Wie beeinflusst deine Einstellung deinen finanziellen Erfolg?
Finanzieller Erfolg ist für mich keine Frage davon, ob ich genug will, genug arbeite oder genug Ideen habe. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet. Ich habe aufgebaut, geschaffen, gestaltet, gemalt, gestickt, beraten, begleitet, Tiere versorgt, Räume erschaffen, Menschen gestärkt und immer wieder neu angefangen. Die Frage war nie, ob ich bereit bin, etwas zu tun. Die eigentliche Frage war viel tiefer: Darf das, was ich erschaffe, auch mich tragen? Heute wurde mir diese Frage noch einmal mit einer Deutlichkeit vor die Füße gelegt, die kaum zu übersehen ist. Ausgerechnet heute lautet eine Frage, über die ich schreiben soll, wie meine Einstellung zu meinem finanziellen Erfolg ist. Und selbst die Worte wollten kaum über meine Lippen. Ich musste mehrfach hinschauen, um sie überhaupt zusammenhängend auszusprechen. Genau das zeigt mir, wie tief dieses Thema reicht. Ich kenne den Zustand, etwas Großes aufzubauen und gleichzeitig im Hintergrund die Angst zu tragen, dass niemand kommt. Wie bei einer Feier, die man vorbereitet, dekoriert und mit allem füllt, was einem wichtig ist, während irgendwo im Inneren der Satz sitzt: Und wenn am Ende keiner durch die Tür kommt? Nur geht es heute nicht um eine Feier. Es geht um mein Lebenswerk. Das Drachenzentrum Ullrich ist keine spontane Geschäftsidee. Es ist das Ergebnis von Jahrzehnten Erfahrung, Ausbildung, persönlicher Entwicklung, Arbeit mit Menschen, Tieren, Kunst und Bewusstsein. Es verbindet Lebensberatung, Training, Kreativität, Natur, Tiere und Räume, in denen Menschen wieder Zugang zu sich selbst finden können. Und trotzdem existiert diese eine Frage: Was ist, wenn ich all das realisiere und es wirtschaftlich wieder allein tragen muss? Ein eigener Hof bedeutet Möglichkeiten. Er bedeutet Freiheit. Er bedeutet endlich Platz für das, was längst entwickelt ist. Er bedeutet aber auch Verantwortung. Finanzierung, laufende Kosten, Tiere, Gebäude, Mitarbeiter, Programme und Rückzahlungen verschwinden nicht dadurch, dass eine Vision wunderschön ist. Genau deshalb hat finanzieller Erfolg für mich inzwischen eine andere Bedeutung bekommen.
Finanzieller Erfolg trägt
Finanzieller Erfolg bedeutet für mich nicht Reichtum als Statussymbol. Er bedeutet, dass das, was einen Wert für andere Menschen hat, auch einen wirtschaftlichen Wert haben darf. Das klingt selbstverständlich. Für mich war es das lange nicht. Ich kenne das Erschaffen. Ich kenne das Durchhalten. Ich kenne das Funktionieren, wenn eigentlich längst keine Kraft mehr übrig ist. Ich kenne die Situation, Verantwortung zu tragen, weil irgendwo immer noch etwas versorgt, bezahlt, gerettet oder erhalten werden muss. Was ich lernen und erleben darf, ist etwas anderes: Dass meine Arbeit nicht erst dann wertvoll ist, wenn ich mich für sie aufgebraucht habe. Dass Menschen buchen dürfen. Dass Firmen für Angebote bezahlen dürfen. Dass Kunst gekauft werden darf. Dass ein Zentrum wirtschaftlich erfolgreich sein darf, ohne dass vorher wieder irgendeine Existenzkrise entstehen muss. Und genau darin liegt für mich der eigentliche Wandel. Ich möchte keinen Hof kaufen, um anschließend verzweifelt darauf zu hoffen, dass irgendwann jemand kommt. Der Hof und der wirtschaftliche Erfolg gehören zusammen. Während das Zentrum entsteht, entsteht auch die Bewegung der Menschen dorthin. Während Räume geschaffen werden, entstehen Buchungen. Während Programme wachsen, entstehen Einnahmen. Nicht irgendwann später. Jetzt. Vielleicht ist das eine der unbequemsten Fragen überhaupt: Wie viel Erfolg erlauben wir uns wirklich? Viele Menschen sagen, sie möchten erfolgreich sein. Aber was passiert, wenn Erfolg plötzlich nicht mehr theoretisch ist? Wenn Verantwortung größer wird? Wenn ein Unternehmen wächst? Wenn andere Menschen anfangen, auf das eigene Angebot zu reagieren? Dann zeigt sich häufig etwas, das vorher gut versteckt war. Die Angst vor dem Scheitern. Die Angst, sichtbar zu werden. Die Angst, Geld zu verlangen. Die Angst, Verantwortung nicht tragen zu können. Oder sogar die Angst davor, dass es tatsächlich funktioniert. Ich habe viele dieser Ebenen in meinem Leben kennengelernt. Und trotzdem stehe ich heute hier. Das Drachenzentrum existiert. Die Programme existieren. Meine Arbeit existiert. Die Bilder existieren. Die Tiere existieren. Die Vision existiert längst nicht mehr nur in meinem Kopf. Jetzt darf auch der wirtschaftliche Teil vollständig dazugehören. Denn eine Vision, die Menschen helfen soll, braucht Substanz. Tiere brauchen Versorgung. Räume brauchen Finanzierung. Projekte brauchen Mittel. Und Menschen, die ihr Leben einer Aufgabe widmen, dürfen von dieser Aufgabe auch leben. Das ist keine Gier. Das ist Tragfähigkeit. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich meine Einstellung zu finanziellem Erfolg endgültig verändert hat. Ich möchte nicht mehr nur überleben, während ich etwas Wertvolles erschaffe. Ich will erleben, dass das, was ich erschaffen habe, trägt. Dass Menschen kommen. Dass sie buchen. Dass sie bleiben. Dass aus einer Vision ein lebendiger Ort wird. Und dass irgendwann niemand mehr fragen muss, wie ich das alles überhaupt schaffe. Sondern nur noch: Wie konnte dieser Ort jemals nicht existieren?

