Schattenbild einer Frau mit Basecap auf einem Pferd, daneben ein weiteres Pferd am Führstrick auf einem Feldweg in der Abendsonne.

Zwischen Arbeitshose und Männerfantasien

Die letzten zwanzig Jahre waren in der Hinsicht ehrlich gesagt anstrengend.

Sobald irgendwo sichtbar wurde, dass ich mit Pferden arbeite, Tiere halte, einen Hof suche oder unterwegs bin, kamen oft nicht nur normale Reaktionen.
Da wurden plötzlich Projektionen daraus gemacht. Fantasien. Vorstellungen. Grenzüberschreitungen.
Nur weil eine Frau mit Pferden arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass sie dafür da ist, irgendwelche kranken Bilder in fremden Köpfen zu bedienen.

Viele sehen Bilder.
Aber nicht die Realität dahinter.

Sie sehen Pferde.
Aber nicht den Dreck, die Verantwortung, die schlaflosen Nächte, das Heu schleppen, das Zäune bauen, die Sorgen, die körperliche Arbeit und die dauernde Verantwortung für Lebewesen.

Sie sehen eine Frau mit Tieren.
Aber nicht den Menschen, der seit Jahren versucht, trotz aller Widerstände etwas Echtes aufzubauen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Sobald eine Frau nicht in die erwartete Rolle passt, reagieren manche seltsam darauf.

Denn ich fahre eben nicht geschniegelt durch die Gegend.
Ich sitze in Arbeitshosen im Transporter, mit Basecap, Staub an den Schuhen und Muskelkraft vom täglichen Arbeiten.
Wer täglich Pferde bewegt, Wasser schleppt, Offenställe baut, Tiere versorgt und schwere Dinge bewegt, entwickelt irgendwann keinen dekorativen Körper mehr, sondern einen funktionierenden.

Das ist keine Inszenierung.
Das ist mein Alltag.

Eine Frau mit Pferden soll in manchen Köpfen entweder romantisch weich sein, „das hübsche Pferdemädchen“ oder irgendeine Projektionsfläche.
Aber nicht jemand, der selbst fährt, baut, organisiert, Tiere hält, Entscheidungen trifft, körperlich arbeitet und dabei eine klare Präsenz hat.

Dabei entsteht oft dieser merkwürdige Widerspruch:
Einerseits wird Stärke bewundert.
Andererseits löst sie bei manchen Unsicherheit oder Projektionen aus.

Vor allem dann, wenn sie merken:
Die Frau braucht sie nicht als Retter, Bestätigung oder Mittelpunkt.

Und genau das scheint manche mehr zu irritieren als jedes Pferd oder jeder Hengst.

Denn meine Arbeit mit Pferden hat nichts mit den Fantasien anderer Menschen zu tun.
Meine Tiere sind keine Kulisse für irgendwelche Vorstellungen.
Und ich bin nicht verfügbar, nur weil ich sichtbar bin.

Heute bin ich zum Glück an einem Punkt, an dem vieles davon ruhiger geworden ist.
Nicht, weil ich weniger geworden bin.
Sondern weil ich gelernt habe, klarer zu werden.

Bis hierhin.
Und nicht weiter.

Ich bin hier für meine Arbeit, für meine Tiere und für das, was ich aufbauen möchte.
Alles andere dürfen andere gern bei sich selbst lassen.