Eine Frau läuft mit einem Tinkerhengst, einem Jungtier und einem Lama auf einem schmalen Grasweg durchs Gelände. Die Tiere wirken aufmerksam und sensibel. Im Hintergrund ländliche Umgebung. Die Szene vermittelt Ruhe, Wachsamkeit und verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren trotz stressiger Situationen im Außen.

Gelassenheitstraining sieht manchmal anders aus, als Menschen denken.

Heute wieder unterwegs mit den Pferden, einem Jungtier und einem Lama.
Schmaler Grasweg, Rücksicht auf die Wiesen der Bauern, ruhiges Vorwärtsgehen wie seit Jahren.

Und dann wieder dasselbe Fahrzeug.

Dichtes Auffahren.
Drängeln.
Aggressive Energie von hinten.
Laute Töne, Motoren aufheulen lassen ….
Pöbeln.

Ich habe noch gesagt, dass ein Jungtier dabei ist.
Dass man das Drängeln vielleicht einfach lassen könnte.

Die Antwort war:
„Das ist mir egal.“

Und genau da merkt man den Unterschied zwischen jemandem, der Tiere wirklich wahrnimmt ,
und jemandem, der nur seinen eigenen Druck spürt.

Man muss sich das einmal aus Sicht der Tiere vorstellen.

Ein sensibler Tinkerhengst mit seinem Baby dabei.
Ein Lama, das Menschen sowieso sehr vorsichtig betrachtet.
Eine kleine Gruppe, die ruhig durchs Gelände geht.

Und hinter ihnen ein kleines, hektisches Fahrzeug, das drängt, aggressiv wirkt und keinerlei Gefühl dafür hat, was es in einer Tiergruppe auslöst.

Das Interessante daran:
Ein riesiger Traktor oder ein schwerer LKW macht unseren Tieren oft deutlich weniger Stress.

Aber auch nur dann, wenn der Fahrer Rücksicht nimmt.

Wenn jemand anhält.
Den Motor ruhiger macht.
Langsam vorbeifährt.
Wartet.
Mitdenkt.

Dann können Tiere das einordnen.

Es liegt nicht an der Größe der Maschine.
Es liegt an der Energie und am Verhalten des Menschen darin.

Wir haben auch Landwirte erlebt, die genauso drängeln, laut werden und keinerlei Gefühl dafür haben, was sie damit in einer Tiergruppe auslösen.

Und genau das spüren die Tiere sofort.

Dieses kleine, nervöse, aggressive Fahrzeug dagegen wirkt auf viele Tiere fast räuberisch.
Unruhig.
Unklar.
Druckvoll.

Selbst später noch, wenn das Fahrzeug irgendwo steht, bleiben die Tiere aufmerksam und angespannt, weil sie nicht wissen, ob wieder Druck kommt.

Und genau DAS ist echtes Gelassenheitstraining.

Nicht Tiere stumpf zu machen.
Nicht sie in Situationen zu zwingen.
Nicht „die müssen das abkönnen“.

Sondern gemeinsam durch Spannung hindurchzugehen und danach wieder in Ruhe zurückzufinden.

Deshalb bin ich heute viel gelaufen.
Nicht aus Angst.
Sondern um die Energie wieder herunterzunehmen.
Den Rhythmus wieder ruhig zu machen.
Den Tieren zu zeigen:
Die Gruppe bleibt stabil.

Und genau das ist das Entscheidende:
Keiner ist explodiert.
Keiner ist gerannt.
Niemand wurde verletzt.
Die Tiere sind daran gewachsen.

Aber fein war es trotzdem nicht.

Interessant ist auch:
Vier Jahre lang hatten wir dort nie solche Probleme.
Und plötzlich häuft sich genau dieses aggressive Verhalten.

Vielleicht Zufall.
Vielleicht Ausdruck eines Feldes, das Druck macht.
Vielleicht einfach Menschen, die verlernt haben, wie viel Verantwortung man trägt, wenn man sich zwischen Tiere bewegt.

Und da fragt man sich manchmal, warum sich Reiter und Jäger oder Reiter und Landwirte so oft nicht verstehen.

Wobei es letzten Endes nicht am Beruf liegt.
Nicht am Jäger.
Nicht am Landwirt.
Sondern am Menschen selbst.

Daran, wie jemand sein Fahrzeug bewegt.
Wie viel Gefühl jemand noch für Tiere hat.
Ob jemand sieht, dass dort Lebewesen unterwegs sind — oder nur ein Hindernis.

Wenn wir an der Bundesstraße laufen, ist es übrigens oft gar nicht viel anders.
Wobei die Menschen dort in letzter Zeit teilweise sogar rücksichtsvoller geworden sind.
Viele fahren langsamer, sobald sie sehen, dass ein Jungtier dabei ist.

Aber eben nicht alle.

Manche fahren trotzdem mit Vollgas vorbei, vollkommen egal, ob dort ein Jungtier, ein Lama oder sensible Pferde unterwegs sind.

Und dann wundern sich Menschen manchmal, warum ich im Gelände oder an Straßen Kinder vorsorglich vom Pferd nehme, bis die Situation wieder ruhig und sicher ist.

Nicht aus Panik.
Nicht aus Unsicherheit.
Sondern aus Verantwortung.

Und trotzdem trainiere ich unsere Tiere genau darin:
Mit solchen Situationen umzugehen.
Ruhe zu bewahren.
Sich am Menschen zu orientieren.
Nicht sofort in Angst oder Flucht zu kippen.

Denn echte Gelassenheit bedeutet nicht, dass nie Druck auftaucht.

Sondern dass man lernt, trotz Druck stabil zu bleiben.

Unsere Tiere jedenfalls zeigen sehr deutlich:
Nicht Lautstärke macht Angst.
Nicht Größe.
Sondern Aggression.

Und das spüren Tiere oft schneller als Menschen.

Pferd und Lama gemeinsam unterwegs auf Feld- und Waldwegen, teils vom Sattel aus fotografiert, Lama läuft neben oder um das Pferd herum.

Warum muss ein Lama am Pferd mitgehen?

Gar nicht.
Genauso wenig, wie es eine Kutsche ziehen muss.

Aber es kann.
Und manchmal ist es das beste Gelassenheitstraining, was es gibt – für das Pferd, für den Menschen und auch für das Lama.

Ein Lama läuft gerne.
Es ist neugierig und möchte etwas erleben.
Es will nicht einfach nur rumstehen.

Heute musste der Eif nach einer Runde laufen.
Und ich hatte meiner Lilly versprochen, dass ich mit ihr eine Runde gehe.

Da der Alf nicht so schnell läuft, habe ich mir gedacht, ich nehme die Lilly einfach mit ihm mit.

Lilly kannte das schon.
Die ist schon mit Haroon gelaufen.

Für Alf war es das erste Mal.

Ich bin dabei nicht einfach nur gelaufen.
Ich habe mich auf ihn draufgesetzt und Lilly ist um ihn herumgelaufen.

Das war für ihn das größte Drama an der ganzen Geschichte.

Ich habe aber nicht einfach gemacht.
Ich habe auf die Stimmen der Tiere gehört und auf meinen Bauch.
Und sind wir vorsichtig die Runde gegangen.

So sehr wie er sich gefürchtet hat, ist er nicht schneller geworden – sondern langsamer.
Als würde er rohe Eier balancieren.

Die junge Dame neben ihm war ihm nicht wirklich geheuer.
Aber er hat das richtig gut gemacht.

Unterwegs war alles dabei:
Menschen, die drängeln mussten.
Hunde, die ihre Themen hatten.
Und auch Menschen, die freundlich waren und sogar ihre Maschinen ausgemacht haben.

Es sind nicht alle unfreundlich.

Und mittendrin der Alf.

Er ist nicht bei uns aufgewachsen.
Er kennt dieses ganze „Theater“ nicht von klein auf.
Er kam erwachsen zu uns, war nicht geritten.

Und in zwei Jahren hat er gelernt,
dass er mich tragen kann,
dass er Ziegen hüten kann,
dass er seinen Sohn durch den Wald bringen kann
und heute auch noch, dass er ein Lama mit durch den Wald führen kann.

Ich finde, das ist eine bemerkenswerte Leistung für so einen zart beseideten Thinkerhengst.

Und wir sind alle gut und zufrieden wieder zu Hause angekommen.