Collage aus neun Fotos: Hengste im freien Spiel, junge Pferde in Bewegung, geführte Spaziergänge mit Pferden, Lamas und Ziegen, gemeinsame Wege im Gelände sowie Alltag einer artübergreifenden Aufzucht- und Trainingsgemeinschaft.

Was Tiere mich über Führung gelehrt haben

Wirkliche Führung hat für mich nichts mit Druck zu tun. Druck erzeugt Anpassung. Vertrauen erzeugt Beziehung. Und das ist nicht dasselbe.

Was ich mit meinen Tieren gelernt habe, ist weit mehr als eine Idee über Führung. Es ist ein über Jahrzehnte gewachsenes System aus Aufzucht, Ausbildung, Beziehung und sozialem Lernen.Ich bilde nicht einfach Pferde aus. Ich ziehe Partner auf.Und ich arbeite nicht nur mit einzelnen Tieren, sondern mit einer sozialen Ordnung, in der ältere Tiere den jüngeren helfen, in ihre Aufgabe hineinzuwachsen. Die Tiere, die heute mit mir arbeiten, helfen mir, die auszubilden, die mir in zehn Jahren helfen werden.Genau darin liegt etwas, das viele im klassischen Pferdebereich kaum kennen. Ausbildung beginnt für mich nicht erst, wenn ein Halfter draufkommt. Sie beginnt mit Sicherheit, Bindung, Verlässlichkeit, gemeinsamem Leben, Spiel, Freiraum und sozialem Lernen.Ein Hengstfohlen lernt bei mir nicht nur von mir. Es lernt von erwachsenen Pferden. Von ruhigen, erfahrenen Tieren, die vormachen, wie Kooperation funktioniert. Und es lernt nicht nur mit Pferden, sondern auch mit Ziegen, Lamas und Hunden. Weil Leben nicht in getrennten Kategorien stattfindet, sondern im Miteinander.Genau deshalb bin ich jahrelang mit meinen Pferden gegangen. Bin mit ihnen spazieren gegangen. Habe Zeit investiert, statt nur Leistung zu verlangen. Habe sie nicht einfach irgendwo stehen lassen und nichts mit ihnen gemacht. Habe sie nicht an fremde Trainer abgegeben, die aus ihnen etwas machen, das ich nicht brauchen kann.

Denn was heute an Vertrauen da ist, ist nicht zufällig entstanden.

Es ist gewachsen. Über Jahre. Über Erfahrung.Auch über Fehler, die ich am Anfang gemacht und selbst wieder korrigiert habe. Ich habe über zwanzig Pferde auf diese Weise aufgezogen und ausgebildet. Und jedes einzelne hat mir gezeigt: Dieses System funktioniert. Nicht, weil Tiere gehorchen. Sondern weil sie freiwillig mitgehen. Weil sie mitarbeiten wollen. Weil sie Freude daran haben. Weil sie nicht denken: Oh Gott, die Alte schon wieder. Sondern eher: Was machen wir heute? Und genau das ist für mich der eigentliche Unterschied.

Viele wollen ein funktionierendes Pferd.

Ich will einen mitdenkenden Partner.

Viele trainieren Verhalten.

Ich entwickle Beziehung.

Viele wollen Kontrolle.

Ich will Kooperation.

Dass ein 850-Kilo-Junghengst heute fein mit mir arbeitet, sich führen lässt, Verantwortung mitträgt und mir gefallen möchte, ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist das Ergebnis von Lebensarbeit.

Und daraus entsteht auch mein eigentliches Ausbildungskonzept.

Wenn Menschen mit ihren Tieren zu mir kämen, würde ich nie nur das Pferd trainieren. Immer Mensch und Tier gemeinsam. Denn Partnerschaft lässt sich nicht delegieren. Wenn nur das Pferd etwas lernt und der Mensch nicht, fällt später alles auseinander. Genau deshalb würde bei mir nicht einfach ein Pferd zum Trainer gestellt. Sondern Mensch und Tier würden gemeinsam lernen, wie Beziehung geht. Von Anfang an. Von der Aufzucht bis zur Aufgabe.

Ob Freizeit, Therapie, Ausbildung oder später ein anderer Einsatz, die Grundlage bleibt dieselbe:

Ein Tier wird bei mir nicht gebrochen. Ein Tier wird begleitet. Und vielleicht ist das, was meine Tiere mich über Führung gelehrt haben, nicht nur ein anderes Verständnis von Pferdeausbildung. Sondern ein anderes Verständnis von Beziehung überhaupt.

Pferd in enger Interaktion mit einem Menschen, während eine Hand dauerhaft am Kopf gehalten wird – Beispiel für unachtsamen Umgang und fehlende Wahrnehmung von Grenzen.

meine zartbeseidete Hengstherde und ihre Vision

Was mich wirklich wütend macht, ist nicht das Pferd, sondern die Unachtsamkeit der Menschen.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen auf das Gelände kommen und sich verhalten, als hätten sie jedes Recht, einfach an meine Tiere zu gehen – ungefragt, ungebremst, ohne Gefühl dafür, was sie da eigentlich tun. Da wird am Kopf herumgefummelt, an der Zunge gespielt, im Gesicht herumgetatscht, ständig Hände am Pferd, als wäre das selbstverständlich. Gleichzeitig halten sie sich für erfahren, für „gut mit Tieren“.

Ich würde niemals in das Wohnzimmer eines anderen Menschen gehen und ungefragt dessen Partner ins Gesicht fassen, ihn festhalten oder ihm auf den Schoß klettern. Das ist eine Frage von Anstand. Aber genau das passiert hier – nur eben mit Pferden. Und das wird als normal angesehen.

Für mich ist es das nicht. Für mich ist das ein massives Übergehen von Grenzen. Und genau daran sieht man, wie wenig Bewusstsein im Umgang mit Tieren tatsächlich vorhanden ist.

Die Pferde reagieren darauf. Die einen ziehen sich zurück, die anderen machen dicht, manche spielen mit und werden dabei immer weiter von sich selbst entfernt. Und genau aus solchen Situationen entstehen die „Problempferde“, die später irgendwo wieder auftauchen.

Wenn diese Pferde zu mir kommen, bringen sie genau das mit. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil ihnen vorher niemand gezeigt hat, wie echter Umgang aussieht. In meinem Leben waren es vielleicht ein Drittel der Fohlen, die wirklich klar und frei aufgewachsen sind. Die anderen zwei Drittel tragen genau solche Erfahrungen in sich – Fehlprägungen, Unfälle, unklarer Umgang, zu viel Druck oder zu wenig Wahrnehmung.

Diese Pferde sind keine „schwierigen Pferde“. Sie sind fein. So fein, dass sie auf das reagieren, was Menschen oft gar nicht wahrnehmen – auf Spannung, auf Gedanken, auf Unklarheit. Und genau deshalb können sie nicht einfach benutzt werden.

Wenn sie zu mir kommen, sind sie zuerst eines: ein Therapiefall. Nicht, weil sie kaputt sind, sondern weil sie etwas tragen, das erst wieder in Ordnung kommen muss. Ich arbeite nicht an der Oberfläche, sondern an dem, was darunter liegt – an Wahrnehmung, an kleinsten Signalen, an dem, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Wenn ein Pferd diesen Weg gegangen ist, verändert sich etwas Grundlegendes. Es wird klar, es wird ruhig, es ist wieder bei sich. Und dann passiert etwas, das man nicht erzwingen kann: Diese Pferde beginnen, das Gelernte weiterzugeben. In der Herde, an neue Pferde, an nachkommende Fohlen. Und auch an Gäste die kommen und hinhöhren, an die Kinder, die sie noch sehen, nicht an die Erwachsenen, die sie übergehen.

Meine gesamte Herde basiert auf diesem Miteinander. Nicht ich allein forme sie, sie formen sich gegenseitig weiter. Sie zeigen sich einen anderen Umgang, eine andere Klarheit, eine andere Form von Beziehung. Das, was sie bei uns lernen, wird Teil der Herde und trägt sich von selbst weiter.

Gerade weil diese Pferde so fein sind, kann man Menschen nicht ungefiltert an sie heranlassen. Und genau hier braucht es Vorbereitung – nicht für die Pferde, sondern für die Menschen. Technische Unterstützung kann dabei helfen, Wahrnehmung zu schulen, Reaktionen sichtbar zu machen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was im Kontakt wirklich passiert, bevor jemand überhaupt in die Nähe dieser Pferde kommt.

Damit diese Arbeit möglich ist, entsteht gerade der passende Rahmen – ein Ort, an dem Pferde diesen Weg gehen können und an dem Menschen lernen, ihnen wirklich zu begegnen. Dafür braucht es Fläche, Struktur und Aufbau. Und Finanzelle Förderer, Menschen die den Sinn dain verstehen und unterstütze wollen. Durch konkrete Möglichkeiten, über Aufträge für Begleitung über Unterstützung im Aufbau für den Verein, für Material und für die Entwicklung dieses Ortes, oder auch über Verbindungen, Kontakte, die genau an der richtigen Stelle etwas in Bewegung bringen.

Das hier ist nichts Theoretisches. Und genau deshalb braucht es den Raum, in dem es vollständig aufgebaut werden kann. Und du kannst ein Teil davon sein .

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