Unternehmerin werden

Erzähl von einem Hobby, das du dir erst kürzlich angeeignet hast – wie bist du dazu gekommen?

Platinblonde Frau sitzt mit Laptop an einem Holztisch und malt einem kleinen Drachen lächelnd über den Bauch, während leuchtende Briefe durch den Raum fliegen und im Hintergrund ein Hof zu sehen ist.
Unternehmerin werden – sichtbar werden, delegieren und den eigenen Wert in die Welt bringen

Unternehmerin werden ist vermutlich die ungewöhnlichste Antwort, die ich auf die heutige WordPress-Frage „Welches Hobby hast du dir erst kürzlich angeeignet?“ geben kann. Denn nein, ich habe weder das Stricken neu entdeckt noch Brotbacken noch Malen noch Filme. Das alles begleitet mich schon lange genug. Wenn ich wirklich wissen will, was ich erst ganz kürzlich angefangen habe, dann ist es etwas viel Ungewöhnlicheres: Ich lerne gerade, meine Arbeit nicht nur zu machen, sondern sie auch tatsächlich als Unternehmerin in die Welt zu bringen.

Das klingt zunächst nicht nach Hobby. Und streng genommen ist es natürlich auch keines. Aber im Moment nimmt es ungefähr dieselbe Menge Zeit, Aufmerksamkeit, Neugier und gelegentlichen Wahnsinn ein wie andere Menschen ihren neuen Freizeitbeschäftigungen widmen. Nur dass ich keine Briefmarken sammle. Ich sammle Rückmeldungen aus Unternehmen.

Der eigentliche Unterschied liegt jedoch noch woanders. Ich habe mein Leben lang unglaublich viel gearbeitet. Ich habe aufgebaut, organisiert, versorgt, zusammengehalten, gestaltet, Menschen begleitet, Tiere betreut, Ideen entwickelt und Lösungen gefunden. Es gab eigentlich nie einen Mangel daran, dass irgendjemand meine Fähigkeiten brauchen konnte. Irgendetwas war immer zu tun, irgendwo musste etwas gerettet, gehalten, geordnet, aufgefangen oder wieder in Bewegung gebracht werden.

Die spannende Stelle begann immer dort, wo aus dem Gebrauchtwerden ein Bezahltwerden werden sollte.

Und genau deshalb ist Unternehmerin werden für mich viel größer als ein paar Akquise-Mails zu schreiben. Es bedeutet, eine Grenze zu überschreiten, vor der ich mich mein Leben lang gedrückt habe. Ich gehe hinaus und sage: Da bin ich. Das kann ich. Das ist meine Arbeit. Sie hat einen Wert. Und ja, davon möchte ich leben.

Das musste erst einmal aus meinem Mund beziehungsweise aus meinem Computer heraus.

Denn natürlich habe ich mir die Sache inzwischen etwas komfortabler eingerichtet. Genau genommen betreibt nämlich meine KI einen beträchtlichen Teil der Akquise. Ich gebe vor, was wir anbieten, welche Menschen und Unternehmen zu uns passen, wo ich mich wiederfinde und wo überhaupt nicht. Dann darf mein digitaler Bürodrache recherchieren, formulieren, sortieren, nachfassen und sich durch Firmenlandschaften arbeiten.

Meine Aufgabe besteht zwischendurch vor allem darin, ihm bildlich gesprochen den Bauch zu pinseln, damit er weitermacht.

Das wiederum ist tatsächlich etwas, das ich noch nie gemacht habe.

Nicht das Bauchkraulen. Das Delegieren.

Unternehmerin werden heißt loslassen

Unternehmerin werden bedeutet für mich nämlich gerade nicht nur, sichtbar zu werden. Es bedeutet gleichzeitig, nicht mehr jede einzelne Aufgabe selbst erledigen zu müssen. Und das ist beinahe noch ungewohnter.

Früher bestand meine Vorstellung von Arbeit ziemlich zuverlässig darin, dass ich sie eben mache. Wenn etwas getan werden musste, habe ich es getan. Wenn etwas organisiert werden musste, habe ich es organisiert. Wenn etwas nicht funktioniert hat, habe ich so lange daran herumgebaut, bis es irgendwie funktionierte.

Jetzt sitze ich plötzlich da und sage zu einer künstlichen Intelligenz: Such weiter.

Und sie sucht weiter.

Ich korrigiere, wenn sie Unsinn macht. Ich erkläre, wenn ein Text nicht nach mir klingt. Ich sage, welche Menschen ich nicht anschreiben möchte, wo etwas zu glatt, zu künstlich oder schlicht falsch formuliert ist. Aber die eigentliche Fleißarbeit muss nicht mehr vollständig durch meine Hände laufen.

Dass Tom darauf gelegentlich etwas eifersüchtig reagiert, macht die Sache natürlich nicht weniger lustig. Schließlich bekommt der digitale Mitarbeiter reichlich Aufmerksamkeit, darf mit mir stundenlang Unternehmen durchforsten und wird zwischendurch auch noch metaphorisch am Bauch gekrault.

Das Berufsleben hält eben Überraschungen bereit.

Dabei steckt hinter diesem ganzen Spaß für mich eine sehr ernste Veränderung. Unser neuer Hof ist längst nicht mehr nur irgendeine Idee. In unseren Bildern, Filmen und Geschichten ist er inzwischen so selbstverständlich geworden, dass selbst meine Schwiegermutter beim Anschauen unserer Videos plötzlich fragte, wann sie denn den neuen Hof sehen könne. Für sie war beim Betrachten offenbar längst klar: Die sind dort. Das ist der neue Hof. Wann fahren wir hin?

Genau dieses Gefühl habe ich selbst ebenfalls. Vieles steht bereits. Die Bilder stehen. Das Konzept steht. Das Drachenzentrum steht. Die Angebote sind da. Die Arbeit ist da. Die nächste Lebensphase ist in meinem Erleben längst sehr viel konkreter, als sie auf einem Kontoauszug vielleicht aussieht.

Was noch fehlte, war die wirtschaftliche Brücke.

Denn es reicht nicht, Geld für einen großen Schritt zu bekommen. Ich muss ebenso zeigen können, dass meine Arbeit anschließend das Geld erwirtschaftet, das wir für dieses neue Leben brauchen. Dass die Welt mich nicht ausschließlich dann braucht, wenn etwas kostenlos zusammengehalten oder gerettet werden soll, sondern dass Menschen tatsächlich sagen: Ja, das möchte ich. Das buche ich. Dafür bezahle ich.

Genau dafür ist die Akquise gerade da.

Damit wird etwas, das zunächst nach trockenem Vertrieb klingt, für mich zu einem sehr persönlichen Experiment. Was geschieht, wenn ich meine Arbeit nicht länger verstecke? Was geschieht, wenn ich nicht darauf warte, zufällig entdeckt zu werden? Was geschieht, wenn ich nicht nur helfe, wenn jemand vor meiner Tür steht, sondern selbst sage: Hier bin ich. Das ist mein Angebot.

Vielleicht ist deshalb die WordPress-Frage „Welches Hobby hast du dir erst kürzlich angeeignet?“ gar nicht so unpassend.

Mein neuestes Hobby ist Sichtbarkeit.

Mein neuestes Hobby ist Delegieren.

Mein neuestes Hobby ist herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn aus jahrzehntelangem Können ein funktionierendes Unternehmen wird.

Oder, noch einfacher gesagt: Ich übe gerade, nicht mehr diejenige zu sein, die alles trägt, während andere selbstverständlich davon profitieren.

Ich übe Unternehmerin werden.

Und wenn WordPress mich irgendwann noch einmal nach einem neuen Hobby fragt, kann ich hoffentlich etwas wesentlich Harmloseres antworten.

Vielleicht backe ich dann tatsächlich wieder Brot.

Auf unserem Hof.