Pferd in enger Interaktion mit einem Menschen, während eine Hand dauerhaft am Kopf gehalten wird – Beispiel für unachtsamen Umgang und fehlende Wahrnehmung von Grenzen.

meine zartbeseidete Hengstherde und ihre Vision

Was mich wirklich wütend macht, ist nicht das Pferd, sondern die Unachtsamkeit der Menschen.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen auf das Gelände kommen und sich verhalten, als hätten sie jedes Recht, einfach an meine Tiere zu gehen – ungefragt, ungebremst, ohne Gefühl dafür, was sie da eigentlich tun. Da wird am Kopf herumgefummelt, an der Zunge gespielt, im Gesicht herumgetatscht, ständig Hände am Pferd, als wäre das selbstverständlich. Gleichzeitig halten sie sich für erfahren, für „gut mit Tieren“.

Ich würde niemals in das Wohnzimmer eines anderen Menschen gehen und ungefragt dessen Partner ins Gesicht fassen, ihn festhalten oder ihm auf den Schoß klettern. Das ist eine Frage von Anstand. Aber genau das passiert hier – nur eben mit Pferden. Und das wird als normal angesehen.

Für mich ist es das nicht. Für mich ist das ein massives Übergehen von Grenzen. Und genau daran sieht man, wie wenig Bewusstsein im Umgang mit Tieren tatsächlich vorhanden ist.

Die Pferde reagieren darauf. Die einen ziehen sich zurück, die anderen machen dicht, manche spielen mit und werden dabei immer weiter von sich selbst entfernt. Und genau aus solchen Situationen entstehen die „Problempferde“, die später irgendwo wieder auftauchen.

Wenn diese Pferde zu mir kommen, bringen sie genau das mit. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil ihnen vorher niemand gezeigt hat, wie echter Umgang aussieht. In meinem Leben waren es vielleicht ein Drittel der Fohlen, die wirklich klar und frei aufgewachsen sind. Die anderen zwei Drittel tragen genau solche Erfahrungen in sich – Fehlprägungen, Unfälle, unklarer Umgang, zu viel Druck oder zu wenig Wahrnehmung.

Diese Pferde sind keine „schwierigen Pferde“. Sie sind fein. So fein, dass sie auf das reagieren, was Menschen oft gar nicht wahrnehmen – auf Spannung, auf Gedanken, auf Unklarheit. Und genau deshalb können sie nicht einfach benutzt werden.

Wenn sie zu mir kommen, sind sie zuerst eines: ein Therapiefall. Nicht, weil sie kaputt sind, sondern weil sie etwas tragen, das erst wieder in Ordnung kommen muss. Ich arbeite nicht an der Oberfläche, sondern an dem, was darunter liegt – an Wahrnehmung, an kleinsten Signalen, an dem, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Wenn ein Pferd diesen Weg gegangen ist, verändert sich etwas Grundlegendes. Es wird klar, es wird ruhig, es ist wieder bei sich. Und dann passiert etwas, das man nicht erzwingen kann: Diese Pferde beginnen, das Gelernte weiterzugeben. In der Herde, an neue Pferde, an nachkommende Fohlen. Und auch an Gäste die kommen und hinhöhren, an die Kinder, die sie noch sehen, nicht an die Erwachsenen, die sie übergehen.

Meine gesamte Herde basiert auf diesem Miteinander. Nicht ich allein forme sie, sie formen sich gegenseitig weiter. Sie zeigen sich einen anderen Umgang, eine andere Klarheit, eine andere Form von Beziehung. Das, was sie bei uns lernen, wird Teil der Herde und trägt sich von selbst weiter.

Gerade weil diese Pferde so fein sind, kann man Menschen nicht ungefiltert an sie heranlassen. Und genau hier braucht es Vorbereitung – nicht für die Pferde, sondern für die Menschen. Technische Unterstützung kann dabei helfen, Wahrnehmung zu schulen, Reaktionen sichtbar zu machen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was im Kontakt wirklich passiert, bevor jemand überhaupt in die Nähe dieser Pferde kommt.

Damit diese Arbeit möglich ist, entsteht gerade der passende Rahmen – ein Ort, an dem Pferde diesen Weg gehen können und an dem Menschen lernen, ihnen wirklich zu begegnen. Dafür braucht es Fläche, Struktur und Aufbau. Und Finanzelle Förderer, Menschen die den Sinn dain verstehen und unterstütze wollen. Durch konkrete Möglichkeiten, über Aufträge für Begleitung über Unterstützung im Aufbau für den Verein, für Material und für die Entwicklung dieses Ortes, oder auch über Verbindungen, Kontakte, die genau an der richtigen Stelle etwas in Bewegung bringen.

Das hier ist nichts Theoretisches. Und genau deshalb braucht es den Raum, in dem es vollständig aufgebaut werden kann. Und du kannst ein Teil davon sein .

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