Sary 2.0  Vertrauen entsteht nicht durch Tempo




Heute geht es um Sary2.0.

Sary2.0 ist keiner, den man einfach anreitet.
Er bringt nicht nur Gene mit.
Er bringt Erfahrung mit.

Und damit meine ich nicht „hat sich mal erschreckt“.
Sondern er hat erlebt, wie es ist, sich zu verletzen –
und daran zu sterben.

Und er hat erlebt, dass Menschen das verursacht haben.

Das sitzt.
Im Körper.
Im Vertrauen.
In jeder Entscheidung, die er trifft.

Das er die Erfahrung mitgebracht hate, sah ich bei meinem ersten Besuch damals, als er bei Mutti in der Box war.


Diese Erfahrung war da.
In ihm und ich durfte mich danach richten, in allem.

Und man hat es auch gesehen an dem, was er macht:

Überall reinspringen.
Sich selbst überfordern.
Grenzen nicht einschätzen.

So, wie er gekommen ist, hatte er es ja auch wieder geschafft,
sich zu verletzen.

Und genau da lag unsere Aufgabe als Team:

Diese Erfahrung aufzuarbeiten.
Ihm den Raum zu geben.
Ihm die Stabilität zu geben,
dass es nicht nochmal passiert.

Und dass der Mensch, der das verursacht hat,
nicht nochmal an ihn drankommt.

Und das war nicht einfach.

Vier Jahre sind vergangen.
Vier Jahre, die für uns nicht witzig waren.

Aber notwendig.

Weil wir dieses Trauma nicht ignorieren konnten.
Auch wenn von außen niemand geholfen hat,
war es für uns als Gruppe, als Herde, entscheidend,
das intern zu bearbeiten.

Und das hat die ganze Struktur geprägt.

Thor war damals noch ein Baby.
Und Sary hat ihn die erste Zeit bei uns begleitet.
Hat ihm Dinge gezeigt.
Hat ihm etwas mitgegeben,
woran er sich später wieder erinnern konnte.

Das ist nicht verloren gegangen.

Heute sieht man es andersherum:

Thor ist nachsichtig mit Sary.
Er gibt ihm Raum.
Er puffert ihn.

Und Alf ist da und übernimmt die väterliche Stabilität.
Er ist später gekommen.
Er hat das Trauma nicht miterlebt, aber as auch verdammt gut so ist.

Und genau deshalb kann er ruhig bleiben,
wo andere vielleicht blockieren würden.

Wenn man das Gesamtbild anschaut,
dann kann man zufrieden sein,
wie sich diese Herde verhält.

Sary selbst ist dabei eine eigene Hausnummer.

Die Desperado-Linie ist nichts für nebenbei.
Wenn man ihr Vertrauen hat,
dann ist sie tief, loyal, verbindend.

Aber wenn man sie falsch behandelt
oder nicht ernst nimmt,
dann sind das Kämpfer.

Und genau dieses Thema zeigt sich auch hier:

Ein Araber ist kein „für alle“.
Das ist ein Einmenschenpferd.
In meinem Fall: Einfraupferd.

Und genau deshalb ist es so stark,
dass Sary heute mit Tom läuft, wenn ich auf ihm sitze.

Das ging früher nicht.

Da brauchte es immer Begleitung. Ein weiteres Tier.
Einen Puffer. Mal der Hund, dann das Lama.

Alleine rausgehen war am Anfang keine Option.

Und daraus ist etwas entstanden,
was heute unser ganzes Arbeiten trägt:

Die Tiere haben Partner.
Sie arbeiten mit Menschen.
Aber sie haben auch ihre Begleiter im Team.

Nicht als Konkurrenz.
Sondern als Stabilität.

Und genau in diesem Gefüge
konnte Sary sich wieder aufbauen.

Ich habe ihn die ganze Zeit nicht gedrängt.
Sondern gehalten.

Alles, was er trägt, kennt er.
Keine Überraschungen.
Immer die gleiche Grundlage.

Routine.
Wiederholung.
Verlässlichkeit.

Und ich bin mit ihm in kleinsten Schritten gegangen.
Kaffeebohnenschritte.

Alles, was er eigentlich konnte,
musste wieder erinnert werden.

Es war da, ist abrufbar,  gemeinsam wieder freigelegt.

Jetzt, wo wir ins Reiten gehen,
läuft es genauso:

Ein Stück tragen.
Absteigen.
Wieder ein Stück tragen.
Wieder absteigen.

Nicht, weil er es nicht kann.
Sondern weil er sich sicher fühlen darf,  genau da entsteht Vertrauen.

Langsam kommt wieder der Sary von früher durch,
der nicht einfach reagiert,
sondern achtet.

Der mitgeht.
Der mitdenkt.

Und dass wir jetzt an dem Punkt sind,
dass er mich trägt – draußen, im Gelände –
das ist kein kleiner Schritt.

Das ist das Ergebnis von vier Jahren Arbeit.

Langsam im Arbeiten,  ist hier kein Rückschritt.
Langsam ist der Grund,
warum es überhaupt funktioniert.

Sary läuft aufmerksam im Wald, mit Reiter und Begleitung, ruhig und konzentriert im gemeinsamen Tempo.
Sary 2.0 wieder Anreiten
Frau reitet ein Pferd auf einem Waldweg, neben ihr läuft ein Lama an lockerer Leine durch grünes Unterholz

Wenn eine Herde gemeinsam entscheidet

Es waren einfach zwei Trainingstage.
Drei große Runden, drei große Pferde, und jedes Mal jemand dabei, der noch nicht ganz so routiniert ist.

Meilyn läuft als Lama schon lange mit.
Sie kennt das. Sie trägt das ruhig mit.
Halfa übt noch.
Und Kahn hätte gern schneller gewollt als Alf.

Wenn es nach den Lamas geht, würden die Pferde nicht nur Schritt gehen.
Aber es geht nicht darum, wer sich durchsetzt.
Es geht darum, dass es für alle zusammen passt.

Das ist kein einer führt und die anderen folgen.
Das ist Abstimmung.

Heute waren wir zusätzlich noch mit Thor draußen.
Straßentraining, ruhig, angepasst an die Wärme.

Ein bisschen traben, aber nur da, wo er es auch wirklich wollte.
Kein Ziehen, kein Drücken.

Er ist gerade an einem Punkt, wo er draußen nicht alles gerne läuft.
Und dann wird nicht diskutiert, sondern geschaut.

Ich steige ab, wenn es für ihn keinen Sinn macht.
Nicht, weil er damit irgendwas „gewinnt“.
Sondern weil ich sehe, was er gerade leisten kann und was nicht.

Das, was viele nicht verstehen:

Meine Pferde achten auf mich.
Alle.

Nicht, weil sie müssen.
Sondern weil sie wissen, was wir miteinander haben.

Wenn mir etwas passiert, bricht für sie ihr ganzes System weg.
Zuhause, Struktur, Training, Aufgabe.

Und genauso weiß ich, was passiert, wenn man sie falsch behandelt.
Einmal durchgezogen, einmal falsch geritten und das Pferd ist kaputt.
Nicht körperlich, sondern im Wesen.

Das ist kein Risiko, das ich eingehe.

Deshalb ist es ein Geben und Nehmen.

Ich höre hin.
Ich gehe auf sie ein.
Und sie achten auf mich.

Auch die Lamas.
Nur auf ihre Weise.

Heute Morgen sind wir früh raus, bevor die Hitze kam.
Gras gemäht mit der Sense und direkt verteilt.

Versorgung zuerst, dann Bewegung.

Und ja, wenn ein Pferd raus will, dann bekommt es auch die Bedingungen, die es dafür braucht.
Sonst läuft es nicht.

Nicht aus Trotz.
Sondern weil es für uns keinen Sinn ergibt.

Was wir hier machen, ist keine Methode.

Ich übersetze keine Tiere und ich stelle keine Befunde.

Ich zeige Menschen, worauf sie achten müssen.
Wie Tiere kommunizieren.
Was sie die ganze Zeit sagen, ohne Worte.

Und wie man beginnt, das überhaupt zu sehen.

Gestern im Wald, Dusty und Meilyn.
Fahrräder vorne, Fahrräder hinten.

Ein kurzer Moment, eine Ansage.

Dusty nimmt Meilyn mit ins Gebüsch.
Einfach so.
Ohne Diskussion.

Die Menschen fahren vorbei, schauen, lächeln.
Die Tiere bleiben ruhig.

Und alles ist gut.

Das ist das, was hier entsteht.

Kein klassisches Training.
Sondern ein System, das funktioniert.

Ein Team, das miteinander denkt.

Pferd in enger Interaktion mit einem Menschen, während eine Hand dauerhaft am Kopf gehalten wird – Beispiel für unachtsamen Umgang und fehlende Wahrnehmung von Grenzen.

meine zartbeseidete Hengstherde und ihre Vision

Was mich wirklich wütend macht, ist nicht das Pferd, sondern die Unachtsamkeit der Menschen.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen auf das Gelände kommen und sich verhalten, als hätten sie jedes Recht, einfach an meine Tiere zu gehen – ungefragt, ungebremst, ohne Gefühl dafür, was sie da eigentlich tun. Da wird am Kopf herumgefummelt, an der Zunge gespielt, im Gesicht herumgetatscht, ständig Hände am Pferd, als wäre das selbstverständlich. Gleichzeitig halten sie sich für erfahren, für „gut mit Tieren“.

Ich würde niemals in das Wohnzimmer eines anderen Menschen gehen und ungefragt dessen Partner ins Gesicht fassen, ihn festhalten oder ihm auf den Schoß klettern. Das ist eine Frage von Anstand. Aber genau das passiert hier – nur eben mit Pferden. Und das wird als normal angesehen.

Für mich ist es das nicht. Für mich ist das ein massives Übergehen von Grenzen. Und genau daran sieht man, wie wenig Bewusstsein im Umgang mit Tieren tatsächlich vorhanden ist.

Die Pferde reagieren darauf. Die einen ziehen sich zurück, die anderen machen dicht, manche spielen mit und werden dabei immer weiter von sich selbst entfernt. Und genau aus solchen Situationen entstehen die „Problempferde“, die später irgendwo wieder auftauchen.

Wenn diese Pferde zu mir kommen, bringen sie genau das mit. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil ihnen vorher niemand gezeigt hat, wie echter Umgang aussieht. In meinem Leben waren es vielleicht ein Drittel der Fohlen, die wirklich klar und frei aufgewachsen sind. Die anderen zwei Drittel tragen genau solche Erfahrungen in sich – Fehlprägungen, Unfälle, unklarer Umgang, zu viel Druck oder zu wenig Wahrnehmung.

Diese Pferde sind keine „schwierigen Pferde“. Sie sind fein. So fein, dass sie auf das reagieren, was Menschen oft gar nicht wahrnehmen – auf Spannung, auf Gedanken, auf Unklarheit. Und genau deshalb können sie nicht einfach benutzt werden.

Wenn sie zu mir kommen, sind sie zuerst eines: ein Therapiefall. Nicht, weil sie kaputt sind, sondern weil sie etwas tragen, das erst wieder in Ordnung kommen muss. Ich arbeite nicht an der Oberfläche, sondern an dem, was darunter liegt – an Wahrnehmung, an kleinsten Signalen, an dem, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Wenn ein Pferd diesen Weg gegangen ist, verändert sich etwas Grundlegendes. Es wird klar, es wird ruhig, es ist wieder bei sich. Und dann passiert etwas, das man nicht erzwingen kann: Diese Pferde beginnen, das Gelernte weiterzugeben. In der Herde, an neue Pferde, an nachkommende Fohlen. Und auch an Gäste die kommen und hinhöhren, an die Kinder, die sie noch sehen, nicht an die Erwachsenen, die sie übergehen.

Meine gesamte Herde basiert auf diesem Miteinander. Nicht ich allein forme sie, sie formen sich gegenseitig weiter. Sie zeigen sich einen anderen Umgang, eine andere Klarheit, eine andere Form von Beziehung. Das, was sie bei uns lernen, wird Teil der Herde und trägt sich von selbst weiter.

Gerade weil diese Pferde so fein sind, kann man Menschen nicht ungefiltert an sie heranlassen. Und genau hier braucht es Vorbereitung – nicht für die Pferde, sondern für die Menschen. Technische Unterstützung kann dabei helfen, Wahrnehmung zu schulen, Reaktionen sichtbar zu machen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was im Kontakt wirklich passiert, bevor jemand überhaupt in die Nähe dieser Pferde kommt.

Damit diese Arbeit möglich ist, entsteht gerade der passende Rahmen – ein Ort, an dem Pferde diesen Weg gehen können und an dem Menschen lernen, ihnen wirklich zu begegnen. Dafür braucht es Fläche, Struktur und Aufbau. Und Finanzelle Förderer, Menschen die den Sinn dain verstehen und unterstütze wollen. Durch konkrete Möglichkeiten, über Aufträge für Begleitung über Unterstützung im Aufbau für den Verein, für Material und für die Entwicklung dieses Ortes, oder auch über Verbindungen, Kontakte, die genau an der richtigen Stelle etwas in Bewegung bringen.

Das hier ist nichts Theoretisches. Und genau deshalb braucht es den Raum, in dem es vollständig aufgebaut werden kann. Und du kannst ein Teil davon sein .

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