Collage aus mehreren Fotos einer Obstbaumwiese. Zu sehen sind hohe Grasflächen, Handarbeit bei der Heuernte mit Rechen und kleinem Traktor, eine gemähte Hangwiese, Schmetterlinge auf Flockenblumen sowie Jakobskreuzkraut zwischen den Gräsern. Die Bilder zeigen die Arbeit der Futtergewinnung, die Pflege der Wiesen und den Erhalt der Artenvielfalt.

Wiese ,mehr als nur Gras

Wenn wir über unsere Wiesen gehen, sehen wir nicht einfach nur Gras.

Wir sehen Futter für unsere Tiere.
Wir sehen den Wintervorrat.
Wir sehen viele Stunden Arbeit.
Wir sehen Verantwortung.

Zum ersten Mal in unserem Leben haben wir inzwischen mehrere Flächen offiziell unter Pachtvertrag. Damit ist endlich auch schriftlich sichtbar, was wir seit Jahren tun: Wir bewirtschaften viele Hektar Land, gewinnen unser Futter selbst und kümmern uns um Flächen, die sonst oft niemanden interessieren.

Doch genau diese Arbeit wird oft nicht gesehen.

Dort, wo wir mähen möchten, wird durch Futterflächen gefahren. Für andere mag das nur eine Spur im Gras sein. Für uns bedeutet es zusätzliche Arbeit auf jedem Meter, den wir später mit Sense, Rechen oder kleinen Maschinen bearbeiten müssen.

Gleichzeitig wird sich darüber lustig gemacht, dass wir vieles von Hand machen.

Doch genau deshalb kennen wir unsere Flächen.

Wir laufen sie ab.
Wir sehen Schäden.
Wir sehen Problemstellen.
Wir sehen Pflanzen, die nicht ins Futter gehören.

Während andere nur eine Wiese sehen, sehen wir das Jakobskreuzkraut zwischen den Halmen stehen.

Wir entfernen es von Hand.

Nicht, weil wir Langeweile haben.
Nicht, weil wir alles besser wissen wollen.

Sondern weil wir die Verantwortung für die Tiere tragen, die dieses Futter später fressen.

Einmal wurde uns sogar gesagt:

„Was der liebe Gott gepflanzt hat, kann doch nicht gefährlich sein.“

Doch Verantwortung bedeutet, genauer hinzusehen.

Denn wer sein Futter selbst macht, weiß, dass nicht alles, was wächst, automatisch ins Heu gehört.

Deshalb lieben wir die alten Obstbaumwiesen.

Dort wird oft weniger intensiv gewirtschaftet.
Dort können wir die Flächen wirklich kennenlernen.
Dort sehen wir, was wächst.
Dort können wir die Qualität unseres Futters selbst im Blick behalten.

Und dort sehen wir auch die andere Seite.

Zwischen den Gräsern blühen Flockenblumen.
Schmetterlinge sitzen auf den Blüten.
Insekten summen durch die Wiesen.

Wir möchten keine sterile Landschaft.

Wir möchten lebendige Wiesen.

Wiesen, die Futter für unsere Tiere liefern und gleichzeitig Lebensraum für Schmetterlinge, Wildbienen und viele andere Tiere bleiben.

Vielleicht schmerzt uns deshalb manches so sehr.

Weil wir nicht gegen die Landschaft arbeiten.

Wir arbeiten mit ihr.

Was wir erleben, ist dabei kein Einzelfall.

An nahezu jedem Standort gab es Menschen mit mehr Einfluss, mehr Land oder mehr Möglichkeiten, die meinten, dass für uns kein Platz sein soll.

Nicht weil wir anderen etwas weggenommen hätten.

Nicht weil wir nicht gearbeitet hätten.

Sondern weil manche Menschen den Hals nicht vollbekommen, alles für sich beanspruchen möchten und keinen Platz für andere Lebensentwürfe sehen.

Immer wieder entstand Druck.
Immer wieder sollten wir verschwinden.
Immer wieder standen Drohungen im Raum, wenn wir nicht freiwillig gehen.

Dabei wäre ein respektvolles Miteinander längst möglich.

Wir wollen niemandem etwas wegnehmen.

Wir möchten einfach unsere Tiere versorgen, unsere Flächen pflegen und unserer Arbeit nachgehen.

Deshalb hoffen wir, dass der nächste Ort nicht nur ein weiterer Standort wird.

Sondern endlich ein Zuhause.

Ein Ort, an den wir mit allen unseren Tieren gemeinsam ziehen dürfen.

Ein Ort, an dem wir nicht wieder auseinandergerissen werden.

Ein Ort mit ausreichend Wiesen und Futterflächen.

Ein Ort, an dem wir unsere Arbeit langfristig aufbauen können.

Ein Ort, an dem wir die Flächen pflegen dürfen, ohne ständig darum kämpfen zu müssen.

Und ja – nach all den Jahren wünschen wir uns auch Flächen, die wir in Ruhe bewirtschaften können.

Flächen, auf denen nicht ständig jemand mitten durch das Futter fährt.

Flächen, auf denen unsere Arbeit respektiert wird.

Flächen mit klaren Grenzen, damit wir das, was wir aufbauen, auch schützen können.

Wir haben diese Diskussionen oft genug geführt.

Wir haben oft genug erlebt, wie unsere Arbeit erschwert wurde.

Wir haben oft genug von vorne angefangen.

Es reicht.

Wir möchten nicht mehr verdrängt werden.

Wir möchten nicht mehr ständig um unseren Platz kämpfen müssen.

Wir möchten mit unseren Tieren ankommen.

Und wir möchten dort bleiben dürfen.

Nicht für ein paar Monate.
Nicht für ein paar Jahre.

Sondern so lange, dass etwas wachsen kann.

Ein Zuhause.
Ein Projekt.
Eine Gemeinschaft.
Ein Stück Zukunft.

Denn wir möchten nicht unser Leben damit verbringen, immer wieder neu anfangen zu müssen.

Wir möchten Wurzeln schlagen.

Wir möchten gestalten.

Wir möchten unsere Tiere versorgen, die Landschaft pflegen und etwas erschaffen, das bleiben darf.

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