Was ist ein komplett nutzloser Fakt, den du trotzdem total gern erzählst?
Selbstbestimmung statt Ausgrenzung
Selbstbestimmung beginnt dort, wo Menschen ihren eigenen Lebensweg gestalten, ihre Gedanken bewusst wählen und sich nicht länger durch die Urteile anderer definieren lassen. Doch was geschieht, wenn ausgerechnet diejenigen, die Menschen unterstützen, beraten oder ihre Lebensumstände beurteilen sollen, ihnen mit Herabwürdigung und Ausgrenzung begegnen?
Die heutige WordPress-Frage lautet: „Welchen völlig nutzlosen Fakt erzählst du trotzdem immer wieder gerne?“
Zunächst fiel mir dazu überhaupt nichts ein. Mein Mann Tom brachte schließlich etwas Wesentliches auf den Punkt: Ich beschäftige mich bewusst mit meinen Gedanken, meiner Wortwahl und dem, was ich in meinem Leben manifestieren möchte. Warum sollte ich also ständig etwas wiederholen, das für mich keinerlei Bedeutung hat?
Ich möchte meine Aufmerksamkeit nicht mit Belanglosigkeiten füllen. Ich möchte etwas erschaffen, gestalten und verändern. Meine Worte sollen dem Leben Ausdruck geben, das ich verwirklichen möchte.
Das macht mich in den Augen mancher Menschen möglicherweise zur Spaßbremse. Ich verbringe meine Zeit nicht gerne mit oberflächlichen Gesprächen, sinnlosem Herumhängen oder gesellschaftlichen Gewohnheiten, die mir nichts geben. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass ich keine Freude, keinen Humor oder keine Fantasie kenne. Ganz im Gegenteil. Kunst, Tiere, Drachenwelten und schöpferisches Gestalten gehören zu meinem Leben.
Aber ich habe keine Lust, mich selbst zu verleugnen, nur um irgendwo dazuzugehören.
Und damit sind wir bei einer Geschichte, die ich tatsächlich immer wieder erzähle. Nicht gerne, nicht zur Unterhaltung und schon gar nicht, weil sie bedeutungslos wäre.
Es ist die Geschichte davon, wie andere Menschen versucht haben, uns zu definieren.
Ein Anwalt bezeichnete uns als „Ansammlung von Müll“.
Ein Behördenmitarbeiter erklärte uns für „nicht gesellschaftsfähig“.
Ein anderer Mensch war der Meinung, wir würden „menschenunwürdig leben“.
Von behördlicher Seite wurde uns vermittelt, dass wir keine weitere Fortbildung benötigen würden.
Schließlich wurde auch unsere charakterliche Eignung infrage gestellt. Uns wurde vorgehalten, wir seien nicht „charakterlich einwandfrei“. Grundlage dafür waren aus unserer Sicht zahlreiche unwahre Behauptungen, die andere Menschen über uns verbreitet hatten. Anstatt unsere tatsächliche Persönlichkeit, unser Handeln und unsere Lebensleistung unvoreingenommen zu betrachten, wurden wir mit Vorwürfen konfrontiert, die wir als falsch zurückweisen.
Das sind Aussagen, die sich tief einprägen. Nicht, weil sie etwas über unseren tatsächlichen Wert aussagen, sondern weil sie zeigen, mit welchen Vorstellungen und Bewertungen Menschen konfrontiert werden können, die einen anderen Lebensweg verfolgen.
Was bedeutet es eigentlich, wenn Menschen als nicht gesellschaftsfähig bezeichnet werden? Wer legt fest, wie ein gesellschaftsfähiger Mensch zu leben hat? Und weshalb wird aus einer anderen Lebensgestaltung plötzlich ein vermeintlicher persönlicher Mangel?
Selbstbestimmung verändert die Geschichte
Frage: Was war die Vergangenheit?
Die Vergangenheit war geprägt von Auseinandersetzungen, Abwertungen, Fremdbestimmung und dem wiederholten Gefühl, nicht als eigenständige Menschen mit eigenen Vorstellungen wahrgenommen zu werden. Unsere Lebensweise wurde beurteilt, unsere Prioritäten wurden infrage gestellt und unsere Entwicklungsmöglichkeiten nicht immer ernst genommen.
Besonders schwer wiegt es, wenn Behauptungen Dritter zur Grundlage einer negativen Charakterbeurteilung werden. Denn zwischen einer nachgewiesenen Tatsache und einer Anschuldigung besteht ein grundlegender Unterschied.
Dabei ging es nie darum, andere Menschen zu zwingen, so zu leben wie wir. Wir wollten unser eigenes Leben gestalten.
Frage: Was haben diese Beleidigungen bewirkt?
Solche Aussagen können verletzen, isolieren und Menschen das Gefühl vermitteln, keinen Platz in der Gesellschaft zu haben. Besonders schwer wiegen sie, wenn sie von Personen kommen, die aufgrund ihrer beruflichen Stellung Verantwortung tragen.
Worte haben Wirkung. Genau deshalb achte ich bewusst darauf, was ich ausspreche und welchen Gedanken ich Raum gebe.
Die Beleidigungen gehören zu unserer Geschichte. Sie sollen jedoch nicht unsere Zukunft bestimmen.
Frage: Bedeutet ein selbstbestimmtes Leben, gesellschaftliche Verantwortung abzulehnen?
Nein. Selbstbestimmung bedeutet nicht Verantwortungslosigkeit. Sie bedeutet, innerhalb der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, persönliche Prioritäten zu setzen und das eigene Leben bewusst zu gestalten.
Eine andere Lebensweise ist nicht automatisch eine schlechtere Lebensweise. Unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen, Arbeiten, Gemeinschaft, Bildung und Lebensqualität verdienen eine sachliche Auseinandersetzung statt persönlicher Herabwürdigung.
Frage: Warum erzähle ich diese Erfahrungen immer wieder?
Weil sie etwas Grundsätzliches sichtbar machen. Weil Ausgrenzung nicht erst dort beginnt, wo jemand ausdrücklich ausgeschlossen wird. Sie beginnt häufig schon in der Sprache, in Vorurteilen und in der Haltung, anderen Menschen ihre Eigenständigkeit abzusprechen.
Und weil ich zeigen möchte, dass Menschen mehr sind als die Schubladen, in die andere sie stecken.
Frage: Was soll aus dieser Vergangenheit entstehen?
Hier beginnt die eigentliche Umkehrung.
Aus der Erfahrung von Ausgrenzung soll ein Ort der Zugehörigkeit entstehen. Aus Fremdbestimmung soll Selbstbestimmung werden. Aus abwertenden Zuschreibungen soll die Möglichkeit wachsen, Menschen und Tiere in ihrer Eigenart wahrzunehmen und wertzuschätzen.
Genau dafür steht meine Vision vom Drachenzentrum Ullrich – Kompetenzzentrum – Das Nest für Mensch und Tier.
Ein Lebens- und Wirkungsraum, in dem persönliche Entwicklung, ganzheitliche Lebensberatung, Kunst, Kreativität und die Begegnung zwischen Mensch und Tier miteinander verbunden werden.
Ein Ort, an dem Menschen ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und entwickeln können, ohne ständig an fremden Lebensentwürfen gemessen zu werden.
Ein Ort, an dem Tiere nicht lediglich Mittel zum Zweck sind, sondern als eigenständige Lebewesen ihren Platz haben.
Und ein Ort, an dem Verantwortung, Würde, Individualität und Gemeinschaft zusammengehören.
Frage: Was bedeutet das für unsere Zukunft?
Wir wollen nicht dauerhaft in der Rolle der Ausgegrenzten bleiben. Wir wollen nicht unser Leben damit verbringen, uns gegen alte Beleidigungen zu verteidigen.
Wir wollen gestalten, aufbauen, arbeiten, Menschen begleiten und unseren Tieren ein dauerhaftes Zuhause schaffen.
Wir möchten nicht immer wieder erklären müssen, weshalb wir anders leben. Wir möchten zeigen, was aus unserer Lebensweise entstehen kann.
Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu beschönigen oder die ausgesprochenen Beleidigungen zu vergessen. Sie bleiben Teil unserer Erfahrungen. Aber sie bekommen einen anderen Platz in unserer Geschichte.
Sie stehen am Anfang einer Entwicklung, nicht an ihrem Ende.
Frage: Und was ist nun der nutzlose Fakt, den ich immer wieder erzähle?
Vielleicht ist es gerade die Erkenntnis, dass ich keinen nutzlosen Fakt brauche, um etwas zu erzählen.
Ich erzähle von Erfahrungen, die Bedeutung haben. Ich spreche über das, was mich geprägt hat, und vor allem über das, was ich verändern möchte.
Ich möchte meine Gedanken und Worte nicht dauerhaft an das binden, was andere über uns gesagt haben.
Ich möchte meine Energie auf das richten, was wir erschaffen.
Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr: „Warum haben andere uns so behandelt?“
Sondern: „Welches Leben möchten wir jetzt verwirklichen?“
Und darauf habe ich eine Antwort.
Ein selbstbestimmtes Leben mit Würde, Verantwortung, Kreativität, unseren Tieren und Menschen, die einander nicht nach ihrer gesellschaftlichen Anpassung beurteilen, sondern nach dem, was sie tatsächlich sind und in die Welt bringen.
Unsere Vergangenheit wurde von vielen fremden Urteilen begleitet. Unsere Zukunft soll von unseren eigenen Entscheidungen geprägt sein.
Das ist die Geschichte, die ich erzählen möchte. Und vor allem ist es die Geschichte, die wir jetzt leben und weiterentwickeln wollen.

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