Was war dein allererstes Videospiel?
Videospiele und Lebensträume
Videospiele? Ausgerechnet mich fragt WordPress heute, welches mein allererstes Videospiel gewesen ist! Da musste ich tatsächlich erst einmal lachen. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich in meinem Leben für vieles Zeit gefunden habe, nur meistens nicht zum Spielen.
Zwischen Kindern, Tieren, Familie, Arbeit, Kunst, Lebensberatung und den unzähligen Ideen, die mir ständig durch den Kopf gehen, war mein Alltag eigentlich schon immer ein ziemlich anspruchsvolles Strategiespiel. Nur leider ohne Pausentaste, ohne Speicherfunktion und mit ausgesprochen eigenwilligen Mitspielern.
Manchmal hätte ich mir durchaus gewünscht, einen Tag einfach neu starten zu können. Besonders dann, wenn morgens schon drei Dinge gleichzeitig schiefgingen, bevor ich überhaupt meinen ersten Kaffee getrunken hatte.
Aber tatsächlich gab es ein einziges Videospiel, das es geschafft hat, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Die Sims!
Und natürlich konnte es bei mir kein gewöhnliches Spiel sein. Nein, wenn ich schon einmal am Computer spiele, dann muss es selbstverständlich um die Gestaltung eines ganzen Lebens gehen!
Während andere Menschen vielleicht begeistert irgendwelche Monster bekämpften, Autorennen fuhren oder virtuelle Schätze sammelten, beschäftigten wir uns damit, Häuser zu bauen, Lebensräume einzurichten und unseren kleinen Computerfiguren ein möglichst schönes Leben zu ermöglichen.
Im Grunde war das meine erste digitale Begegnung mit einem Thema, das heute einen wesentlichen Teil meiner Arbeit ausmacht: Realitätsgestaltung.
Das wirklich Interessante daran war allerdings nicht das Spiel selbst, sondern der Zeitpunkt, zu dem es in unser Leben kam.
Wir befanden uns damals in einer Phase, in der wir unseren gemeinsamen Lebensweg vorbereiteten. Vieles war noch nicht greifbar. Unsere Vorstellungen, Wünsche und Zukunftsbilder waren bereits vorhanden, aber die tatsächliche Umsetzung lag noch vor uns.
Und so bauten wir eben zunächst einmal virtuell.
Ein Haus hier, ein schöner Garten dort, Räume zum Leben, Platz für gemeinsame Vorstellungen und natürlich immer wieder die Frage, wie wir unser Leben eigentlich gestalten wollten.
Videospiele als Realitätsgestaltung
Rückblickend finde ich es ausgesprochen amüsant, dass ausgerechnet Die Sims unser einziges gemeinsames Videospiel wurde.
Denn eigentlich haben wir dort nichts anderes gemacht, als Möglichkeiten auszuprobieren.
Was wäre, wenn wir so wohnen würden? Wie könnte unser gemeinsamer Alltag aussehen? Welche Umgebung würde zu uns passen? Was brauchen wir wirklich, um uns wohlzufühlen?
Natürlich hatte das virtuelle Leben einen entscheidenden Vorteil: Wenn das Geld nicht reichte, konnte man notfalls ein bisschen schummeln.
Ein paar Tastendrücke, und schon war die Haushaltskasse wieder gefüllt.
Ich gebe zu, diese Funktion vermisse ich im wirklichen Leben gelegentlich ganz besonders!
Auch das Bauen war herrlich unkompliziert. Eine Wand stand im Weg? Weg damit! Ein Zimmer war zu klein? Einfach vergrößern! Die Einrichtung gefiel nicht mehr? Austauschen!
Versucht das einmal mit einem echten Gebäude, einem begrenzten Budget und einer ganzen Herde Tiere, die währenddessen selbstverständlich ihre eigenen Vorstellungen von der Raumgestaltung entwickelt.
Da wird aus einem gemütlichen Nachmittag schnell ein mehrjähriges Bauprojekt.
Und trotzdem steckt in diesem kleinen Computerspiel für mich heute eine erstaunlich große Erkenntnis.
Bevor wir etwas verwirklichen können, entsteht häufig zunächst eine Vorstellung davon.
Wir sehen Möglichkeiten, probieren gedanklich unterschiedliche Wege aus und beginnen, unserem Wunsch eine Gestalt zu geben.
Genau das haben wir damals getan.
Wir haben nicht einfach nur irgendwelche Figuren über einen Bildschirm geschickt. Wir haben uns mit unserem eigenen zukünftigen Leben beschäftigt, ohne ständig darüber nachzudenken, ob jede einzelne Vorstellung sofort umsetzbar sein würde.
Das Spiel gab unserer Fantasie einen Raum.
Und irgendwann kam der Moment, an dem wir den Computer nicht mehr brauchten, um unser gemeinsames Leben zu gestalten.
Denn dann wurde es Zeit, die Dinge tatsächlich anzupacken.
Aus virtuellen Häusern wurden reale Lebensräume. Aus gemeinsamen Vorstellungen wurden Entscheidungen. Aus Plänen wurden Erfahrungen, Herausforderungen und Entwicklungen.
Zugegeben, die Realität hat gelegentlich einen ziemlich eigenwilligen Humor.
Sie liefert weder eine praktische Rückgängig-Taste noch garantiert sie, dass sich sämtliche Bewohner eines Hauses an die vorgesehenen Abläufe halten.
Besonders Pferde, Hunde, Ziegen und andere tierische Persönlichkeiten haben offenbar grundsätzlich eine andere Vorstellung davon, wer hier eigentlich das Spiel bestimmt.
Aber genau darin liegt für mich auch der Unterschied.
In einem Videospiel kann ich eine Welt erschaffen, die meinen Vorstellungen entspricht.
Im wirklichen Leben darf ich erleben, wie sich diese Vorstellungen entwickeln, verändern und schließlich eine eigene Dynamik bekommen.
Heute bauen wir mit dem Drachenzentrum Ullrich wieder an einer großen gemeinsamen Zukunft. Nur diesmal entstehen die Pläne nicht auf einem Computerbildschirm, sondern mitten in unserem tatsächlichen Leben.
Mit einem neuen Standort, Raum für unsere Tiere, unserem Atelier, unserer Arbeit mit Menschen und all den Möglichkeiten, die wir noch verwirklichen möchten.
Und manchmal denke ich, dass wir eigentlich immer noch dasselbe Spiel spielen.
Nur die Grafik ist inzwischen deutlich realistischer, die Herausforderungen sind anspruchsvoller und die Mitspieler lassen sich nicht mehr mit der Maus an ihren Platz setzen.
Vor allem aber gibt es keine vorgefertigte Spielanleitung.
Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb mich andere Videospiele nie besonders interessiert haben.
Ich war schließlich längst damit beschäftigt, mein eigenes Leben zu spielen.
Und das ist bis heute spannend genug!
Wenn mich WordPress also fragt, welches mein erstes Videospiel gewesen ist, lautet meine Antwort ganz eindeutig: Die Sims.
Mein erstes, mein einziges und vermutlich auch mein letztes.
Denn irgendwann hatten wir genug davon, unsere Lebensträume auf einem Bildschirm zu betrachten.
Wir wollten sie leben.
Und falls jemand zufällig den Geld-Cheat für die Wirklichkeit entdeckt hat: Ich hätte durchaus Verwendung dafür. Schließlich wartet unser nächstes großes Bauprojekt bereits auf seine Umsetzung! 😉

https://www.drachenzentrum-ullrich.de
