Wenn du mit einer fiktiven Figur zu Abend essen könntest – wer wäre das?
Social-Media-Trends Fragen, die auf den first Blick ganz leicht wirken: „Mit welcher fiktiven oder berühmten Person würdest du gerne zu Abend essen, wenn alles möglich wäre?“
Normalerweise erwartet man an dieser Stelle Namen aus Büchern, Filmen oder der Weltgeschichte. Doch wenn ich ganz ehrlich bin und tief in mich hineinhöre, taucht da keine Kunstfigur auf.
Wenn ich die freie Wahl hätte, würde ich diesen Abend mit meinem Vater verbringen.
Ein Gespräch 30 Jahre später
Ich war noch sehr jung, als mein Vater krank wurde und schließlich sein Leben beendete. Als Kind erlebt man solche Tragödien aus einer ganz eigenen, schutzlosen Perspektive – oft gefangen im Spannungsfeld der Erwachsenen und beeinflusst von Dynamiken, die man damals weder verstehen noch steuern konnte.
Heute, mehr als 30 Jahre später, ist mein innerer Prozess dazu abgeschlossen. Die Hausaufgaben der Vergangenheit sind gemacht, die Verletzungen aufgearbeitet. Und dennoch bleibt ein Wunsch, der nichts mit unerledigten Konflikten zu tun hat, sondern mit dem Leben hier und heute:
Ich würde gerne an einem Tisch mit ihm sitzen – als die erwachsene, gestandene Frau, die ich geworden bin.
Was wirklich zählt: Das Entdecken des heutigen Ichs
Es ginge bei diesem Abendessen nicht darum, alte Wunden wieder aufzureißen oder Schuldfragen zu wälzen. Es ginge um das Gesehen-Werden auf Augenhöhe:
Der Blick von heute: Wie würde er mich mit den Augen des Mannes sehen, der die damaligen Verstrickungen hinter sich gelassen hat?
Die gereifte Persönlichkeit: Wer bin ich geworden, unabhängig von den Schatten und der Hetze der damaligen Zeit? Ich würde ihm gerne erzählen, dass genau diese eigenen Prägungen der Grund dafür sind, warum ich heute als Bindungstrainerin und Beraterin Menschen dabei helfe, ihre eigenen Beziehungen und Bindungen zu heilen.
Ein friedlicher Abschluss: Ein gemeinsames Essen als symbolischer Punkt hinter einer langen Reise.
Fazit: Die wertvollsten Begegnungen finden im Herzen statt
Manchmal zeigt uns eine vermeintlich einfache Frage sehr präzise, wo wir im Leben stehen. Meine Antwort zeigt mir, dass der Blick zurück nicht mehr schmerzt, sondern von einem tiefen Frieden getragen ist – und von dem gesunden Wunsch nach echter Anerkennung.
Auch wenn dieses Abendessen in der physischen Welt nicht mehr stattfinden kann: Im Geiste haben wir diesen Tisch längst gedeckt.

