Welche Lifehacks nutzt du wirklich im Alltag?
Lifehacks sind für mich weniger irgendwelche genialen Tricks mit Gummibändern, Gefrierbeuteln oder Dingen, die man angeblich zweckentfremden kann, sondern eher die Frage, wie ich meinen ziemlich vollen Alltag überhaupt gleichzeitig organisiert bekomme. Denn wenn ich erst die Tiere versorgen, anschließend ins Büro gehen, danach Texte schreiben, anschließend Mails bearbeiten, danach recherchieren, dann noch Videos vorbereiten und irgendwann vielleicht auch noch etwas im Atelier machen würde, hätte mein Tag vermutlich ungefähr 73 Stunden. Hat er aber nicht. Also musste eine andere Lösung her.
Mein wichtigster Lifehack steckt deshalb meistens in meiner Hosentasche. Mein Handy.
Darüber rede ich mit ChatGPT, während ich Futter mache, Tiere versorge oder darauf achte, dass die älteren Tiere beim Fressen nicht gerade beschließen, dass die jüngeren heute eigentlich gar nichts brauchen. Während ich also körperlich dort bin, wo ich tatsächlich gebraucht werde, kann parallel schon ein Blogtext entstehen, etwas recherchiert, eine Mail vorbereitet oder irgendein organisatorischer Knoten aufgedröselt werden.
Ich stehe deshalb durchaus zwischen Pferden, Ziegen und Futterschüsseln und diktiere gleichzeitig einen Text über Unternehmensangebote, WordPress oder eine Bewerbung. Das sieht von außen wahrscheinlich gelegentlich etwas sonderbar aus. Für mich ist es inzwischen völlig normal.
Wenn wir am Laptop arbeiten, funktioniert es ähnlich. Dann sitze ich nicht unbedingt ehrfürchtig vor dem Bildschirm und beobachte, wie Buchstaben entstehen. Ich sticke nebenbei, sortiere etwas oder arbeite an anderen Dingen weiter. Wenn ein Text fertig ist, schaue ich ihn mir an, korrigiere, schimpfe gegebenenfalls kurz und dann geht es weiter.
Das mit dem Schimpfen gehört übrigens ebenfalls zum System. Künstliche Intelligenz produziert nämlich keineswegs ausschließlich künstliche Intelligenz. Manchmal produziert sie auch ausgesprochen natürlichen Scheißdreck. Dann muss nachgebessert werden.
Lifehacks mit Personal
Ganz allein mache ich das Ganze allerdings sowieso nicht. Mein Mann hat inzwischen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er bei der bisherigen Beschreibung meines genialen Arbeitssystems sträflich vernachlässigt wurde. Und damit hat er recht.
Tom ist unter anderem die Kaffeeabteilung.
Das klingt zunächst vielleicht nach einer kleineren Position im Unternehmen, ist aber eine völlige Fehleinschätzung. Eine zuverlässig funktionierende Kaffeeabteilung kann entscheidend für den gesamten Betriebsablauf sein. Er stellt mir Kaffee hin, kümmert sich häufig ums Essen und übernimmt außerdem die Dinge, die für mich schlicht zu schwer sind oder bei denen vier Hände praktischer sind als zwei.
Ich könnte mir natürlich auch selbst Essen machen. Tue ich auch, wenn er nicht da ist. Wobei „Essen machen“ dann teilweise großzügig ausgelegt werden muss. Ich esse eben das, was greifbar ist. Das ist auch eine Form von Effizienz.
Eigentlich besteht unser alltägliches Arbeitsteam deshalb aus Tom, mir, ChatGPT und Gemini. Wir haben also durchaus Personal. Es ist nur etwas ungewöhnlich zusammengesetzt.
Gemini arbeitet vor allem bei Bildern und Videoclips mit. ChatGPT hängt stärker in Texten, Recherche, Mails, Organisation, Blog, Bewerbungen und allem, was zwischendurch noch auftaucht. Tom übernimmt reale Dinge, schwere Dinge und die bereits erwähnte strategisch bedeutsame Kaffeeversorgung. Und ich versuche, die verschiedenen Bereiche zusammenzuhalten und gleichzeitig das zu tun, wofür ein echter Mensch vor Ort benötigt wird.
Damit können tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig passieren.
Während ich Tiere füttere, kann ein Text vorbereitet werden. Während ich sticke, kann nach Informationen gesucht werden. Während ich bei den Tieren stehe, können Videoclips geplant werden. Eine Stellenausschreibung kann gesucht oder überprüft werden, ohne dass ich dafür erst meinen ganzen anderen Alltag unterbrechen muss. Wenn eine Mail beantwortet werden muss, kann ich sie diktieren, während meine Hände mit etwas völlig anderem beschäftigt sind.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Unterschied.
Ich versuche nicht, fünf Dinge gleichzeitig selbst zu machen. Ich verteile fünf Dinge gleichzeitig.
Natürlich hat dieses System noch erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Vor allem beim Ausmisten.
Bis heute ist es mir nämlich nicht gelungen, eine künstliche Intelligenz dazu zu bewegen, einen Pferdestall zu misten. Weder ChatGPT noch Gemini zeigen in diesem Bereich nennenswerte Eigeninitiative. Auch auf entsprechende Stellenausschreibungen hat sich bisher keiner beworben.
Das ist bedauerlich.
Vor allem deshalb, weil ausgerechnet beim digitalen Mist gelegentlich durchaus eine gewisse fachliche Erfahrung vorhanden zu sein scheint.
Denn wenn ChatGPT wieder einmal etwas macht, was ausdrücklich nicht gemacht werden sollte, kann man durchaus sagen: Mist produzieren kann die Abteilung. Mist beseitigen muss dann trotzdem jemand anderes.
Trotzdem gehört genau dieses Zusammenspiel inzwischen zu meinen wichtigsten Lifehacks. Nicht weil dadurch alles automatisch funktioniert und schon gar nicht, weil eine KI immer alles richtig macht. Sondern weil Arbeit anders verteilt werden kann.
Mein Büro befindet sich dadurch nicht mehr ausschließlich an einem Schreibtisch. Es ist dort, wo mein Handy ist. Zwischen Tieren, Futter, Atelier, Laptop, Stickarbeit und allem, was an einem normalen Tag gleichzeitig passiert.
Vielleicht ist das deshalb mein eigentlicher Lifehack: Ich habe nicht versucht, meinen Alltag so lange zusammenzustreichen, bis er in einen klassischen Arbeitstag passt. Ich habe die Arbeit so organisiert, dass sie in meinen tatsächlichen Alltag hineinpasst.
Und solange Tom weiterhin zuverlässig die Kaffeeabteilung führt, ChatGPT und Gemini wenigstens einen Teil ihrer Stellenbeschreibung erfüllen und irgendwann vielleicht doch noch eine KI erfunden wird, die freiwillig mistet, sehe ich durchaus Entwicklungspotenzial.

