Was war der beste und was der schlimmste Flughafen, an dem du je warst?
Flughafen ist für mich tatsächlich ein ziemlich fremdes Thema, denn aufgrund meiner Flugangst bin ich in meinem ganzen Leben genau ein einziges Mal geflogen. Das war in meiner Jugend, und wenn ich heute daran zurückdenke, wundert es mich fast ein bisschen, dass ausgerechnet dieser eine Flug meine große Flugleidenschaft nicht geweckt hat. Wir saßen damals in einer russischen Maschine, und ich weiß noch ziemlich genau, dass ich zwischendurch ernsthafte Zweifel daran hatte, ob dieses Ding wirklich in der Luft bleiben würde. Wahrscheinlich hätte mir damals niemand mit technischen Erklärungen kommen müssen. Für mich fühlte es sich einfach nicht vertrauenerweckend an. Dieses Erlebnis hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich anschließend begeistert irgendwelche Flugreisen geplant hätte. Ganz im Gegenteil. Für mich war damit ziemlich klar, dass ich Flugzeuge nicht unbedingt zu einem regelmäßigen Bestandteil meines Lebens machen muss.
Deshalb kann ich auch keinen Flughafen nennen, den ich aus eigener Erfahrung als besonders wunderbar oder besonders schrecklich bezeichnen würde. Ich habe schlicht nicht genügend Flughäfen von innen gesehen, um einen ernsthaften Vergleich anzustellen. Ich kann aber sehr genau sagen, welche Art von Flughafen für mich wahrscheinlich noch halbwegs funktionieren würde und welche Art mich schon beim Gedanken daran nervös macht.
Flughafen und Orientierung
Ein kleiner Flughafen ist für mich wesentlich angenehmer. Damals war es Leipzig, beziehungsweise Leipzig-Schkeuditz, und dort war die ganze Sache noch in einer Größenordnung, die für mich überschaubar wirkte. Man geht hinein, findet einigermaßen heraus, wo man hinmuss, und steht nicht plötzlich vor einer halben Stadt aus Terminals, Ebenen, Rolltreppen, Schildern und irgendwelchen Wegen, die gefühlt mehrere Kilometer lang sind. Solche kleineren Orte haben für mich etwas Beruhigendes. Man hat zumindest das Gefühl, dass man den Ausgang wiederfinden könnte.
Ganz anders wäre es für mich vermutlich an einem riesigen Flughafen wie Frankfurt. Allein die Vorstellung, dort den richtigen Schalter, das passende Terminal, die Sicherheitskontrolle und anschließend noch das richtige Gate zu finden, reicht mir schon. Andere Menschen laufen dort wahrscheinlich völlig selbstverständlich durch die Gegend, lesen drei Anzeigen und wissen genau, wohin sie müssen. Ich würde vermutlich schon an der ersten Abzweigung überlegen, ob ich gerade auf dem Weg nach Spanien, Singapur oder versehentlich zum Personalparkplatz bin.
Das hat übrigens nicht nur mit Flughäfen zu tun. Große Bahnhöfe gehören für mich in dieselbe Kategorie. Sobald es sehr viele Gleise, Ebenen und Richtungen gibt, steigt meine Wahrscheinlichkeit, irgendwo völlig falsch zu landen, erheblich. Reisen mit komplizierten Umstiegen gehören deshalb nicht gerade zu meinen persönlichen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bewundere Menschen, die irgendwo ankommen, kurz auf eine Anzeigetafel schauen und danach zielsicher loslaufen. Bei mir kann aus einer eigentlich einfachen Verbindung durchaus eine kleine Expedition werden.
Der Unterschied ist nur: Bei einem Bahnhof bleibt man wenigstens auf dem Boden. Beim Flughafen kommt anschließend noch der Teil hinzu, den ich sowieso nicht mag – das Fliegen. Deshalb wäre mein schlimmster Flughafen wahrscheinlich gar nicht unbedingt derjenige mit dem schlechtesten Service, den längsten Wartezeiten oder dem unbequemsten Terminal. Es wäre schlicht ein riesiger, unübersichtlicher Flughafen, auf dem ich mich erst verlaufe und danach auch noch in ein Flugzeug steigen soll.
Und mein bester Flughafen? Vermutlich genau das Gegenteil. Klein, überschaubar und so aufgebaut, dass selbst ich nicht fünfmal überlegen muss, ob ich noch in die richtige Richtung gehe. Wenn ich mir einen Flughafen wünschen dürfte, müsste er eigentlich fast so funktionieren wie ein kleiner Bahnhof auf dem Land: hineingehen, zwei Schilder lesen, den richtigen Weg finden und fertig.
Vielleicht ist deshalb meine Antwort auf die Frage nach dem besten und schlimmsten Flughafen ein bisschen ungewöhnlich. Ich kann keinen internationalen Vergleich liefern und keine Rangliste aufstellen. Ich kann nur sagen, dass der beste Flughafen für mich derjenige wäre, an dem ich mich nicht verlaufe. Und der schlimmste wäre ein riesiger Flughafen wie Frankfurt, auf dem schon die Orientierung zur ersten Herausforderung wird.
Aber selbst wenn ich dort problemlos mein Gate finden würde, bliebe immer noch ein kleines Detail übrig: Irgendwann müsste ich in das Flugzeug steigen. Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Geschichte.

