Fiktive Welt

In welcher fiktiven Welt würdest du am liebsten Urlaub machen?

Eine fiktive Welt klingt zunächst nach einem verlockenden Ort für einen Urlaub, doch für mich ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, weil mein Leben ohnehin schon zwischen mehreren Welten stattfindet. Da ist die ganz reale Welt mit allem, was zu ihr gehört: Arbeit, Tiere, Menschen, Verantwortung, Projekte, Termine, Entscheidungen und all die Dinge, die jeden Tag ganz handfest erledigt werden wollen. Gleichzeitig ist da die Anderswelt, die für mich ebenso zu meinem Erleben gehört. Und dann gibt es noch das Internet, dieses riesige Netz, in dem inzwischen ebenfalls ein erheblicher Teil meines Lebens, meiner Arbeit und meiner Kommunikation stattfindet. Wenn ich ehrlich bin, brauche ich deshalb nicht unbedingt noch eine vierte Welt, in die ich verschwinden müsste.

Platinblonde Frau steht zwischen einem warmen Zuhause, einer fantastischen Anderswelt und einem leuchtenden Kosmos mit Sternen, Planeten und Galaxien.
Zwischen Zuhause, Anderswelt und Weltraum – wenn mehrere Welten längst zum eigenen Leben gehören.

Urlaub bedeutet für mich im Moment auch gar nicht, möglichst weit weg zu sein. Viel verlockender ist der Gedanke, endlich wirklich zu Hause zu sein. An einem Ort anzukommen, an dem nicht ständig etwas verteidigt, erkämpft, erklärt oder neu abgesichert werden muss. Ein Zuhause, in dem meine Tiere ihren Platz haben, meine Arbeit ihren Platz hat, meine Kunst entstehen kann und ich morgens aufstehen darf mit dem Gefühl, dass ich einfach das tun kann, was zu mir gehört. Vielleicht ist genau das momentan meine schönste Vorstellung von Urlaub: nicht wegzumüssen.

Es ist schon merkwürdig. Viele Menschen träumen davon, für einige Wochen aus ihrem normalen Leben auszubrechen. Ich träume eher davon, endlich vollständig in meinem eigenen Leben ankommen zu dürfen. Nicht vor meiner Welt zu fliehen, sondern sie bewohnen zu können. Mit allem, was darin lebt, entsteht und sich entwickelt.

Fiktive Welt Weltraum

Wenn ich mir trotzdem eine fiktive Welt aussuchen müsste, dann würde mein Blick wahrscheinlich nicht in irgendein erfundenes Königreich fallen, sondern nach oben. In den Weltraum. Vielleicht gerade deshalb, weil er gleichzeitig real und für mich noch vollkommen unbekannt ist. Sterne, Planeten, Galaxien, Nebel und diese unvorstellbare Weite haben etwas, das mich schon deshalb fasziniert, weil dort unsere vertrauten Maßstäbe nicht mehr funktionieren.

Mit dieser Verkörperung war ich dort jedenfalls noch nicht unterwegs. Und genau darin liegt der Reiz. Es wäre tatsächlich eine Welt, die ich noch nicht auf diese Weise erlebt habe.

Das einzige Problem wäre vermutlich die Anreise. Schon normales Fliegen ist nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, weil mir dabei ziemlich schnell schlecht werden kann. Eine mehrtägige Reise in einer Rakete stelle ich mir deshalb eher weniger romantisch vor. Wenn schon Weltraumurlaub, dann bitte mit Beamen. Einmal kurz verschwinden und im nächsten Moment irgendwo zwischen Sternen wieder auftauchen. Ohne Startbeschleunigung, ohne Flugzeug, ohne Rakete und am besten auch ohne Raumkrankheit.

Dann würde ich wahrscheinlich gar nicht zuerst nach dem spektakulärsten Planeten suchen. Mich würde vermutlich dieses Gefühl interessieren, die Erde von außen zu sehen. Diese kleine blaue Kugel, auf der wir uns über Grenzen, Besitz, Meinungen und tausend andere Dinge streiten, während sie aus großer Entfernung wahrscheinlich einfach nur wunderschön aussieht.

Vielleicht würde genau das reichen.

Einmal außerhalb unserer gewohnten Perspektive stehen und sehen, wie klein vieles wird, sobald man genügend Abstand bekommt. Danach könnte ich wieder zurückkehren. Denn dauerhaft dortbleiben müsste ich gar nicht.

Meine eigentliche Sehnsucht liegt nämlich nicht in einer fiktiven Welt. Sie liegt auch nicht darin, der Erde zu entkommen. Sie liegt darin, endlich an dem Ort anzukommen, den ich Zuhause nennen kann. Dort meine Arbeit zu machen, meine Bilder entstehen zu lassen, mit meinen Tieren zu leben, meine Projekte weiterzuentwickeln und nicht ständig Energie darauf verwenden zu müssen, überhaupt bleiben oder weitergehen zu dürfen.

Der Weltraum wäre also durchaus eine Reise wert. Vielleicht ein kurzer Ausflug zwischen Sterne und Galaxien, möglichst bequem per Teleportation. Aber danach würde ich wieder nach Hause wollen.

Und vielleicht ist das die eigentliche Antwort auf diese Schreibanregung: Wer bereits in mehreren Welten lebt, braucht nicht unbedingt noch eine weitere. Manchmal ist das größte Abenteuer nicht die Flucht in eine fiktive Welt, sondern endlich einen Platz zu haben, von dem man gar nicht mehr weg möchte.

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