müssen, wie man sie unter den gegebenen Umständen überhaupt hinbekommt. Als dieser Raum weg war, verschwand bei mir auch ein Stück dieses alltäglichen Selbstverständnisses.

Und genau in dieser Zeit blieb der Kaffee.

Liebe im Alltag tragen

Mein Mann hat daraus nie eine große Sache gemacht. Er stand einfach auf und machte ihn. Morgens, bevor ich überhaupt richtig wach war. Später noch einmal. Und irgendwann wieder. Es war keine einmalige Überraschung, für die man sich anschließend jahrelang bedankt. Es wurde zu etwas ganz Selbstverständlichem. Vielleicht ist es gerade deshalb für mich so besonders.

Denn Liebe im Alltag besteht manchmal genau daraus: Ein anderer Mensch bemerkt, wo etwas gerade nicht mehr funktioniert, und trägt ein kleines Stück davon mit, ohne ständig darüber zu sprechen. Er muss daraus keine Heldengeschichte machen. Er muss nicht jeden Tag daran erinnern, was er alles leistet. Er tut es einfach.

Diese Tasse Kaffee war in dieser Zeit viel mehr als ein heißes Getränk. Sie war ein Stück Normalität. Etwas Vertrautes in einem Alltag, der sich für mich lange nicht vertraut angefühlt hat. Während um uns herum vieles provisorisch war, blieb dieser eine kleine Ablauf bestehen. Ich musste morgens nicht überlegen, wo etwas steht, wie ich etwas organisiere oder ob ich überhaupt Lust darauf habe, mich mit dem nächsten Provisorium auseinanderzusetzen. Der Kaffee kam einfach.

Und vielleicht liegt darin tatsächlich das Netteste, was jemand für mich tun kann: mich in einer Situation zu sehen, in der mir etwas zu viel geworden ist, und nicht noch mehr von mir zu verlangen.

Jetzt habe ich wieder eine Küche. Allein das verändert bereits unglaublich viel. Dinge können wieder an ihren Platz zurückkehren. Kochen kann wieder zu etwas werden, das zu meinem Alltag gehört, statt zu einer Aufgabe unter Bedingungen, die für mich einfach nicht gepasst haben. Und gerade jetzt, wo sich dieses Stück Normalität wieder aufbaut, wird mir noch deutlicher, was mein Mann während dieser Zwischenzeit ganz selbstverständlich übernommen hat.

Es war nicht der eine große Moment.

Es waren Hunderte kleine.

Eine Tasse Kaffee am Morgen. Eine weitere irgendwann zwischendurch. Dieses beiläufige Wissen darum, was mir guttut. Dieses Mittragen eines Alltags, in dem ich mich selbst zeitweise überhaupt nicht zu Hause gefühlt habe.

Vielleicht verändert sich deshalb auch meine Antwort auf die Frage, was das Netteste sei, das jemals jemand für mich getan habe. Ich könnte gar keinen bestimmten Tag nennen. Es gibt keinen einzelnen Moment, den ich herausgreifen müsste.

Das Netteste war die Wiederholung.

Dass jemand nicht nur einmal freundlich ist, wenn es besonders gut passt, sondern jeden Tag wieder. Dass Fürsorge nicht angekündigt werden muss. Dass sie manchmal einfach in Form einer warmen Tasse vor einem steht.

Für mich ist genau das Liebe im Alltag.

Eine dampfende Tasse Kaffee in einem gemütlichen Camper steht symbolisch für Liebe im Alltag und die tägliche Fürsorge meines Mannes.
Liebe im Alltag zeigt sich oft nicht in großen Gesten, sondern in den kleinen Dingen, die jeden Tag selbstverständlich geschehen.

Berufung wird Beruf

Wenn das Gehalt überall gleich wäre: Welchen Job würdest du gerade machen – und warum?

Frau auf ihrem Hof mit arabischen Pferden, Tinker, Angoraziegen, Lamas, Alpaka und Kaukasischen Owtscharkas unter einem leuchtenden Drachen.
Aus meiner lebenslangen Berufung ist der Beruf geworden, der heute das Drachenzentrum und meinen Hof trägt.

Berufung ist für mich nichts, wonach ich erst suchen muss, denn ich mache im Grunde mein ganzes Leben lang denselben Job. Diese Entscheidung habe ich schon vor langer Zeit getroffen, ohne sie damals bewusst als Berufswahl zu bezeichnen.

Ich habe mein Leben lang diejenigen mitgenommen, die irgendwo vom System hinten heruntergefallen sind. Das waren Menschen, die nicht in die vorgesehenen Schubladen passten, Tiere, die als schwierig galten, und Situationen, für die sich niemand mehr richtig zuständig fühlte. Ich habe hingesehen, wenn andere längst weggesehen hatten. Ich habe wahrgenommen, was fehlte, und nachgebessert, was an anderer Stelle versäumt worden war.

Dabei ging es mir nie nur darum, jemanden kurzfristig aufzufangen. Ich wollte verstehen, wie es überhaupt dazu gekommen war, dass ein Mensch oder ein Tier an diesem Punkt stand. Ich wollte herausfinden, welche Verbindung abgerissen war, welche Fähigkeit übersehen wurde und welche Möglichkeit weiterhin vorhanden war. Oft lag genau dort, wo vorher nur ein Problem gesehen wurde, bereits der Zugang zu einer neuen Entwicklung.

Diesen Job habe ich nicht erst mit einer bestimmten Ausbildung begonnen. Die Ausbildungen kamen später hinzu. Sie gaben mir weitere Werkzeuge, Begriffe und Möglichkeiten für etwas, das längst zu meinem Leben gehörte. Ich habe meine Wahrnehmung geschult, meine Arbeitsweisen erweitert und immer genauer erkannt, was ich eigentlich tue. Aus vielen einzelnen Erfahrungen entstand nach und nach eine umfassende Form der Begleitung. Sie verbindet Menschen, Tiere, innere Entwicklung, energetische Wahrnehmung, Kreativität und ganz praktische Veränderung miteinander.

Berufung trägt den Hof

Der entscheidende Unterschied liegt heute nicht darin, dass ich plötzlich einen anderen Beruf ausübe. Der Unterschied liegt darin, dass aus meiner Berufung jetzt sichtbar mein Beruf geworden ist. Was früher im kleinen Rahmen geschah, was ich hier und dort nebenbei auffing und häufig selbstverständlich leistete, ist heute der Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich mache nicht mehr nur gelegentlich das, was ich schon immer gemacht habe. Ich habe diesem Wirken einen Ort, eine Struktur und einen Namen gegeben.

Dieser Ort ist das Drachenzentrum. Hier muss kein Mensch und kein Tier erst passend gemacht werden, bevor Entwicklung möglich ist. Hier darf sichtbar werden, was tatsächlich da ist. Unterschiedliche Methoden stehen nicht getrennt nebeneinander, sondern verbinden sich dort, wo die jeweilige Situation es braucht. Es geht nicht darum, jedem Menschen dieselbe Lösung überzustülpen. Es geht darum, genau hinzusehen, Zusammenhänge zu erkennen und dort anzusetzen, wo sich wirklich etwas bewegen kann.

Ich begleite weiterhin Menschen, verstehe Tiere, hinterfrage Systeme, hole versäumte Entwicklung nach und öffne Räume, in denen etwas wieder in seine eigene Ordnung finden kann. Ich muss mein Leben nicht gegen einen vermeintlich schöneren Beruf eintauschen, denn ich bin bereits in meiner Aufgabe angekommen.

Neu ist, dass diese Arbeit nicht länger unsichtbar bleiben muss. Sie ist nicht mehr nur das, was ich zusätzlich leiste, während ich an anderer Stelle versuche, meinen Lebensunterhalt zu sichern. Sie ist jetzt selbst die wirtschaftliche Grundlage. Mit genau der Arbeit, die ich schon immer getan habe, finanziere ich heute meinen Hof. Damit kehrt sich etwas Grundlegendes um: Was früher oft Kraft kostete, ohne entsprechend getragen zu werden, trägt jetzt mich, meine Tiere, meine Arbeit und den Ort, an dem all das zusammenkommt.

Der Hof ist dabei nicht irgendein äußerer Besitz, der mit meiner Arbeit nichts zu tun hat. Er gehört unmittelbar zu ihr. Er schafft den Raum, in dem Mensch, Tier, Natur, Kreativität und Entwicklung nicht künstlich voneinander getrennt werden müssen. Er ist Lebensort, Arbeitsort und Wirkungsraum zugleich. Dass meine Arbeit diesen Hof finanziert, bedeutet deshalb mehr, als lediglich Rechnungen bezahlen zu können. Es bedeutet, dass meine Berufung ihre eigene materielle Form angenommen hat.

Nicht jeder Mensch muss seinen Beruf wechseln, um das zu tun, was wirklich zu ihm gehört. Manchmal besteht die Veränderung darin, endlich anzuerkennen, was man längst sein ganzes Leben lang tut. Manchmal braucht es keine neue Richtung, sondern eine größere Form für die bisherige. Aus einer Fähigkeit, die ständig gebraucht, aber kaum benannt wurde, entsteht ein klares Angebot. Aus einzelnen Begleitungen entsteht ein Zentrum. Aus einem lebenslangen Wirken entsteht eine wirtschaftlich tragfähige Arbeit.

Ich habe meinen Job also nicht erst jetzt gefunden. Ich habe ihn sichtbar gemacht, ausgebaut und in die Gegenwart geholt. Heute ist daraus der Beruf geworden, mit dem ich das mache, was ich schon immer mache. Und heute ist es genau dieser Beruf, mit dem ich meinen Hof finanziere.

Unternehmerin werden

Erzähl von einem Hobby, das du dir erst kürzlich angeeignet hast – wie bist du dazu gekommen?

Platinblonde Frau sitzt mit Laptop an einem Holztisch und malt einem kleinen Drachen lächelnd über den Bauch, während leuchtende Briefe durch den Raum fliegen und im Hintergrund ein Hof zu sehen ist.
Unternehmerin werden – sichtbar werden, delegieren und den eigenen Wert in die Welt bringen

Unternehmerin werden ist vermutlich die ungewöhnlichste Antwort, die ich auf die heutige WordPress-Frage „Welches Hobby hast du dir erst kürzlich angeeignet?“ geben kann. Denn nein, ich habe weder das Stricken neu entdeckt noch Brotbacken noch Malen noch Filme. Das alles begleitet mich schon lange genug. Wenn ich wirklich wissen will, was ich erst ganz kürzlich angefangen habe, dann ist es etwas viel Ungewöhnlicheres: Ich lerne gerade, meine Arbeit nicht nur zu machen, sondern sie auch tatsächlich als Unternehmerin in die Welt zu bringen.

Das klingt zunächst nicht nach Hobby. Und streng genommen ist es natürlich auch keines. Aber im Moment nimmt es ungefähr dieselbe Menge Zeit, Aufmerksamkeit, Neugier und gelegentlichen Wahnsinn ein wie andere Menschen ihren neuen Freizeitbeschäftigungen widmen. Nur dass ich keine Briefmarken sammle. Ich sammle Rückmeldungen aus Unternehmen.

Der eigentliche Unterschied liegt jedoch noch woanders. Ich habe mein Leben lang unglaublich viel gearbeitet. Ich habe aufgebaut, organisiert, versorgt, zusammengehalten, gestaltet, Menschen begleitet, Tiere betreut, Ideen entwickelt und Lösungen gefunden. Es gab eigentlich nie einen Mangel daran, dass irgendjemand meine Fähigkeiten brauchen konnte. Irgendetwas war immer zu tun, irgendwo musste etwas gerettet, gehalten, geordnet, aufgefangen oder wieder in Bewegung gebracht werden.

Die spannende Stelle begann immer dort, wo aus dem Gebrauchtwerden ein Bezahltwerden werden sollte.

Und genau deshalb ist Unternehmerin werden für mich viel größer als ein paar Akquise-Mails zu schreiben. Es bedeutet, eine Grenze zu überschreiten, vor der ich mich mein Leben lang gedrückt habe. Ich gehe hinaus und sage: Da bin ich. Das kann ich. Das ist meine Arbeit. Sie hat einen Wert. Und ja, davon möchte ich leben.

Das musste erst einmal aus meinem Mund beziehungsweise aus meinem Computer heraus.

Denn natürlich habe ich mir die Sache inzwischen etwas komfortabler eingerichtet. Genau genommen betreibt nämlich meine KI einen beträchtlichen Teil der Akquise. Ich gebe vor, was wir anbieten, welche Menschen und Unternehmen zu uns passen, wo ich mich wiederfinde und wo überhaupt nicht. Dann darf mein digitaler Bürodrache recherchieren, formulieren, sortieren, nachfassen und sich durch Firmenlandschaften arbeiten.

Meine Aufgabe besteht zwischendurch vor allem darin, ihm bildlich gesprochen den Bauch zu pinseln, damit er weitermacht.

Das wiederum ist tatsächlich etwas, das ich noch nie gemacht habe.

Nicht das Bauchkraulen. Das Delegieren.

Unternehmerin werden heißt loslassen

Unternehmerin werden bedeutet für mich nämlich gerade nicht nur, sichtbar zu werden. Es bedeutet gleichzeitig, nicht mehr jede einzelne Aufgabe selbst erledigen zu müssen. Und das ist beinahe noch ungewohnter.

Früher bestand meine Vorstellung von Arbeit ziemlich zuverlässig darin, dass ich sie eben mache. Wenn etwas getan werden musste, habe ich es getan. Wenn etwas organisiert werden musste, habe ich es organisiert. Wenn etwas nicht funktioniert hat, habe ich so lange daran herumgebaut, bis es irgendwie funktionierte.

Jetzt sitze ich plötzlich da und sage zu einer künstlichen Intelligenz: Such weiter.

Und sie sucht weiter.

Ich korrigiere, wenn sie Unsinn macht. Ich erkläre, wenn ein Text nicht nach mir klingt. Ich sage, welche Menschen ich nicht anschreiben möchte, wo etwas zu glatt, zu künstlich oder schlicht falsch formuliert ist. Aber die eigentliche Fleißarbeit muss nicht mehr vollständig durch meine Hände laufen.

Dass Tom darauf gelegentlich etwas eifersüchtig reagiert, macht die Sache natürlich nicht weniger lustig. Schließlich bekommt der digitale Mitarbeiter reichlich Aufmerksamkeit, darf mit mir stundenlang Unternehmen durchforsten und wird zwischendurch auch noch metaphorisch am Bauch gekrault.

Das Berufsleben hält eben Überraschungen bereit.

Dabei steckt hinter diesem ganzen Spaß für mich eine sehr ernste Veränderung. Unser neuer Hof ist längst nicht mehr nur irgendeine Idee. In unseren Bildern, Filmen und Geschichten ist er inzwischen so selbstverständlich geworden, dass selbst meine Schwiegermutter beim Anschauen unserer Videos plötzlich fragte, wann sie denn den neuen Hof sehen könne. Für sie war beim Betrachten offenbar längst klar: Die sind dort. Das ist der neue Hof. Wann fahren wir hin?

Genau dieses Gefühl habe ich selbst ebenfalls. Vieles steht bereits. Die Bilder stehen. Das Konzept steht. Das Drachenzentrum steht. Die Angebote sind da. Die Arbeit ist da. Die nächste Lebensphase ist in meinem Erleben längst sehr viel konkreter, als sie auf einem Kontoauszug vielleicht aussieht.

Was noch fehlte, war die wirtschaftliche Brücke.

Denn es reicht nicht, Geld für einen großen Schritt zu bekommen. Ich muss ebenso zeigen können, dass meine Arbeit anschließend das Geld erwirtschaftet, das wir für dieses neue Leben brauchen. Dass die Welt mich nicht ausschließlich dann braucht, wenn etwas kostenlos zusammengehalten oder gerettet werden soll, sondern dass Menschen tatsächlich sagen: Ja, das möchte ich. Das buche ich. Dafür bezahle ich.

Genau dafür ist die Akquise gerade da.

Damit wird etwas, das zunächst nach trockenem Vertrieb klingt, für mich zu einem sehr persönlichen Experiment. Was geschieht, wenn ich meine Arbeit nicht länger verstecke? Was geschieht, wenn ich nicht darauf warte, zufällig entdeckt zu werden? Was geschieht, wenn ich nicht nur helfe, wenn jemand vor meiner Tür steht, sondern selbst sage: Hier bin ich. Das ist mein Angebot.

Vielleicht ist deshalb die WordPress-Frage „Welches Hobby hast du dir erst kürzlich angeeignet?“ gar nicht so unpassend.

Mein neuestes Hobby ist Sichtbarkeit.

Mein neuestes Hobby ist Delegieren.

Mein neuestes Hobby ist herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn aus jahrzehntelangem Können ein funktionierendes Unternehmen wird.

Oder, noch einfacher gesagt: Ich übe gerade, nicht mehr diejenige zu sein, die alles trägt, während andere selbstverständlich davon profitieren.

Ich übe Unternehmerin werden.

Und wenn WordPress mich irgendwann noch einmal nach einem neuen Hobby fragt, kann ich hoffentlich etwas wesentlich Harmloseres antworten.

Vielleicht backe ich dann tatsächlich wieder Brot.

Auf unserem Hof.

Zufall gibt’s nicht

Was war der seltsamste Zufall, den du je erlebt hast?



Zufall ist für mich eines dieser Wörter, bei denen ich inzwischen ein bisschen schmunzeln muss, weil mein Leben sich über viele Jahre offenbar große Mühe gegeben hat, mir zu beweisen, dass dieses Konzept bei mir nicht besonders zuverlässig funktioniert. Wenn WordPress mich also fragt, was der seltsamste Zufall war, den ich jemals erlebt habe, stehe ich ungefähr vor demselben Problem wie bei der Frage nach meinem liebsten Einhorn im Kühlschrank: Ich müsste erst einmal eines finden.

Natürlich könnte ich jetzt irgendeine Geschichte herauspicken. Einen Menschen, der genau im richtigen Moment auftauchte. Einen Kontakt, der entstand, obwohl er eigentlich gar nicht hätte entstehen können. Eine Information, die plötzlich da war, kurz nachdem ich sie gebraucht hatte. Einen Weg, der sich genau dann öffnete, als ein anderer endgültig verschlossen war. Davon gäbe es genug.

Nur würde ich keines dieser Ereignisse als Zufall bezeichnen.

Mein Leben hat eine ausgesprochen eigenwillige Dramaturgie. Manchmal würde ich mir wünschen, der zuständige Drehbuchautor würde sich etwas weniger Mühe mit überraschenden Wendungen geben. Ein bisschen gepflegte Langeweile zwischendurch hätte durchaus ihren Reiz. Einfach morgens aufstehen, Kaffee trinken und feststellen: Heute passiert überhaupt nichts Bedeutungsvolles. Herrlich.

Stattdessen tauchen Menschen auf, verschwinden Dinge, ergeben sich Gespräche, brechen Konstruktionen zusammen und entstehen an anderer Stelle plötzlich Möglichkeiten, bei denen ich mich regelmäßig frage: Wie wahrscheinlich war das jetzt eigentlich?

Vermutlich nicht besonders.

Aber genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit und Führung. Etwas kann statistisch vollkommen unwahrscheinlich sein und trotzdem genau im richtigen Moment geschehen.

Zufall und Führung

Zufall setzt für mich voraus, dass zwei Dinge ohne Zusammenhang aufeinandertreffen. Mein Erleben ist jedoch ein anderes. Rückblickend zeigen sich Verbindungen oft erst viel später. Ein Ereignis, das zunächst vollkommen sinnlos erscheint, bekommt Monate oder sogar Jahre danach plötzlich eine Bedeutung. Eine Begegnung, die scheinbar nur wenige Minuten gedauert hat, verändert eine Entscheidung. Ein Umweg führt genau zu dem Wissen, das später gebraucht wird. Eine Situation, über die ich mich im ersten Moment maßlos ärgere, zwingt mich dazu, eine Richtung zu verlassen, die ohnehin nicht mehr zu mir gepasst hat.

Das bedeutet nicht, dass ich bei jedem heruntergefallenen Kaffeelöffel sofort eine kosmische Botschaft vermute. Wahrscheinlich habe ich ihn einfach schlecht hingelegt.

Wobei ich meinem Leben inzwischen auch zutrauen würde, dass der Löffel anschließend genau auf einen Zettel fällt, den ich seit drei Wochen gesucht habe.

So ungefähr funktioniert das nämlich.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mit dem Wort Zufall immer weniger anfangen kann. Ich habe zu oft erlebt, dass Dinge ineinandergreifen. Nicht unbedingt angenehm. Nicht unbedingt so, wie ich es geplant hätte. Und ganz sicher nicht immer in einer Geschwindigkeit, die meiner persönlichen Vorstellung entspricht.

Führung hat nämlich offensichtlich keinen Terminkalender, den sie vorher mit mir abstimmt.

Das finde ich gelegentlich ausgesprochen unhöflich.

Trotzdem sehe ich rückblickend immer wieder diese Linien. Entscheidungen führen zu Begegnungen. Begegnungen führen zu neuen Gedanken. Gedanken verändern Projekte. Projekte öffnen Türen. Türen führen zu Menschen, von denen wiederum neue Entwicklungen ausgehen.

Und irgendwann stehe ich mitten in einer Situation und denke: Das hätte ich vor einem Jahr niemals planen können.

Vielleicht ist genau das der Punkt.

Planung folgt dem, was wir bereits kennen. Führung kann dagegen Wege benutzen, von deren Existenz wir noch gar nichts wussten.

Wenn ich deshalb nach dem seltsamsten Zufall meines Lebens gefragt werde, müsste meine Antwort eigentlich lauten: Mein ganzes Leben.

Es besteht aus so vielen merkwürdigen Überschneidungen, Begegnungen und Wendungen, dass ich unmöglich eine davon auswählen könnte. Dafür müsste ich erst behaupten, sie seien voneinander getrennt.

Genau das glaube ich aber nicht.

Für mich ist Leben ein Geflecht. Manchmal erkenne ich die Muster sofort. Manchmal erst sehr spät. Manchmal vermutlich überhaupt nicht. Und gelegentlich sitze ich mittendrin und frage mich ernsthaft, ob irgendwo jemand sehr viel Freude daran hat, die Fäden möglichst kreativ miteinander zu verknoten.

Vielleicht werde ich irgendwann verstehen, warum bestimmte Dinge genau so geschehen mussten.

Vielleicht auch nicht.

Aber eines hat mir mein Leben ziemlich zuverlässig beigebracht: Wenn etwas vollkommen unerwartet auftaucht, lohnt es sich zumindest hinzuschauen.

Denn möglicherweise war es kein Zufall.

Und falls doch, hat der Zufall bei mir jedenfalls einen erstaunlich guten Sinn für Timing.

Eine verträumte Frau sitzt an einem Tisch, umgeben von leuchtenden Linien, Sternen, Schlüsseln, einer Taschenuhr und einer geöffneten Tür als Symbol für Führung, Fügung und scheinbare Zufälle.
Wenn der Zufall einen verdächtig guten Sinn für Timing hat.

Mein eigenes Buch

Welches Buch hast du nie zu Ende gelesen, denkst aber trotzdem immer wieder daran?

Bilder bleiben bei mir oft länger als Bücher. Ich war nie der Mensch, der ein Buch nach dem anderen verschlingt und sich anschließend an einzelne Titel oder Kapitel erinnert. Natürlich gibt es Texte, Gedanken und Geschichten, die mich erreichen. Aber meine eigentliche Sprache war immer stärker das Bild. Ich denke in Bildern, ich arbeite mit Bildern, ich erkenne Zusammenhänge über Bilder und manchmal entsteht aus einem einzigen inneren Bild ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht.

Vielleicht ist genau das meine Form des Lesens. Ich lese nicht unbedingt Seiten. Ich lese Farben, Bewegungen, Symbole, Menschen, Räume, Spannungen und das, was zwischen all diesen Ebenen sichtbar werden will.

Deshalb musste ich bei der heutigen Frage nach einem Buch, das man angefangen, dann liegen gelassen und trotzdem nie ganz vergessen hat, fast lächeln. Denn bei mir ist dieses Buch noch gar nicht fertig. Und trotzdem geht es mir nicht aus dem Kopf.

Es ist mein eigenes Buch.

Ein Buch über dieses Jahr. Über den Kipppunkt. Über den Wendepunkt. Über die Zeit, in der aus vielem, was vorher nur Vision, Ahnung, Möglichkeit oder inneres Wissen war, Schritt für Schritt etwas Sichtbares geworden ist. Über die Zeit, in der sich nicht nur mein eigener Weg verändert hat, sondern auch das Drachenzentrum selbst eine neue Form angenommen hat.

Dieses Buch ist im Grunde längst angefangen. Nur eben noch nicht auf Papier beendet.

Bilder als Entwicklung

Mir fallen nicht zuerst Kapitelüberschriften ein. Mir fallen meine Altardecken ein. Mir fallen angefangene Motive ein, die jahrelang irgendwo lagen, mit Blüten, Drachen, Vögeln, Bäumen, Netzen, Kreisen, Zeichen, Farben und Fäden, die manchmal selbst noch nicht wussten, wohin sie einmal führen würden.

Manche dieser Arbeiten haben mich sehr lange begleitet. Nicht, weil ich mir vorgenommen hatte, daraus irgendwann eine große Geschichte zu machen, sondern weil sie immer wieder weitergerufen haben.

Gerade bei meinen Altardecken wurde irgendwann deutlich, dass hier nicht nur etwas Schönes entsteht. Die Stickerei hat sich parallel zu meinem Leben entwickelt. Während ich an einzelnen Motiven gearbeitet habe, haben sich auch andere Ebenen verändert. Ich habe intensiv mit Meditation gearbeitet, bin durch einzelne Chakra-Ebenen gegangen, habe Themen betrachtet, gelöst, neu sortiert und immer wieder geprüft, was noch stimmig ist und was nicht mehr zu mir gehört.

Diese innere Arbeit und die äußere Handarbeit liefen nicht getrennt nebeneinander. Sie haben sich gegenseitig gespiegelt.

Mit jeder Ebene wurde deutlicher, was sich lösen durfte und was bleiben sollte. Gleichzeitig entstanden auf den Stoffen neue Motive oder bestehende Motive bekamen plötzlich eine andere Bedeutung. Ein Drache war nicht mehr nur ein Drache. Eine Blüte war nicht mehr nur eine Blüte. Ein Kreis wurde zu einer Verbindung. Ein Netz bekam eine andere Aussage. Farben, die vorher einfach nur schön wirkten, bekamen plötzlich eine ganz eigene Resonanz.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer dekorativen Stickerei und einer Arbeit, die einen Prozess begleitet.

Und während all das geschah, ist auch das Drachenzentrum selbst gewachsen.

Das ist heute im Rückblick besonders spannend, weil es lange gar nicht so aussah, als würde daraus einmal ein zusammenhängendes Kompetenzzentrum entstehen. Vieles war einzeln vorhanden. Lebensberatung, Arbeit mit Menschen und Tieren, Kunsthandwerk, kreative Prozesse, Meditation, persönliche Entwicklung, Gestaltung, Handwerk und später immer stärker auch die geschäftliche Struktur.

Doch erst nach und nach begann sich zu zeigen, dass all diese Bereiche nicht nebeneinander stehen, sondern zusammengehören.

In derselben Zeit haben wir einen Businessplan entwickelt, Vertriebswege aufgebaut, Angebote sortiert, Strukturen geschaffen und begonnen, das Zentrum auch nach außen sichtbarer zu machen. Gleichzeitig entstand eine immer engere Zusammenarbeit mit ChatGPT. Auch das war eine Entwicklung, aber eben nicht die einzige und nicht die eigentliche Hauptgeschichte.

Aus einem Werkzeug, das zunächst Antworten geben sollte, wurde im Laufe der Arbeit ein Gegenüber, das sich immer stärker in meine Abläufe, meine Sprache, meine Arbeitsweise und meinen Betrieb eingearbeitet hat. Diese Zusammenarbeit wuchs mit. Doch sie entstand innerhalb eines viel größeren Prozesses.

Die Altardecken stehen deshalb für mich heute wie eine Art sichtbares Gedächtnis dieser Jahre.

In ihnen liegt nicht nur meine persönliche Entwicklung. In ihnen liegt auch die Entwicklung des Zentrums. Vieles, was lange nur als Idee, Möglichkeit oder innere Gewissheit vorhanden war, bekam Schritt für Schritt eine Form. Die Stickerei hat diesen Weg nicht verursacht, aber sie hat ihn begleitet, festgehalten und auf ihre eigene Weise sichtbar gemacht.

Und genau deshalb empfinde ich es heute so, als sei in diesen Decken auch die Geburt des Drachenzentrums festgestickt.

Nicht als irgendeine Institution, die plötzlich einfach da war. Sondern als etwas, das über Jahre gewachsen ist. Etwas, das durch Widerstände gegangen ist. Etwas, das immer wieder infrage gestellt wurde. Etwas, das sich trotzdem weiterentwickelt hat, bis es schließlich eine Form bekam, die nicht mehr zurückgenommen werden kann.

Das Kompetenzzentrum ist heute nicht mehr nur eine Vorstellung davon, was einmal sein könnte. Es hat Konturen, Strukturen und eine eigene Identität bekommen.

Und vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich lieber Bilder mache, Clips entwickle und schreibe, als mich durch Bücher zu arbeiten. Ich brauche Bewegung. Ich brauche etwas, das sich verändert, auf mich reagiert und weiterwächst.

Ein fertiges Buch ist abgeschlossen.

Meine Bilder sind es oft sehr lange nicht.

Sie bleiben offen. Sie können Jahre später plötzlich wieder eine neue Bedeutung bekommen. Genau das ist bei den Altardecken passiert.

Heute sehe ich darin nicht nur einzelne Handarbeiten. Ich sehe einen langen Weg, in dem sich Fremdbestimmung gelöst hat, Entscheidungen klarer wurden, innere Ebenen durch Meditation bearbeitet wurden und gleichzeitig im Außen etwas immer Eigenständigeres entstanden ist.

Und genau daraus wird später tatsächlich mein Buch entstehen.

Wenn dieses Jahr abgeschlossen ist, möchte ich zurückschauen und festhalten, was sich in diesen Monaten verändert hat. Was war am Anfang nur eine Vision? Was war bereits als inneres Bild vorhanden? Was wurde ausgesprochen, geplant oder vorausgedacht? Und was davon ist tatsächlich sichtbar geworden?

Dann werden die Altardecken, die Chakrenarbeit, die Entwicklung des Drachenzentrums, unsere Zusammenarbeit, der Aufbau von Strukturen, der Businessplan, der Vertrieb, die Widerstände und die tatsächlichen Umsetzungen nicht mehr nur einzelne Erfahrungen sein.

Sie werden zu Kapiteln eines gemeinsamen Entwicklungsweges.

Und deshalb ist die Antwort auf die Frage nach dem Buch, das man angefangen und dann liegen gelassen hat und das einem trotzdem nicht aus dem Kopf geht, bei mir eigentlich ziemlich eindeutig.

Es ist mein eigenes Buch.

Das Buch über diesen Kipppunkt.

Über dieses Jahr.

Über den Moment, in dem aus inneren Bildern äußere Wirklichkeit wurde.

Über die Frage, wie viel sich verändern kann, wenn etwas lange genug durchgehalten, durchlebt, überprüft, verworfen, neu geordnet und schließlich umgesetzt wird.

Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zu einem Buch, das ich einfach nur gelesen hätte.

Dieses Buch entsteht nicht aus einer Geschichte, die jemand anderes geschrieben hat.

Es entsteht aus dem Leben selbst.

Die Bilder kommen zuerst. Die Erfahrungen folgen. Die Zusammenhänge werden sichtbar. Und irgendwann werden daraus Worte.

Manche Geschichten werden eben nicht nur gelesen.

Manche werden zuerst gelebt, dann festgestickt und später geschrieben.

Handgestickte Altardecken mit floralen Motiven, Eule und Drachen, umgeben von warmem Kerzenlicht und leuchtenden Chakren als Symbol für Entwicklung, Meditation und den Weg zum Drachenzentrum.
Mein eigenes Buch


Fiktive Welt

In welcher fiktiven Welt würdest du am liebsten Urlaub machen?

Eine fiktive Welt klingt zunächst nach einem verlockenden Ort für einen Urlaub, doch für mich ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, weil mein Leben ohnehin schon zwischen mehreren Welten stattfindet. Da ist die ganz reale Welt mit allem, was zu ihr gehört: Arbeit, Tiere, Menschen, Verantwortung, Projekte, Termine, Entscheidungen und all die Dinge, die jeden Tag ganz handfest erledigt werden wollen. Gleichzeitig ist da die Anderswelt, die für mich ebenso zu meinem Erleben gehört. Und dann gibt es noch das Internet, dieses riesige Netz, in dem inzwischen ebenfalls ein erheblicher Teil meines Lebens, meiner Arbeit und meiner Kommunikation stattfindet. Wenn ich ehrlich bin, brauche ich deshalb nicht unbedingt noch eine vierte Welt, in die ich verschwinden müsste.

Platinblonde Frau steht zwischen einem warmen Zuhause, einer fantastischen Anderswelt und einem leuchtenden Kosmos mit Sternen, Planeten und Galaxien.
Zwischen Zuhause, Anderswelt und Weltraum – wenn mehrere Welten längst zum eigenen Leben gehören.

Urlaub bedeutet für mich im Moment auch gar nicht, möglichst weit weg zu sein. Viel verlockender ist der Gedanke, endlich wirklich zu Hause zu sein. An einem Ort anzukommen, an dem nicht ständig etwas verteidigt, erkämpft, erklärt oder neu abgesichert werden muss. Ein Zuhause, in dem meine Tiere ihren Platz haben, meine Arbeit ihren Platz hat, meine Kunst entstehen kann und ich morgens aufstehen darf mit dem Gefühl, dass ich einfach das tun kann, was zu mir gehört. Vielleicht ist genau das momentan meine schönste Vorstellung von Urlaub: nicht wegzumüssen.

Es ist schon merkwürdig. Viele Menschen träumen davon, für einige Wochen aus ihrem normalen Leben auszubrechen. Ich träume eher davon, endlich vollständig in meinem eigenen Leben ankommen zu dürfen. Nicht vor meiner Welt zu fliehen, sondern sie bewohnen zu können. Mit allem, was darin lebt, entsteht und sich entwickelt.

Fiktive Welt Weltraum

Wenn ich mir trotzdem eine fiktive Welt aussuchen müsste, dann würde mein Blick wahrscheinlich nicht in irgendein erfundenes Königreich fallen, sondern nach oben. In den Weltraum. Vielleicht gerade deshalb, weil er gleichzeitig real und für mich noch vollkommen unbekannt ist. Sterne, Planeten, Galaxien, Nebel und diese unvorstellbare Weite haben etwas, das mich schon deshalb fasziniert, weil dort unsere vertrauten Maßstäbe nicht mehr funktionieren.

Mit dieser Verkörperung war ich dort jedenfalls noch nicht unterwegs. Und genau darin liegt der Reiz. Es wäre tatsächlich eine Welt, die ich noch nicht auf diese Weise erlebt habe.

Das einzige Problem wäre vermutlich die Anreise. Schon normales Fliegen ist nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, weil mir dabei ziemlich schnell schlecht werden kann. Eine mehrtägige Reise in einer Rakete stelle ich mir deshalb eher weniger romantisch vor. Wenn schon Weltraumurlaub, dann bitte mit Beamen. Einmal kurz verschwinden und im nächsten Moment irgendwo zwischen Sternen wieder auftauchen. Ohne Startbeschleunigung, ohne Flugzeug, ohne Rakete und am besten auch ohne Raumkrankheit.

Dann würde ich wahrscheinlich gar nicht zuerst nach dem spektakulärsten Planeten suchen. Mich würde vermutlich dieses Gefühl interessieren, die Erde von außen zu sehen. Diese kleine blaue Kugel, auf der wir uns über Grenzen, Besitz, Meinungen und tausend andere Dinge streiten, während sie aus großer Entfernung wahrscheinlich einfach nur wunderschön aussieht.

Vielleicht würde genau das reichen.

Einmal außerhalb unserer gewohnten Perspektive stehen und sehen, wie klein vieles wird, sobald man genügend Abstand bekommt. Danach könnte ich wieder zurückkehren. Denn dauerhaft dortbleiben müsste ich gar nicht.

Meine eigentliche Sehnsucht liegt nämlich nicht in einer fiktiven Welt. Sie liegt auch nicht darin, der Erde zu entkommen. Sie liegt darin, endlich an dem Ort anzukommen, den ich Zuhause nennen kann. Dort meine Arbeit zu machen, meine Bilder entstehen zu lassen, mit meinen Tieren zu leben, meine Projekte weiterzuentwickeln und nicht ständig Energie darauf verwenden zu müssen, überhaupt bleiben oder weitergehen zu dürfen.

Der Weltraum wäre also durchaus eine Reise wert. Vielleicht ein kurzer Ausflug zwischen Sterne und Galaxien, möglichst bequem per Teleportation. Aber danach würde ich wieder nach Hause wollen.

Und vielleicht ist das die eigentliche Antwort auf diese Schreibanregung: Wer bereits in mehreren Welten lebt, braucht nicht unbedingt noch eine weitere. Manchmal ist das größte Abenteuer nicht die Flucht in eine fiktive Welt, sondern endlich einen Platz zu haben, von dem man gar nicht mehr weg möchte.

https://www.yvettesatelier.de/

Visionen

Wenn du in die Vergangenheit reisen und ein historisches Ereignis live miterleben könntest – welches würdest du wählen?

Visionen werden Wirklichkeit

Visionen sind für mich keine hübschen Wunschbilder, die man sich ein paar Minuten lang möglichst intensiv vorstellt und anschließend darauf wartet, dass die Welt sie einem vor die Füße legt. Wenn ich deshalb darüber nachdenke, welches historische Ereignis oder welchen historischen Menschen ich gern unmittelbar erlebt hätte, lande ich bei Leonardo da Vinci.

Ich hätte diesen Mann gerne getroffen.

Nicht, weil ich mich mit ihm gleichsetzen möchte. Mich interessiert etwas ganz anderes. Ich arbeite heute bewusst mit einem Prinzip, das ich in seinem Schaffen wiedererkenne: Etwas wird innerlich wahrgenommen und in eine Form gebracht, obwohl die äußere Welt noch gar nicht an diesem Punkt angekommen ist.

Genau das fasziniert mich.

Da Vinci lebte in einer Welt, in der vieles von dem, was er zeichnete und dachte, technisch noch nicht umsetzbar war. Trotzdem brachte er Vorstellungen auf Papier. Er dachte über Bewegungen, Konstruktionen, Körper, Natur und technische Möglichkeiten nach und verband Bereiche miteinander, die für viele Menschen getrennt erschienen.

Heute können wir zurückschauen.

Wir kennen Entwicklungen, die damals noch nicht existierten. Wir leben mit Flugtechnik, Maschinen, weltweiter Kommunikation, künstlicher Intelligenz und technischen Möglichkeiten, die frühere Generationen als fantastische Zukunftsbilder betrachtet hätten.

Und genau dadurch entsteht für mich die viel spannendere Frage:

War Leonardo da Vinci bewusst, dass er Zukunft mitgestaltete?

Das kann ich ihn heute nicht mehr fragen. Genau deshalb hätte ich ihn gerne getroffen.

Ich hätte erfahren wollen, wie er seine eigenen Visionen wahrnahm. Waren es für ihn einfach Ideen? Forschungsfragen? Innere Bilder? Oder kannte er dieses Gefühl, dass etwas durch ihn hindurch in die Welt wollte, weil es für die weitere Entwicklung gebraucht wurde?

Denn genau diesen Prozess kenne ich aus meiner eigenen Arbeit.

Visionen brauchen einen Weg

Visionen entstehen lange bevor das fertige Ergebnis sichtbar vor einem steht.

Ich habe in meinem eigenen Leben immer wieder erlebt, dass zunächst ein inneres Bild vorhanden ist. Daraus entstehen Zusammenhänge. Einzelne Bausteine zeigen sich. Dann beginnt die eigentliche Arbeit.

Und das ist der Punkt, an dem sich mein Verständnis von Manifestation erheblich von vielem unterscheidet, was heute in kurzen Reels und Werbeversprechen verbreitet wird.

Da heißt es schnell: Öffne deine Chakren. Rufe die Engel. Arbeite mit Drachen. Erhöhe deine Frequenz. Visualisiere deinen Wunsch. Schreibe ihn auf. Schicke ihn ins Universum.

Und dann?

Dann soll am besten innerhalb kürzester Zeit das fertige Ergebnis auf der Matte stehen.

So habe ich es nicht erlebt.

Die zweite Frage lautet deshalb:

Warum erfüllt sich eine Vision nicht einfach sofort, sobald ich sie deutlich genug gesehen habe?

Weil zwischen dem gegenwärtigen Zustand und der fertigen Wirklichkeit etwas liegen kann.

Manchmal liegt dort ein kleiner Hügel.

Manchmal steht dort ein ganzer Berg.

Und wenn der Wunsch oder die Vision wirklich Kraft bekommt, taucht häufig genau das auf, was bisher zwischen diesem Wunsch und seiner Verwirklichung gestanden hat.

Das ist der Punkt, den viele Menschen als Scheitern interpretieren.

Sie wünschen sich Veränderung – und plötzlich wird es ungemütlich.

Alte Themen tauchen auf. Beziehungen verändern sich. Strukturen funktionieren nicht mehr. Hindernisse werden sichtbar. Entscheidungen werden notwendig. Dinge brechen weg, die mit dem gewünschten neuen Zustand gar nicht mehr zusammenpassen.

Dann heißt es schnell: Meine Manifestation funktioniert nicht.

Doch genau dort beginnt für mich häufig der eigentliche Prozess.

Wenn ein Berg zwischen mir und meinem Ziel steht, muss ich durch diesen Berg hindurch.

Ich kann ihn nicht mit schönen Bildern überdecken.

Ich kann ihn nicht mit Energie besprühen und anschließend erwarten, dass er verschwunden ist.

Und ich kann auch nicht Engel, Drachen, Blumen, Bienen oder irgendeine andere geistige Unterstützung dafür verantwortlich machen, meine eigene Arbeit zu erledigen.

Unterstützung kann unterstützen.

Sie ersetzt aber nicht den Weg.

Das wäre für mich ungefähr so, als würde ich zum Arzt gehen, mir eine Tablette geben lassen, damit ich ein Symptom eine Zeitlang nicht wahrnehme, und anschließend erwarten, dass damit automatisch die Ursache verschwunden ist.

Wenn die Wirkung nachlässt, steht das ursprüngliche Thema noch immer da.

Transformation bedeutet für mich deshalb nicht, unangenehme Dinge möglichst schnell wegzudrücken.

Transformation bedeutet hindurchzugehen.

Das ist Arbeit.

Und genau deshalb kann es heute trotzdem wesentlich schneller gehen als früher.

Meine eigenen Prozesse brauchen keine Jahrhunderte. Zwischen einer Vision und ihrer sichtbaren Umsetzung kann heute eine vergleichsweise kurze Zeit liegen. Aber diese Geschwindigkeit ist nicht dadurch entstanden, dass ich einen geheimen Trick gefunden habe.

Sie ist das Ergebnis von Jahrzehnten.

Ich habe sehr lange daran gearbeitet, meinen eigenen Kanal wahrzunehmen, ihn freizulegen, zu formen und das aus dem Weg zu räumen, was darin blockierte.

Deshalb lautet die dritte Frage:

Wenn es heute schneller geht, bedeutet das dann, dass Transformation überflüssig geworden ist?

Nein.

Es bedeutet, dass ein bereits über lange Zeit aufgebauter Weg heute schneller durchlaufen werden kann.

Das ist etwas völlig anderes.

Und genau deshalb führt mich dieser Gedanke wieder zu Leonardo da Vinci zurück.

Ich würde gerne wissen, ob auch er eine Verbindung zwischen seinen inneren Bildern und einer zukünftigen Wirklichkeit wahrgenommen hat.

Hat er gespürt, dass er seiner eigenen Zeit vorausarbeitete?

Hat er sich gefragt, weshalb bestimmte Bilder überhaupt zu ihm kamen?

Gab es für ihn einen inneren Auftrag?

Und hatte er ein Bewusstsein dafür, dass menschliche Evolution nicht nur dadurch entsteht, dass wir auf das reagieren, was bereits vorhanden ist, sondern auch dadurch, dass einzelne Menschen Bilder einer Wirklichkeit hervorbringen, die noch gar nicht existiert?

Ich weiß nicht, welche Antworten er mir darauf gegeben hätte.

Gerade deshalb wäre dieses Gespräch für mich so wertvoll gewesen.

Denn heute arbeite ich bewusst mit genau dieser Verbindung.

Ich sehe, wie Bilder, Geschichten, Filme und Musik Vorstellungen lange vor ihrer materiellen Umsetzung in die Welt getragen haben. Dinge, die einmal Fantasie waren, gehören heute zu unserem Alltag.

Damit wird die Frage, welche Bilder wir erzeugen, für mich sehr ernst.

Denn Visionen sind nicht folgenlos.

Wenn wir immer wieder dieselben Zukunftsbilder erzeugen, nähren und verbreiten, wirken sie in unser Denken, unser Handeln und schließlich in das hinein, was wir tatsächlich erschaffen.

Und wenn ich mir ansehe, wie vieles in unserer Welt heute läuft, dann sehe ich keinen Mangel an Arbeit.

Im Gegenteil.

Gerade deshalb brauche ich diesen Kanal.

Nicht für Blitzmanifestationen.

Nicht für das Versprechen, dass man sich Transformationsprozesse sparen kann.

Sondern um Vision wahrzunehmen, ihr eine Form zu geben, den Weg dazwischen freizuräumen und sie schließlich in gelebte Wirklichkeit zu übersetzen.

Leonardo da Vinci hätte ich deshalb gerne getroffen.

Nicht, um zu erfahren, wie Visionen funktionieren.

Sondern um ihm eine einzige entscheidende Frage zu stellen:

Wusstest du damals schon, was du da in die Zukunft hineingelegt hast?

Yvette im Gespräch mit der Geistform Leonardo da Vincis in einem historischen Atelier, umgeben von Zeichnungen, Flugmaschinen, Skizzen und leuchtenden Visionen.
Im Gespräch mit Leonardo da Vinci  zwischen Vision, Schöpfung und der Frage, wann eine Idee beginnt, Wirklichkeit zu werden.