Zwei schwarze Hengste bewegen sich aufmerksam und kraftvoll gemeinsam auf einer grünen Wiese vor Bäumen unter blauem Himmel.

Leben mit meinen Hengsten

Viele Menschen haben Angst vor Hengsten.
Sobald irgendwo „Hengst“ steht, entstehen sofort Bilder von Gefahr, Aggression, Dominanz oder Kontrollverlust. Dann kommen die üblichen Aussagen:
„Hengste sind schwierig.“
„Die müssen alleine stehen.“
„Die sind gefährlich.“
„Da muss man aufpassen.“

Dabei liegt das Problem oft gar nicht beim Hengst selbst, sondern in dem Bild, das Menschen über Jahrzehnte über Hengste aufgebaut haben.

Viele Tiere reagieren nicht auf „Frauen“, „Männer“ oder irgendwelche alten Stammtischgeschichten, sondern auf Klarheit, Verhalten, Energie und Beziehung.

Und trotzdem halten sich bis heute absurde Vorstellungen. Zum Beispiel dieses Gerede, ein Hengst würde eine Frau während ihrer Periode mit einer rossigen Stute verwechseln.
Ganz ehrlich: Wenn die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd klar ist, passiert so etwas nicht.

Ein Hengst weiß sehr genau, mit wem er es zu tun hat.
Er unterscheidet zwischen Mensch, Pferd, Jungtier, Herdenmitglied oder Stute.

Wer wirklich mit Hengsten lebt und arbeitet, merkt schnell, dass diese Tiere oft viel feiner und sensibler sind, als viele glauben.

Die eigentlichen Probleme entstehen häufig dort, wo Druck, Dominanz, Unsicherheit oder Grenzüberschreitungen ins Spiel kommen.
Ein Tier dauerhaft wegzusperren, nur weil es Hengst ist, macht aus ihm nicht automatisch ein ausgeglichenes Pferd.

Viele Menschen respektieren die Grenzen von Pferden überhaupt nicht mehr. Sie gehen einfach hin, fassen an, bedrängen, kuscheln ungefragt oder überschreiten den Raum des Tieres, ohne überhaupt wahrzunehmen, was sie da gerade tun.

Thor zum Beispiel reagierte schon als Jährling sehr deutlich auf eine Frau, die einfach ungefragt an ihn heranging und meinte, ihn anfassen und bekuscheln zu müssen.
Da musste ich sofort eingreifen.

Nicht, weil Thor „böse“ gewesen wäre, sondern weil er klar kommuniziert hat, dass da gerade jemand seine Grenze überschreitet.

Und genau das ist ein wichtiger Unterschied:
Viele Menschen erwarten heute, dass Pferde alles aushalten müssen, egal wie respektlos oder unsensibel sich ein Mensch verhält. Wenn das Pferd dann deutlich reagiert, heißt es sofort wieder: „Typisch Hengst.“

Dabei hätte man vielleicht einfach vorher fragen, beobachten oder Abstand respektieren müssen.

Bei uns leben die Pferde sozial.
Die Jungen lernen von den Älteren. Ein erfahrener Hengst übernimmt Verantwortung, setzt Grenzen, korrigiert fair und gibt Sicherheit. Die Herde arbeitet miteinander, nicht gegeneinander.

Und genau dadurch entstehen oft unglaublich ruhige, klare und verlässliche Pferde.

Tatsächlich erlebt man oft eher das Gegenteil von dem, was ständig behauptet wird:
Manche Stuten sind deutlich zickiger, dominanter oder klarer in ihrer Kommunikation als ein Hengst, der in einer stabilen Partnerschaft und in einer funktionierenden Herde lebt.

Ein Hengst braucht keine Härte.
Er braucht ehrliche Führung, Ruhe, Klarheit und echtes Verständnis für Pferdeverhalten.

Denn ein Hengst ist kein Monster.
Er ist einfach ein Pferd, mit Kraft, Persönlichkeit, sozialem Verhalten und feinen Antennen für sein Gegenüber.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke von Hengsten:
Sie machen sichtbar, was Menschen oft verstecken.

Übertriebene Dominanz, unterschwellige Machtspiele, Grenzüberschreitungen oder manipulative Kontrolle werden von ihnen häufig viel schneller und ehrlicher gespiegelt als von Menschen. Dinge, die zwischen Menschen oft überspielt, höflich verdeckt oder psychologisch verpackt werden, beantworten Pferde unmittelbar.

Und genau deshalb würden manche Menschen mit ihrem Verhalten bei unseren Jungs sehr schnell anecken. Nicht weil die Pferde „böse“ oder gefährlich wären, sondern weil sie unauthentisches Verhalten, Druck und übergriffige Dominanz oft sofort sichtbar machen.

Pferd in enger Interaktion mit einem Menschen, während eine Hand dauerhaft am Kopf gehalten wird – Beispiel für unachtsamen Umgang und fehlende Wahrnehmung von Grenzen.

meine zartbeseidete Hengstherde und ihre Vision

Was mich wirklich wütend macht, ist nicht das Pferd, sondern die Unachtsamkeit der Menschen.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen auf das Gelände kommen und sich verhalten, als hätten sie jedes Recht, einfach an meine Tiere zu gehen – ungefragt, ungebremst, ohne Gefühl dafür, was sie da eigentlich tun. Da wird am Kopf herumgefummelt, an der Zunge gespielt, im Gesicht herumgetatscht, ständig Hände am Pferd, als wäre das selbstverständlich. Gleichzeitig halten sie sich für erfahren, für „gut mit Tieren“.

Ich würde niemals in das Wohnzimmer eines anderen Menschen gehen und ungefragt dessen Partner ins Gesicht fassen, ihn festhalten oder ihm auf den Schoß klettern. Das ist eine Frage von Anstand. Aber genau das passiert hier – nur eben mit Pferden. Und das wird als normal angesehen.

Für mich ist es das nicht. Für mich ist das ein massives Übergehen von Grenzen. Und genau daran sieht man, wie wenig Bewusstsein im Umgang mit Tieren tatsächlich vorhanden ist.

Die Pferde reagieren darauf. Die einen ziehen sich zurück, die anderen machen dicht, manche spielen mit und werden dabei immer weiter von sich selbst entfernt. Und genau aus solchen Situationen entstehen die „Problempferde“, die später irgendwo wieder auftauchen.

Wenn diese Pferde zu mir kommen, bringen sie genau das mit. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil ihnen vorher niemand gezeigt hat, wie echter Umgang aussieht. In meinem Leben waren es vielleicht ein Drittel der Fohlen, die wirklich klar und frei aufgewachsen sind. Die anderen zwei Drittel tragen genau solche Erfahrungen in sich – Fehlprägungen, Unfälle, unklarer Umgang, zu viel Druck oder zu wenig Wahrnehmung.

Diese Pferde sind keine „schwierigen Pferde“. Sie sind fein. So fein, dass sie auf das reagieren, was Menschen oft gar nicht wahrnehmen – auf Spannung, auf Gedanken, auf Unklarheit. Und genau deshalb können sie nicht einfach benutzt werden.

Wenn sie zu mir kommen, sind sie zuerst eines: ein Therapiefall. Nicht, weil sie kaputt sind, sondern weil sie etwas tragen, das erst wieder in Ordnung kommen muss. Ich arbeite nicht an der Oberfläche, sondern an dem, was darunter liegt – an Wahrnehmung, an kleinsten Signalen, an dem, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Wenn ein Pferd diesen Weg gegangen ist, verändert sich etwas Grundlegendes. Es wird klar, es wird ruhig, es ist wieder bei sich. Und dann passiert etwas, das man nicht erzwingen kann: Diese Pferde beginnen, das Gelernte weiterzugeben. In der Herde, an neue Pferde, an nachkommende Fohlen. Und auch an Gäste die kommen und hinhöhren, an die Kinder, die sie noch sehen, nicht an die Erwachsenen, die sie übergehen.

Meine gesamte Herde basiert auf diesem Miteinander. Nicht ich allein forme sie, sie formen sich gegenseitig weiter. Sie zeigen sich einen anderen Umgang, eine andere Klarheit, eine andere Form von Beziehung. Das, was sie bei uns lernen, wird Teil der Herde und trägt sich von selbst weiter.

Gerade weil diese Pferde so fein sind, kann man Menschen nicht ungefiltert an sie heranlassen. Und genau hier braucht es Vorbereitung – nicht für die Pferde, sondern für die Menschen. Technische Unterstützung kann dabei helfen, Wahrnehmung zu schulen, Reaktionen sichtbar zu machen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was im Kontakt wirklich passiert, bevor jemand überhaupt in die Nähe dieser Pferde kommt.

Damit diese Arbeit möglich ist, entsteht gerade der passende Rahmen – ein Ort, an dem Pferde diesen Weg gehen können und an dem Menschen lernen, ihnen wirklich zu begegnen. Dafür braucht es Fläche, Struktur und Aufbau. Und Finanzelle Förderer, Menschen die den Sinn dain verstehen und unterstütze wollen. Durch konkrete Möglichkeiten, über Aufträge für Begleitung über Unterstützung im Aufbau für den Verein, für Material und für die Entwicklung dieses Ortes, oder auch über Verbindungen, Kontakte, die genau an der richtigen Stelle etwas in Bewegung bringen.

Das hier ist nichts Theoretisches. Und genau deshalb braucht es den Raum, in dem es vollständig aufgebaut werden kann. Und du kannst ein Teil davon sein .

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