Wenn ich die Nachwirkungen vom Muttertag so lese, erinnert mich das an meinen eigenen Weg.
An die vielen Beiträge von Müttern, die traurig sind, verletzt, enttäuscht oder voller Sehnsucht, weil ihre Kinder sich entfernt haben oder kaum noch Kontakt besteht.
Und ich glaube, viele Menschen ahnen gar nicht, wie tief dieser Schmerz gehen kann. Vor allem dann nicht, wenn man als Mutter irgendwann merkt, dass man keinen Einfluss mehr darauf hat, wie das eigene Kind über einen denkt oder was zwischen euch entstanden ist.
Und gleichzeitig sehe ich oft etwas anderes:
Dass viele nur noch darauf schauen, was die Kinder getan haben. Wie kalt sie geworden sind. Wie wenig sie sich melden. Wie wenig Verständnis sie zeigen.
Aber kaum jemand fragt sich ehrlich:
Was habe ich selbst nicht gesehen?
Wo habe ich selbst Dinge zugelassen?
Wo war ich zu streng?
Zu verletzt?
Zu kontrollierend?
Oder vielleicht so erschöpft, dass ich emotional gar nicht mehr richtig da sein konnte?
Denn solche Situationen entstehen selten nur aus einer Richtung.
Da wirken oft Generationen an Verletzungen ineinander.
Überforderung.
Unverarbeitete Traumata.
Abhängigkeiten.
Familienmuster.
Und manchmal auch Menschen im Umfeld, die über Jahre Bilder erschaffen, gegen die man irgendwann kaum noch ankommt.
Ich kenne diesen Weg nur zu gut.
Nicht aus Büchern.
Nicht aus irgendeiner Theorie.
Sondern aus meinem eigenen Leben.
Ich habe fünf Kinder, zu denen kaum nennenswerter Kontakt besteht.
Meine Kinder sind bei ihren Vätern groß geworden. Und ich konnte vieles nicht verhindern. Nicht, wie mit ihnen umgegangen wurde. Nicht, was über mich erzählt wurde. Nicht, wie andere Menschen mein Bild in ihren Köpfen geprägt haben.
Und irgendwann sitzt man da und bekommt sogar noch die Vorwürfe für Dinge, die man selbst kaum beeinflussen konnte.
Das zerreißt einen innerlich.
Vor allem als Mutter, weil Mütter oft automatisch die Schuld tragen sollen. Für alles.
Für jede Wunde.
Für jede Entwicklung.
Für jeden Schmerz der Kinder.
Und ja , natürlich haben auch Mütter Fehler gemacht. Ich ganz sicher auch.
Aber irgendwann musste ich verstehen, dass Selbstzerfleischung niemanden heilt.
Der einzige Weg, der mir wirklich geholfen hat, war Vergebung.
Nicht dieses oberflächliche „Jetzt vertragt euch wieder“ oder dieses erzwungene Sich-Entschuldigen, das man manchmal aus Familienberatungen kennt, obwohl der Schmerz eigentlich noch mitten im Raum steht.
Sondern echte Vergebung.
Mir selbst zu vergeben.
Für das, was ich nicht gesehen habe.
Für das, was ich zu lange ausgehalten habe.
Für meine Hilflosigkeit.
Für meine Erschöpfung.
Für Entscheidungen, die aus Angst oder Überforderung entstanden sind.
Und gleichzeitig auch zu erkennen:
Kinder haben ihren eigenen Lehrweg.
So schwer das für eine Mutter auszuhalten ist.
Kinder kommen nicht auf die Welt, um unser Leben zu erfüllen oder unsere Wunden zu heilen. Sie sind eigenständige Menschen. Mit eigenen Entscheidungen. Eigenen Erfahrungen. Eigenen Irrwegen.
Und manchmal gehen diese Wege weit weg von uns.
Das tut weh.
Teilweise unerträglich weh.
Natürlich sind Feiertage für mich schwer.
Natürlich tut Muttertag weh.
Natürlich tut der Gedanke weh, vielleicht die eigenen Enkelkinder nie wirklich kennenzulernen.
Diese Trauer verschwindet nicht einfach.
Aber ich habe irgendwann verstanden, dass ich aufpassen muss, daran nicht selbst kaputtzugehen.
Denn auch eine Mutter bleibt ein Mensch.
Nicht nur Mutter.
Nicht nur Wartende.
Nicht nur Schuldträgerin.
Ich musste lernen, mein eigenes Leben trotzdem weiterzuführen.
Weiterzuatmen.
Weiter kreativ zu sein.
Mich meinen Tieren zuzuwenden.
Meiner Arbeit.
Dem, was mir Sinn gibt.
Meine Tiere haben mich oft gehalten, wenn ich sonst in der Trauer versunken wäre. Früher haben sich meine Kinder in ihnen gespiegelt, als sie noch klein waren. Heute helfen sie mir, die Liebe nicht komplett zu verlieren.
Und vielleicht verstehe ich deshalb beide Seiten so gut.
Denn ich kenne nicht nur die Seite der Mutter, die ihre Kinder vermisst.
Ich kenne auch die andere Seite.
Meine eigene Mutter wollte mich über 30 Jahre nicht sehen.
Und ich habe unendlich lange darunter gelitten. Mich gefragt, was mit mir falsch ist. Warum ich nicht gereicht habe. Warum keine Brücke möglich war.
Bis ich irgendwann verstanden habe:
Auch daran darf man nicht zerbrechen.
Man darf trauern.
Aber man darf sein ganzes Leben nicht nur noch um diese Wunde kreisen lassen.
Genau daraus ist später auch meine Arbeit entstanden.
Mein Lehrweg begann nicht erst mit Fortbildungen.
Er begann von klein auf.
Mit dem Versuch zu verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln. Warum Beziehungen zerbrechen. Warum manche Verletzungen über Generationen weitergegeben werden. Und warum manche Menschen daran zerbrechen, während andere irgendwann beginnen, daraus Bewusstsein entstehen zu lassen.
Deshalb habe ich später die verschiedenen Fortbildungen gemacht.
Nicht, um mir eine Rolle aufzubauen.
Sondern weil ich die Zusammenhänge verstehen wollte. Für mich selbst. Für mein eigenes Leben. Für die Menschen, die mir begegnet sind.
Deshalb ist mein Arbeitsbuch entstanden.
Und deshalb arbeite ich heute an meinem Zeitzeugenbuch – über Wandlung, Bewusstsein, menschliche Brüche und darüber, wie sich Leben verändern kann, wenn man beginnt, sich selbst wirklich zu begegnen.
Irgendwann stand ich nicht mehr nur mitten im Schmerz, sondern auf der anderen Seite davon. Nicht „fertig geheilt“, sondern bewusster. Ruhiger. Klarer.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Bedeutung von Heilung:
Nicht, dass alles ungeschehen wird.
Sondern dass man nicht mehr daran untergeht.
Heute darf genau daraus meine Arbeit entstehen.
In meiner ganzheitlichen Lebensberatung begleite ich Menschen durch familiäre Konflikte, Verlust, Trauer, innere Umbrüche und Neuorientierung.
Nicht mit leeren Floskeln.
Nicht mit Druck.
Und nicht mit dem Anspruch, perfekte Menschen erschaffen zu müssen.
Sondern mit Gespräch, Wahrnehmung, Hypnose, inneren Bildern, Gestaltungsarbeit und bewusster Begleitung.
Denn manchmal braucht ein Mensch keine schnellen Lösungen.
Sondern einfach einen Raum, in dem er ehrlich fühlen darf, ohne dafür verurteilt zu werden.
Loslassen bedeutet nicht, dass keine Liebe mehr da ist.
Es bedeutet manchmal nur, dass man akzeptieren muss, dass andere Menschen ihren eigenen Weg gehen – auch wenn das eigene Herz sie gerne festhalten würde.
Und vielleicht ist genau das die schwerste Form von Liebe:
Nicht zu klammern.
Nicht bitter zu werden.
Sondern trotz allem offen zu bleiben.
Trauer darf da sein.
Aber das Leben darf trotzdem weitergehen.
🌿 Ganzheitliche Lebensberatung & bewusste Begleitung
🌿 Online oder vor Ort möglich
🌿 Termine nach Vereinbarung
Weitere Informationen:
Drachenzentrum Ullrich – Lebensberatung & Bewusstseinsarbeit
