Wenn man von außen auf mein Leben schaut, könnte man meinen, es wäre gerade vor allem von Unsicherheit geprägt. Viele Fragen sind offen. Vieles ist noch nicht entschieden. Und manches wirkt chaotisch.
Und trotzdem stand ich in den letzten Tagen unter einem Kirschbaum und habe Kirschen gegessen, bis ich satt war.
Nicht ein paar einzelne Früchte.
Sondern so viele, dass ich sie kaum zählen konnte.
Da wurde mir etwas bewusst.
Vor Jahren habe ich mir genau das gewünscht.
Einen eigenen Obstbaum.
Früchte direkt vom Baum.
Nicht gekauft.
Nicht aus dem Supermarkt.
Nicht aus fremden Gärten.
Sondern Früchte, die auf einem Stück Land wachsen, das zu meinem Leben gehört.
Durch die gepachtete Fläche ist genau das Wirklichkeit geworden.
Ich durfte von meinen eigenen Kirschen essen.
Und plötzlich wurde mir klar, dass dieser Wunsch längst in Erfüllung gegangen ist.
Natürlich weiß ich noch nicht, wohin der nächste Schritt führt. Ich weiß noch nicht, welche Bäume, welche Wiesen oder welche Früchte mich am nächsten Ort erwarten.
Aber für diesen Moment war alles da.
Die roten Früchte hingen in Hülle und Fülle am Baum.
Und wer sich mit Symbolen beschäftigt, weiß: Rot steht für Wurzeln, für Versorgung, für Erdung, für die Kraft des Lebens und für materielle Fülle.
Vielleicht besteht Fülle nicht immer darin, dass alles sofort perfekt gelöst ist.
Vielleicht zeigt sie sich manchmal einfach dadurch, dass man unter einem Kirschbaum steht und erkennt:
Der Wunsch, den man einst ausgesendet hat, steht bereits vor einem.
Manchmal sind die Zeichen der Fülle viel näher, als wir denken.
Und manchmal erinnern uns ein paar Handvoll Kirschen daran, dass längst nicht alles fehlt.
Manches ist bereits da.
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