Frau reitet ein Pferd auf einem Waldweg, neben ihr läuft ein Lama an lockerer Leine durch grünes Unterholz

Wenn eine Herde gemeinsam entscheidet

Es waren einfach zwei Trainingstage.
Drei große Runden, drei große Pferde, und jedes Mal jemand dabei, der noch nicht ganz so routiniert ist.

Meilyn läuft als Lama schon lange mit.
Sie kennt das. Sie trägt das ruhig mit.
Halfa übt noch.
Und Kahn hätte gern schneller gewollt als Alf.

Wenn es nach den Lamas geht, würden die Pferde nicht nur Schritt gehen.
Aber es geht nicht darum, wer sich durchsetzt.
Es geht darum, dass es für alle zusammen passt.

Das ist kein einer führt und die anderen folgen.
Das ist Abstimmung.

Heute waren wir zusätzlich noch mit Thor draußen.
Straßentraining, ruhig, angepasst an die Wärme.

Ein bisschen traben, aber nur da, wo er es auch wirklich wollte.
Kein Ziehen, kein Drücken.

Er ist gerade an einem Punkt, wo er draußen nicht alles gerne läuft.
Und dann wird nicht diskutiert, sondern geschaut.

Ich steige ab, wenn es für ihn keinen Sinn macht.
Nicht, weil er damit irgendwas „gewinnt“.
Sondern weil ich sehe, was er gerade leisten kann und was nicht.

Das, was viele nicht verstehen:

Meine Pferde achten auf mich.
Alle.

Nicht, weil sie müssen.
Sondern weil sie wissen, was wir miteinander haben.

Wenn mir etwas passiert, bricht für sie ihr ganzes System weg.
Zuhause, Struktur, Training, Aufgabe.

Und genauso weiß ich, was passiert, wenn man sie falsch behandelt.
Einmal durchgezogen, einmal falsch geritten und das Pferd ist kaputt.
Nicht körperlich, sondern im Wesen.

Das ist kein Risiko, das ich eingehe.

Deshalb ist es ein Geben und Nehmen.

Ich höre hin.
Ich gehe auf sie ein.
Und sie achten auf mich.

Auch die Lamas.
Nur auf ihre Weise.

Heute Morgen sind wir früh raus, bevor die Hitze kam.
Gras gemäht mit der Sense und direkt verteilt.

Versorgung zuerst, dann Bewegung.

Und ja, wenn ein Pferd raus will, dann bekommt es auch die Bedingungen, die es dafür braucht.
Sonst läuft es nicht.

Nicht aus Trotz.
Sondern weil es für uns keinen Sinn ergibt.

Was wir hier machen, ist keine Methode.

Ich übersetze keine Tiere und ich stelle keine Befunde.

Ich zeige Menschen, worauf sie achten müssen.
Wie Tiere kommunizieren.
Was sie die ganze Zeit sagen, ohne Worte.

Und wie man beginnt, das überhaupt zu sehen.

Gestern im Wald, Dusty und Meilyn.
Fahrräder vorne, Fahrräder hinten.

Ein kurzer Moment, eine Ansage.

Dusty nimmt Meilyn mit ins Gebüsch.
Einfach so.
Ohne Diskussion.

Die Menschen fahren vorbei, schauen, lächeln.
Die Tiere bleiben ruhig.

Und alles ist gut.

Das ist das, was hier entsteht.

Kein klassisches Training.
Sondern ein System, das funktioniert.

Ein Team, das miteinander denkt.

Frau mit weißen Haarpartien lehnt den Kopf an zwei junge, schlanke Pferde mit langen Mähnen; warmes Sonnenlicht fällt von hinten und verbindet Mensch und Tier in ruhiger Nähe.

Tiergestützte Arbeit & Herdenraum

„Austausch – Arbeitsvorbereitung“

Es wurde sich über mangelnden Austausch beschwert. Von daher möchte ich mal etwas von uns hergeben 🫣

Ich hatte eigentlich gewartet mit einer Vorstellung, bis ich den Hof meiner Träume bekommen und eingerichtet habe, um dann von meiner Arbeit zu erzählen.
Aufgrund dieses Beitrags mache ich das jetzt vorgezogen.

Ich lebe und arbeite seit über fünfzig Jahren mit Tieren – in Aufzucht, Haltung und Training.
Seit 2010 bin ich nicht nur angewandte Westernreiterin und Familienberaterin, sondern auch Reittherapeutin.

Ich arbeite nicht mit einzelnen Pferden, sondern mit einer Herde.

Eine Herde ist kein Bestand – sie ist ein lebendiges System.
Mit Beziehungen, Aufgaben und Übergängen zwischen den Generationen.

Gleichzeitig befinden wir uns im Generationswechsel:
Die Tiere, die derzeit arbeiten, ziehen den Nachwuchs auf, damit sie später in Rente gehen können, wenn der Nachwuchs den Staffelstab übernommen hat.

Und jedes Tier bleibt Teil der Familie – bis zu seinem natürlichen Ende.
Deshalb brauchen wir keinen kleinen Hof.

Das bedeutet:
Wir arbeiten nicht auf Zeit.
Wir bauen nicht auf Austausch.
Wir leben Verbindung.

Mit der gesamten Herde sind wir aktuell auf der Suche nach einem Zuhause, das den Ansprüchen unserer Tiere gerecht wird und in dem wir sowohl von Behörden als auch von der Bevölkerung willkommen sind – was aktuell der Nadel im Heuhaufen entspricht.

Es geht nicht um „ein Pferd“, sondern um eine gewachsene Herde mit allem, was sie braucht, um ihrer Natur zu folgen, einen eigenen Job zu entwickeln und anbieten zu können, was sie in der Begegnung mit Besuchern machen möchte.

Was unsere Arbeit besonders macht, ist nicht das „Angebot“, sondern das, was die Tiere selbst mitbringen.

Jedes Tier entwickelt innerhalb der Herde seinen eigenen Ausdruck und seine eigene Art der Interaktion mit Menschen.
Nichts wird aufgesetzt. Nichts wird erzwungen.

Begegnung entsteht.

Allein das Beobachten dieser Herde – wie sie kommuniziert, interagiert, Grenzen setzt, trägt und reagiert – kann bereits ein ganzes Kurswochenende füllen.

Das ist ein System, das über fünfzig Jahre gewachsen ist und gelebt wird – und das seine eigene Hausordnung trägt, die respektiert werden muss.
Etwas, das dem heutigen gespaltenen und ständig modernisierten Tierverständnis oft fehlt.

Da mir der Schutz der Tiere sehr wichtig ist, entsteht aktuell die Idee eines digitalen Vorbereitungsraumes.
Ein Raum, in dem Menschen die Herde kennenlernen können, bevor sie ihr real begegnen.

Damit Begegnung nicht aus Neugier entsteht, sondern aus Verständnis und Respekt.

Diese Arbeit ist über Jahrzehnte gewachsen und folgt einer klaren inneren Ordnung.

Wer sich darauf einlässt, begegnet nicht nur Tieren, sondern einem lebendigen Gefüge, in dem Entwicklung, Spiegelung und echte Verbindung möglich werden.

Wer unterstützen möchte, kann das unteranderem hier tun:

https://www.startnext.com/der-naechste-schritt-fuer-unse

oder auch direktüber den Laden in der Mühlstraße 1 Zweibrücken ,

oder auch direkt über die Website :

https://www.drachenzentrum-ullrich.de/