Ostern ist ein Familienfest.
Und genau deshalb berührt es oft nicht nur das Schöne – sondern auch das, was tief sitzt.
Familienfeste erinnern uns nicht nur an Verbindung.
Sie erinnern uns auch an das, was gefehlt hat.
An das, was verletzt hat.
An das, was über Generationen weitergegeben wurde.
Ich bin nicht nur eine verstoßene Mutter.
Ich bin auch eine verstoßene Tochter.
Und dieses Thema ist kein Einzelfall.
Es zieht sich durch meine Familie – von meiner Uroma über meine Oma, über meine Mutter zu mir und von mir zu meinen Kindern.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich hinstellt und sagt:
Bis hierher und nicht weiter.
Den Kreislauf bewusst unterbrechen
Ich habe mich genau dafür entschieden.
Nicht wegzuschauen.
Nicht weiterzugeben.
Nicht zu wiederholen, was schon so lange wirkt.
Deswegen bin ich Lebensberaterin geworden.
Deswegen habe ich unzählige Fortbildungen gemacht.
Nicht, weil es „ein Beruf“ ist –
sondern weil ich verstehen wollte.
Weil ich diesen Schmerz nicht einfach weitertragen wollte.
Und weil ich nicht wollte, dass meine Kinder das gleiche Paket ungefiltert übernehmen.
Warum ich trotzdem schreibe
Gerade an Tagen wie Ostern schreibe ich meinen Kindern.
Nicht, um Druck zu machen.
Nicht, um etwas einzufordern.
Sondern weil ich möchte, dass von meiner Seite aus nichts offen bleibt.
Wenn sie Fragen haben, bekommen sie Antworten.
Echte Antworten.
Weil ich möchte, dass das, was von mir ausgeht, geklärt ist.
Auch wenn ich nicht beeinflussen kann, was von anderen Seiten kommt.
Denn natürlich sind Themen trotzdem weitergegeben worden.
Ich bin nicht das einzige Familienmitglied.
Es gibt andere, die ihre eigenen Themen nicht angeschaut haben.
Nicht reflektiert haben.
Und die ihre Sicht auf die Kinder übertragen haben.
Wenn Kinder ihren eigenen Weg gehen
Meine Kinder sind mittlerweile erwachsen.
Und sie stehen jetzt an dem Punkt, an dem sie anfangen, selbst zu erleben.
Selbst zu fühlen.
Selbst zu verstehen.
Noch sprechen sie nicht mit mir darüber.
Noch trauen sie sich nicht, diese Perspektive einzunehmen.
Aber ich sehe, dass es sich bewegt.
Sie sind gerade mit sich selbst beschäftigt.
Mit ihrer eigenen Entwicklung.
Und das ist richtig so.
Zeit wirkt – auch wenn es still ist
Ich glaube nicht, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist.
Ich glaube, dass es Zeit braucht.
Vielleicht Jahre.
Vielleicht ein ganzes Stück Leben.
Aber irgendwann kommt oft dieser Moment, an dem sich der Blick verändert.
An dem Fragen entstehen.
An dem man Dinge anders einordnet.
Und vielleicht kommt dann irgendwann ein Satz wie:
„Mama, es ist schade, dass wir nicht früher gekommen sind.“
Nicht aus Schuld.
Sondern aus Erkenntnis.
Verbindung verschwindet nicht
Auch wenn gerade kein Kontakt da ist.
Auch wenn nicht gesprochen wird.
Die Verbindung ist nicht weg.
Sie verändert nur ihre Form.
Manchmal ist sie leise.
Manchmal nur noch innerlich spürbar.
Manchmal zeigt sie sich erst viel später wieder im Außen.
Aber sie bleibt.
Ein ruhiger Blick auf Ostern
Vielleicht geht es an solchen Tagen gar nicht darum, alles zu lösen.
Sondern darum, sich selbst nicht zusätzlich zu verurteilen.
Nicht zu hart zu sein –
weder mit sich selbst noch mit den eigenen Kindern.
Jeder steht an einem anderen Punkt.
Jeder braucht seine eigene Zeit.
Und manchmal ist das Wichtigste, was man tun kann:
Die Tür offen lassen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen ruhigen Ostersonntag.
Und seid nicht zu hart – weder mit euch noch mit euren Kindern.
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